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Stralsund Stralsunder Stadtmarke: Welt-Futur-Erbe oder KunterSund?
Vorpommern Stralsund Stralsunder Stadtmarke: Welt-Futur-Erbe oder KunterSund?
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19:06 01.10.2019
Das Team der Identitätsstiftung, das mit der Entwicklung eines Konzepts zur Stralsunder Stadtmarke befasst ist – Theresa Hackl, Lutz Woellert, Deborah Hahn, Ellen Regehr (v.l.). Quelle: Tobias Eineder
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Stralsund

Die Stadtmarke kommt. So viel lässt sich nach der ersten Auswertung der bisherigen Arbeit dazu am Montagabend im zeitweiligen Ausschuss Stadtmarke der Bürgerschaft sagen. Jedoch wird diese wohl anders aussehen, als so mancher der Anwesenden sich das bisher vorgestellt hat. Ohne dem Endergebnis vorgreifen zu wollen, das bis Mitte November vorliegen soll – ein feststehender Begriff, wie ihn etwa die Ottostadt Magdeburg für sich gefunden hat, wird es eher nicht sein.

Die mit der Erarbeitung des Markenkonzepts beauftragte Identitätsstiftung Hannover setzt stattdessen auf Vielfalt, wenn es darum geht, Stralsunds Kernbotschaft zu formulieren. „Unser Verständnis von der Identität Stralsunds lässt sich in neun Punkten zusammenfassen“, sagte Lutz Woellert, Geschäftsführer und Projektleiter der Identitätsstiftung, bei der Vorstellung erster Arbeitsergebnisse.

Zusammenspiel vieler Aspekte macht die Stadt aus

Die Hansestadt ist demnach ein Ort zum Wohlfühlen, der maritim geprägt ist, sie verfügt über eine reiche Historie (Welterbestatus) ebenso wie über kurze Wege. Backsteinarchitektur und das Wasser vor der Haustür tragen ebenso zum Selbstverständnis bei wie der Zusammenhalt untereinander, auch wenn der Stralsunder mitunter derb und verschlossen ist, so verfügt die Stadt doch über viel große Dynamik und Innovationskraft.

„Erst das Zusammenspiel dieser neun Aspekte macht die Stadt aus“, betonte Woellert. Zu dieser Erkenntnis trugen in den letzten Tagen Interviews mit 149 Teilnehmern bei Umfragen im Stadtgebiet bei, ergänzt um zahlreiche Expertenbefragungen sowie die fünftägige Mitmachwoche für die Stralsunder. Diese hatten Gelegenheit, sich in sechs Workshops und drei Dialogveranstaltungen mit dem Thema Stadtmarke auseinanderzusetzen. „Spürbar wurde dabei die Lust am Mitgestalten“, sagte der Projektleiter, ohne zu verschweigen, dass er sich vor dem Hintergrund der Angebote etwas mehr Beteiligung gewünscht hätte.

Stadtmarke mit Vielfalt zulassen

Doch wie jetzt mit den ersten Erkenntnissen umgehen? „Wir sollten die Vielfalt zulassen“, sagte Lutz Woellert und betonte: „Die Zeiten sind vorbei, wo wir für die Marke ein Logo voranstellen.“ Vielmehr präsentierte er dem Ausschuss sechs Punkte, die jetzt auf dem Weg zur Stadtmarke wichtig werden. Die Beteiligung der Bürger muss weitergehen. Mut ist wichtig. „Wir sollten lieber etwas Gewagtes probieren und offen darüber sprechen“, so Woellert. Die Stadtmarke ist weniger Produkt, vielmehr ein Prozess. Die Marke soll nach innen wie außen wirken. Sie soll Vielfalt transportieren und: Die Kernbotschaft braucht klare Bereitschaft von Politik, Verwaltung und Bürgern für die Umsetzung.

Nicht nur die Wirtschaft, sondern Menschen berühren

Damit ist noch nicht gesagt, wie sich das künftig auf einem Plakat darstellen ließe. Doch der Projektleiter präsentierte erste Wortspiele dazu: Start-up-Hanse, GlasfaserGothik, Welt-Futur-Erbe oder Sundheit, KunterSund oder eben auch Handschlach. Ohne dass diese Begriffe bereits festgeklopft sind, verdeutlichen sie doch: Stralsunder Mentalität, Visionen und Werte – nach innen wie außen. Die Agentur will damit nicht nur die Wirtschaft berühren, sondern die Menschen, die hier leben.

Dialogplattform für Stralsund im Internet schaffen

Die Diskussion dazu zeigte sowohl Zustimmung als auch leise Zweifel. So wollte Thomas Haack (BfS) wissen: „Halten Sie die bisherige Beteiligung der Stralsunder für repräsentativ?“ Woellert: „Ja, inhaltlich deckt sie ein breites Spektrum ab.“ Ansonsten setzt die Agentur auf die weitere Einbeziehung der Bürger in den Markenprozess. Dem schloss sich Michael Philippen, Fraktionschef der Bürger für Stralsund, an: „Wir müssen das Projekt breiter aufstellen und die Stralsunder besser mitnehmen.“ Auf die Frage nach dem Wie sagte Lutz Woellert: „Im ständigen Dialog.“ Er schlug vor, dazu eine interaktive Online-Plattform zu schaffen, aufbauend auf der bisherigen Arbeitsplattform www.unser-stralsund.de.

Für Heidi Waschki, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins, hat die Identitätsstiftung mit ihrer Interpretation der künftigen Stadtmarke bereits voll ins Schwarze getroffen. „Es geht um einen umfassenden Prozess, in dessen Gestaltung sich künftig noch mehr Stralsunder einbringen können.“

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