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Stralsund Stralsunder IT-Firma hofft auf Millionen-Projekt
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Stralsunder IT-Firma hofft auf Millionen-Projekt

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17:18 21.01.2020
Stralsunds OB Alexander Badrow (CDU) besucht Frank Technow, Abteilungsleiter Entwicklung, in den Räumen der Wilken Software Group in der Papenstraße. Badrow hält einen modernen Stromzähler mit blauem Smart Meter Gateway in der Hand, Technow eine Flasche „Absolut Wilken“ – pures Wasser. Quelle: Kai Lachmann
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Stralsund

Eine Situation, wie die Stralsunder Mitarbeiter der Wilken Software Group sie erleben, wünscht sich wohl jedes Unternehmen: Ein neues Gesetz verpflichtet zur allgemeinen Veränderung – und das IT-Unternehmen hat dafür schon die passende Lösung im Angebot.

Die Rede eingangs ist vom Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende. Es schreibt vor, dass alle Stromzähler in Deutschland umgerüstet werden müssen – sie sollen digitaler und intelligenter werden. Eine zusätzliche Kommunikationseinheit, ein sogenannter Smart Meter Gateway, dient zur Erfassung, Verarbeitung und zum sicheren Versand von Messdaten.

Smart Meter Gateway“ kostet um die 300 Euro

Energieverbräuche können damit transparent dargestellt und weitere Medien wie Gas, Wasser und Wärme angebunden und über eine Box gesteuert werden. Die Stralsunder Wilken-Leute bauen dafür die notwendige digitale Plattform. Auch wenn es sehr speziell ist: Hier geht es um viel Geld.

So ein „Smart Meter Gateway“ kann schon mal um die 300 Euro kosten. Die Niederlassung der Firma in der Papenstraße hat sich Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) nun angeschaut. Das hat Tradition. Fast 130 Unternehmensbesuche stehen beim Stadtoberhaupt zu Buche.

Drei Stralsund-Rückkehrer gründen Start-up

„Wir sind hier sieben Mitarbeiter, davon drei Rückkehrer“, berichtet Frank Technow, der bei Wilken als Abteilungsleiter im Bereich Entwicklung arbeitet und selbst Stralsunder ist. Den Standort in der Hansestadt am Rande der Fußgängerzone hat er ab 2017 mit aufgebaut. Wie kam es dazu?

Vor einigen Jahren gründete er eine neue Firma, die in München ansässig war. Er entwickelte ein Computer-Programm für Versorgungsunternehmen, das nicht nur Kunden überzeugte, sondern auch die Wilken Group mit Sitz in Ulm (Baden-Württemberg), die sein Start-up schließlich aufkaufte. Technow stellte die Bedingung, einen Standort in seiner Heimat aufbauen zu dürfen, und setzte sich durch.

Warten auf den Stralsunder IT Campus

Gerne hätte das Unternehmen am Sund auch noch einen weiteren Zweig im Bereich Prozessdienstleistung aufgebaut. Doch die Räume reichen dafür nicht aus. „Wir haben jetzt noch Platz für einen Entwickler und zwei Auszubildende“, sagt Technow. Aktiv suchen würde die Firma nicht, die Bewerbungen kommen hin und wieder von selbst.

Technow ist auch Vorstandsmitglied der Stralsunder IT Lagune, einem Verein, der Vorpommern durch die Förderung der Informationstechnologie voranbringen will. Die Lagune kooperiert dafür unter anderem mit der Stralsunder Hochschule. „Die Branche im Nordosten ist sehr kleinteilig aufgestellt. Das Problem ist, dass die Kleinen nie an die großen Aufträge herankommen“, sagt Technow. Ein weiteres großes Problem der Branche: fehlende Mitarbeiter. Laut Branchenverband Bitkom sind in Deutschland rund 125 000 Stellen in dem Bereich unbesetzt.

Stralsund soll Spezialisten aus Großstädten anziehen

Um sich vergrößern zu können, hoffen die Stralsunder PC-Spezialisten auf den Neubau des IT-Campus. Es wird eines der größten Bauprojekte der Hansestadt in den kommenden Jahren. In unmittelbarer Nähe zur Hochschule soll auf etwa 20 Hektar ein Zentrum errichtet werden, das insbesondere den Ansprüchen der Firmen aus der Digitalwirtschaft entsprechen. Bis zum ersten Spatenstich könnte es allerdings noch eineinhalb Jahre dauern. Rund 30 Millionen Euro soll das Projekt kosten.

Bürgermeister Badrow hofft auf ein Erstarken der IT-Wirtschaft in Stralsund: „Es ist ein Beruf, in dem junge Leute arbeiten können, unabhängig davon, wo sie gerade sind.“ Die Idee sei daher, „die hohe Lebensqualität in Stralsund“ zum Beispiel in Hamburg und Berlin bekannter zu machen. Zudem würden Firmen in den Großstädten kaum noch ITler finden. Konkrete Werbemaßnahmen gebe es aber noch nicht. Das solle sich ändern, sobald der Prozess, eine Stadtmarke zu entwickeln, Ergebnisse gebracht hat, kündigte Badrow an. „Dann wollen wir für verschiedene Themen werben, nicht nur für Tourismus.“

Catering, Kirchen, Krankenversicherungen

Schon Ende der 1970er Jahre hat die heutige Firma Wilken Software Group aus Ulm angefangen, Computerprogramme zu entwickeln. Heute hat Wilken neben Stralsund und dem Hauptsitz noch drei weitere Standorte in Deutschland, einen in der Schweiz und einen in Spanien.

Das Unternehmen beschäftigt 520 Mitarbeiter, entwickelt Software für Versorgungsunternehmen (u.a. 400 Stadtwerke in Deutschland), Krankenversicherungen, Unternehmen im Bereich Pflege, für Kirchen und Tourismus-Firmen. Ein Unternehmensteil von Wilken ist im Bereich Catering aktiv.

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Von Kai Lachmann

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