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Stralsund Weihnachtsmarkt Stralsund: kaum Schutzmasken, wenig Abstand – „fahrlässiges Hygiene-Konzept“
Vorpommern Stralsund

Stralsund: Kritik am Hygiene-Konzept des Weihnachtsmarktes

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17:42 29.11.2021
Auf dem Weihnachtsmarkt in der Altstadt von Stralsund sind zahlreiche Passanten unterwegs.
Auf dem Weihnachtsmarkt in der Altstadt von Stralsund sind zahlreiche Passanten unterwegs. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Zahlreiche Stralsunder erfreuen sich an diesem Wochenende am Weihnachtsmarkt. Zwar kommen offiziell nur Genesene und Geimpfte in den Genuss von Langos, Mutzen, Holunderglühwein und Co., dennoch ist es voll an der Eisbahn am Alten Markt und zwischen den Fahrgeschäften auf dem Neuen Markt.

Dabei fällt schnell ins Auge: Kaum ein Besucher trägt eine Schutzmaske – und zu Hochzeiten wie am Freitagabend ist an einen Mindestabstand nicht zu denken.

Was aktuell auf dem Weihnachtsmarkt in Stralsund gilt

Zwar hat der Betreiber, die SWS Stadtwerke Stralsund, ein Hygienekonzept vorgelegt, dennoch wird dieses offenbar nur unzureichend kontrolliert. Was seit dem 25. November nach Vorschriften des Landkreises Vorpommern-Rügen bis heute gilt:

Zutritt Alter Marktund Neuer Markt nur mit 2G.

Zutritt Rathausheller: 2G+Regel: Geimpft, genesen + tagesaktueller Test.

2G-Regelwird von Schaustellern an der Bude geprüft, danach bekommt jeder Gast einen Stempel, der auch an anderen Buden gilt.

Personen mit akuten Atemwegserkrankungen ist der Zutritt nicht gestattet, sofern nicht durch ein ärztliches Attest nachgewiesen wird, dass keine COVID-19-Erkrankung vorliegt.

Der Mindestabstand von 1,50 m zu anderen Personen ist einzuhalten, ausgenommen zwischen Angehörigen eines Hausstandes und Begleitpersonen Pflegebedürftiger.

Maskenpflicht im Außenbereich: Es besteht auch im Außenbereich für die Besucher die Pflicht, eine Mund-Nase-Abdeckung (medizinische Maske oder FFP2 Maske) zu tragen, wobei Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres sowie Menschen, die aufgrund einer medizinischen oder psychischen Beeinträchtigung oder einer Behinderung keine Mund-Nase-Bedeckung tragen können und dies durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen können, hiervon ausgenommen sind.

Unzureichende Kontrollen, Kritik an Hygienekonzept

Die Schausteller sind bemüht und Fragen nach 2G-Regel zwar die Impf- und Genesenen-Zertifikate ab, auf das Tragen der Masken weisen diese jedoch nicht hin. Und auch sonst hat das Hygiene-Konzept Lücken, wie Rolf Martens (Grüne) beobachtet hat.

„Ich habe es am Freitagabend getestet. Mein Ergebnis ist negativ, was in diesem Fall jedoch keine Erleichterung auslöst. Am Alten Markt standen alle an den Ständen eng gedrängt, die wenigsten mit Maske. Auch am Neuen Markt alles voll, kaum Masken zu sehen“, beschreibt er.

„Eine Verkäuferin wollte mein Impfzertifikat sehen, ich bekam den Kontrollstempel auf die Hand und habe drei kandierte Liebesäpfel gekauft. Diese gab ich an meinen Sohn, meine Tochter und deren Freundin weiter, die mit am Stand direkt bei mir standen. Ihren Impfstatus hat niemand abgefragt. Schnell weg, zurück in Richtung Rathaus“, so Martens.

An einem Glühweinstand kaufte er vier Getränke. „Dazu habe ich nur meinen Stempel vorzeigen müssen, die vollen Gläser habe ich nach hinten durchgereicht.“ Sein Fazit: „Freier Zugang ins Gedränge, dabei keine Kontrollen. Ein Stempel reicht, um eine Gruppe mit Liebesäpfeln und Getränken zu versorgen.“

Das Stempelmotiv an diesem Abend. „Ein kleiner Stern, ein Kinderstempel, wie es sie auch für kleines Geld im Schreibwarenhandel gibt“, sagt Martens. „Nein, das ist nicht lustig, das ist fahrlässig. Wer hat sich nur dieses ,Sicherheitskonzept’ ausgedacht?“

Kritik an raschen Änderungen

Ein weiterer Kritikpunkt der Leser ist das „Hin und Her“ mit den Regelungen. Bereits am Donnerstag wurde für das Wochenende 2G-Plus für den kompletten Bereich angekündigt, doch diese geplante Maßnahme konnte am Freitagabend wieder zurückgenommen werden, weil Vorpommern-Rügen von der Corona-Warnstufe „Rot“ auf „Orange“ rutschte.

„Was ein hin und her“, kommentiert Maria Witt. „Wozu denn auch erst angekündigt, wenn man erst mal abwarten musste“, hinterfragt Yvonne Kaune. „Allmählich wird es einem echt zu kindisch“, sagt Steffi Höft. „Wenn es morgen wieder rot anzeigt, heißt es wieder 2G+. Bei dem Hin und Her hat doch keiner mehr Bock, überhaupt auf den Weihnachtsmarkt zu gehen.“

„Einfach freuen, dass der Markt noch auf hat!“

Dem widerspricht jedoch Michaela Hahn. „Also heute (Freitag) hatten da ’ne Menge Leute Bock drauf. War gut besucht und gute Laune. Das Konzept mit dem Vorzeigen der Impfnachweise funktioniert auch. Alle ziehen an einem Strang, damit es klappt!“, ist ihr Eindruck.

„Nicht aufregen“, sagt Frank Skaletz. „Einfach freuen, dass im Gegensatz zu manch anderen Orten in Deutschland der Weihnachtsmarkt in Stralsund noch offen ist. Fragt euch lieber, warum sich jetzt plötzlich so viele impfen lassen. Hätten es diese vor zwei Monaten gemacht, würde es in vielen Bundesländern jetzt anders bzw. besser aussehen.“

Von kst