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Stralsund „Ein Mensch ist so lange nicht tot, wie man sich seiner erinnert“
Vorpommern Stralsund „Ein Mensch ist so lange nicht tot, wie man sich seiner erinnert“
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16:52 10.11.2019
Gedenken an der Stele im Innenhof des Stralsunder Johannisklosters. Quelle: Kai Lachmann
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Stralsund

Georg, Charlotte und Wolfgang Lesser, Fritz Adolf Wolf Cohn und seine Frau Gerda – Stralsunder Juden, die in der Nazizeit ermordet wurden. Am späten Sonnabendnachmittag erinnert Pröpstin Helga Ruch bei einem Gedenkmarsch an sie, erzählt ihren Werdegang, berichtet von ihrer Deportation und was über ihr jähes Ende bekannt ist. „Im Jüdischen heißt es: ,Ein Mensch ist so lange nicht tot, wie man sich seiner erinnert’“, erklärt die Pröpstin den rund 70 Teilnehmern.

Dieser Marsch, umrahmt von jiddischen Liedern der Musiker Matthias Grieger und Albrecht Manthei, findet nicht zufällig am 9. November statt. Denn an diesem Datum fand nicht nur 1989 der Mauerfall statt, sondern 1938 auch die Reichspogromnacht. Vor 81 Jahren setzten Faschisten rund 1400 Synagogen in Deutschland in Brand oder zerstörten sie auf andere Weise, ebenso Tausende Geschäfte. Menschen jüdischen Glaubens wurden verletzt, deportiert oder vor Ort ermordet. Dieser Tag markierte den Beginn der systematischen Verfolgung von Juden in Deutschland.

„...dass so etwas nie wieder geschehen kann“

„Auch hier in Stralsund hat die Synagoge in der Langen Straße gebrannt, wurden Geschäfte zerschlagen, wurden jüdische Menschen, die ohne Schuld waren, gequält, misshandelt und eingesperrt“, blickt Christoph Lehnert an der Gedenkstele im Innenhof des Johannisklosters zurück, von wo aus sich der Marsch in Bewegung setzt. „Auch wenn wir persönlich daran keinen Anteil haben, so haben wir in unserer Gesellschaft doch Verantwortung für unsere Vergangenheit.“ Er mahnt, „dass wir alles tun, dass so etwas nie wieder in unserer Republik oder auf der Welt geschehen kann“.

Nach mehreren Reden an der Stele im Johanniskloster gingen rund 70 Personen mit Kerzen in der Hand durch die Stadt und hielten zwei Mahnwachen ab.

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Von Kai Lachmann

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