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Stralsund Perfektion aus Papier: Wie sich eine junge Stralsunderin einen Nebenjob erbastelt hat
Vorpommern Stralsund

Stralsund: Anne-Marie Warnke bastelt sich einen Nebenjob

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17:52 13.08.2021
Die Profi-Bastlerin Anne-Marie Warnke hat ihr Wohnzimmer in eine Buchbinderei umgewandelt. Dort stellt sie ihre Papierkunstwerke mit viel Liebe zum Detail her.
Die Profi-Bastlerin Anne-Marie Warnke hat ihr Wohnzimmer in eine Buchbinderei umgewandelt. Dort stellt sie ihre Papierkunstwerke mit viel Liebe zum Detail her. Quelle: Barbara Waretzi
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Stralsund

Unmengen an Papier stapeln sich in den Schränken von Anne-Marie Warnke. In der Ecke ihres Wohnzimmers stehen zudem Presse und Schneidemaschine: Die Profibastlerin hat ihre Wohnung zur Bastelstube umgewandelt. Dort fertigt sie mit Motiven dekorierte Notizbücher, aufklappbare Karten und personalisierte Kalender in mühevoller Handarbeit an.

Ihre Liebe zum Papier entdeckte die 26-Jährige während ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin. „Wir haben viele verschiedene Handwerkstechniken gelernt, unter anderem eben auch mit Papier. Da habe ich meine erste Sammelmappe gemacht und bin hängen geblieben, weil ich es so schön fand“, blickt Warnke zurück.

Mit Videos und Anleitungen hat sie sich selbst das Buchbinden beigebracht. „Mein erster Versuch war das Rezeptbuch meiner Mutter. Ich habe alle Rezepte am Computer geschrieben, ausgedruckt und die Seiten zu einem Buch zusammengenäht“, erinnert sich die Stralsunderin. Seit sechs Jahren übt sie fast täglich, so dass sie mittlerweile über ein breites Fachwissen verfügt.

Willkommen in der Bastelstube: Für ein Notizbuch verbringt die selbst ernannte Perfektionistin bis zu vier Stunden an ihrem Wohnzimmertisch. Quelle: Barbara Waretzi

Basteln als Unterstützung gegen Demenz und Depression?

Nach ihrer Ausbildung in Rostock arbeitete sie in Grimmen und zog 2018 nach Stralsund, wo sie seither im Krankenhaus West auf der gerontopsychiatrischen Station tätig ist. Dort behandelt sie überwiegend Depressions- und Demenzpatienten. Auch die Patienten profitieren von handwerklicher Betätigung. So arbeiteten sie mit Unterstützung der Stralsunderin an kleineren Werkstücken.

„Das Arbeiten mit den Händen kann die Therapie unterstützen. Es steigert das Selbstwertgefühl und legt den Fokus zurück auf Dinge, die der Patient trotz der Krankheit noch machen kann“, erklärt die Ergotherapeutin. Denn die Menschen sind in vielen Dingen nicht mehr selbstständig – sie werden von Pflegekräften gewaschen, angezogen, manche auch gefüttert. Vor allem Demenzkranke würden durch das Herstellen von Werkstücken ihr Körpergedächtnis ankurbeln. „Ich hatte schon viele ältere Damen, die noch perfekt häkeln konnten und ganz überrascht waren, wie automatisch sich ihre Finger bewegen.“

Am Wochenende widmet sich Warnke jedoch ganz ihren eigenen Papier-Kunstwerken. Das Buchbinden dient ihr dabei als Ausgleich zu ihrem oft fordernden Alltag auf der Station. „Ich bin immer wieder stolz, wenn ich meine Arbeit in den Händen halten kann“, betont sie. Freunde und Bekannte wissen ihre Liebe zum Detail zu schätzen, immer wieder bitten sie die gebürtige Demminerin um Glückwunsch- und Einladungskarten.

Handgemacht: Wie eine Karte zum großen Geschenk wird

Im Januar dieses Jahres traute sich die Stralsunderin, ihr Hobby zum Nebenberuf zu machen. In ihrem Onlineshop auf www.papierart-anni.de verkauft sie seither die handgemachten Papierwerke. Da Warnke jedes Stück einzeln herstellt, kann sie auf individuelle Wünsche eingehen. Mithilfe eines „Baukastens“ können so eigene Bücher zusammengestellt werden. Außerdem nimmt sie über das Kontaktformular Aufträge entgegen. Zuletzt waren es Taufkarten.

„Der Gedanke, dass sich jemand über meine Arbeit freut, macht mich wirklich glücklich. Dafür gebe ich mir gerne viel Mühe“, sagt die Shopbesitzerin. Perfektion stehe bei ihr an erster Stelle – so sitzt sie für ein Notizbuch bis zu vier Stunden am Wohnzimmertisch. Auch bei Geschenken lege sie großen Wert auf Handgemachtes. „So merkt man einfach, dass sich jemand wirklich Gedanken gemacht hat. Aus einer Kleinigkeit, wie der Karte, wird dann schon ein großes Geschenk“, erklärt sie ihre Philosophie.

Für die Zukunft hätte Anne-Marie Warnke gerne ein eigenes Atelier, indem sie den ganzen Tag ihrem liebsten Hobby nachgehen kann: dem Basteln. Zudem könnte sie sich vorstellen, Workshops rund um das Thema Buchbinden zu veranstalten. Gegenwärtig ist die Ergotherapeutin aber mit ihren beiden Jobs wunschlos zufrieden.

Fünf kreative Arten, ein Notizbuch zu verwenden

Selbst die Profi-Bastlerin Anne-Marie Warnke hat oft Hemmungen, ihre schönen Notizbücher tatsächlich zu verwenden. Und es müssen ja nicht immer nur Adressen, Telefonnummern und Termine sein. Fünf Ideen, womit die kleinen Büchlein außerdem gefüllt werden können.

1. Schöne Sprüche und Gedanken festzuhalten: Zugegeben, viele Kalendersprüche haben wir alle schon tausend Mal gehört, trotzdem geben sie uns immer wieder einen kleinen Denkanstoß.

2. Handbuch für die Arbeit: Anleitungen, Abläufe und Zugänge können in einem Buch zusammengefasst werden, sodass diese nicht mehr auf kleinen Klebezettel auf dem Schreibtisch gesucht werden müssen.

3. Urlaubsjournal: „In welchem kleinen Ort waren wir da noch mal?“ – Diese Frage erübrigt sich mit einem schön gestalteten Notizbuch. Darin können Fotos und Erinnerungen an die Reise festgehalten werden.

4. Skizzenbuch: Sie müssen kein Künstler sein, dennoch ist es schön, im Alltag mal ein kleines Mandala zu zeichnen oder einfach Platz für Gekritzel zu haben. Das ist im Büchlein auch besser aufgehoben als auf wichtigen Dokumenten, die man beiläufig in einem Meeting „verschönert“.

5. Positive Dinge vom Tag notieren: Wenn wir schlafen gehen, ist es eine gute Angewohnheit, sich einen Moment Zeit zu nehmen, um den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Oft finden sich ganz viele Dinge, die einen trotz Alltagsstress gefreut haben.

Von Barbara Waretzi