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Stralsund Darum sind Tuberkulose und Krätze in Vorpommern wieder auf dem Vormarsch
Vorpommern Stralsund Darum sind Tuberkulose und Krätze in Vorpommern wieder auf dem Vormarsch
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10:00 16.11.2019
Impfen hilft Infektionskrankheiten einzudämmen. Ein kleiner Piks in den Oberarm – und Krankheitserreger wie Grippe oder Hepatitis haben keine Chance. Quelle: dpa
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Stralsund

Ausgerottet geglaubte Infektionskrankheiten, wie etwa Tuberkulose (TBC), sind immer noch aktiv. So finden sich beispielsweise in der Statistik des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) bis zur 44. Kalenderwoche für dieses Jahr sieben gemeldete Erkrankungen im Landkreis Vorpommern-Rügen. In ganz Mecklenburg-Vorpommern wurden im gleichen Zeitraum 43 Fälle registriert. Wie kann das sein, da gegen TBC in Deutschland ja flächendeckend geimpft wurde?

Eine Krankheit, die lange versteckt bleibt

„Ja, es gibt die Tuberkulose immer noch“, sagt Dr. Susanne Reuther. Die Fachgebietsleiterin Hygiene der Kreisverwaltung hält die Entwicklung zwar nicht für besorgniserregend, auch wenn sie für die Betroffenen erhebliche Wirkungen entfalten kann. „In Deutschland wird die Tbc-Impfung ab 1998 nicht mehr empfohlen, weil die Fallzahlen stark gesunken waren“, sagt die Medizinerin.

Betroffen sind nach ihren Erkenntnissen derzeit vor allem ältere Menschen, die sich in der Kriegs- und Nachkriegszeit infiziert haben. Da sich die Krankheit über lange Zeit im Körper verstecken kann, bricht sie mitunter erst aus, wenn das Immunsystem im Alter abbaut.

Statistik macht Krankheitstendenzen deutlich

Mit der Statistik des Lagus für den Landkreis Vorpommern-Rügen hat sich jetzt auch der Gesundheitsausschuss des Kreistages befasst. Für Susanne Reuther ist diese Datensammlung vor allem ein wichtiges Instrument, um Tendenzen bei der Entwicklung von Infektionskrankheiten erkennen zu können. „Momentan sticht Vorpommern-Rügen im Landesvergleich bei den Erkrankungen nirgendwo heraus“, sagt die Medizinerin. Jedoch zeigt die Statistik schon, wo reagiert werden muss. Etwa bei den aktuell vermehrt auftretenden Fällen von Krätze.

Wurden davon im gesamten vergangenen Jahr im Landkreis Vorpommern-Rügen noch 181 Erkrankungen registriert, so sind es bis zur 44. Kalenderwoche dieses Jahres bereits 206 Fälle gewesen. Eine steigende Tendenz, wie sie sich auch landesweit widerspiegelt. Wurden 2016 in Mecklenburg-Vorpommern landesweit noch 70 Fälle gezählt, waren es 2017 schon 328 und im vergangenen Jahr 654 Krankheitsfälle.

Skabies wird durch Hautkontakt übertragen

Deutlich wird, dass von Ende September bis Ende Oktober im Landkreis jede Woche zwischen zwei und sieben Menschen an dieser durch Milben übertragenen Krankheit erkrankten. Die kleinen Spinnentiere bohren dabei kleine Gänge in die Oberhaut und legen hier ihre Eier, aber auch Kotballen ab, was zu erheblichen Schädigungen der Haut führen kann. Die von Medizinern Skabies genannte Krankheit wird zumeist durch Hautkontakt übertragen.

„Die Statistik zeigt uns auch, wo diese Fälle von Krätzmilbenbefall in unserem wie in anderen Landkreisen auftreten – in Familien, Schulen, Kitas und Pflegeheimen“, sagt die Ärztin. Wichtig ist, dass in allen Fällen schnell behandelt und auch informiert wird. So reagierte der Fachdienst Gesundheit des Landratsamtes auf diese Steigerungsraten mit einem breiten Informationsangebot für Betroffene, wie Mitarbeiter von Gemeinschaftseinrichtungen.

Grippeschutzimpfung wird jetzt empfohlen

Ständig ein Thema für die Gesundheitsschützer vom Amt ist die Grippe. Auch wenn es die ersten Meldungen in diesem Herbst bereits gegeben hat, so sieht die Fachbereichsleiterin die Lage momentan noch nicht als sehr besorgniserregend an. Immerhin verzeichnet die Statistik des Lagus für den Landkreis vom Beginn des Jahres bis zur 44. Kalenderwoche 869 Influenza-Fälle, die meisten davon zu Jahresanfang. Daher empfiehlt das Robert Koch Institut Berlin als den optimalen Zeitpunkt für eine Grippeschutzimpfung vor allem die Monate Oktober bis November, weil der Impfschutz sich erst über etwa 14 Tage aufbauen muss. Auch Susanne Reuther wirbt für die Grippeschutzimpfung: „Wir haben nichts anderes als die Impfung, um wirksam vor der Grippe zu schützen.“

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Von Jörg Mattern

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