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Stralsund Stralsunder Meister-Tänzer seit 65 Jahren glücklich verheiratet
Vorpommern Stralsund Stralsunder Meister-Tänzer seit 65 Jahren glücklich verheiratet
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20:00 27.08.2019
Traudel und Heinz Gäsert blicken auf ein erfülltes gemeinsames Leben zurück. Am Mittwoch begehen sie ihr 65-jähriges Ehejubiläum. Quelle: privat
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Stralsund

„Das hätte ich vor zehn Jahren nicht zu träumen gewagt, dass wir einmal Eiserne Hochzeit feiern werden“, meint Traudel Gäsert. Die 86-Jährige musste damals sehr um ihren Heinz (heute 89) bangen. Nach einem gut überstandenen Lungenkrebs kam es plötzlich zum Herzklappenversagen. Nur die Herz-Lungen-Maschine und mehrere Operationen hielten ihn am Leben. Die Ärzte bereiteten die Stralsunder Familie auf das Schlimmste vor.

„Doch Heinz ist ein Kämpfer. Er hat sich nicht unterkriegen lassen“, ist Traudel stolz auf ihren Mann. Und spricht mit Dankbarkeit von Tochter Petra, Ärztin für Anästhesie und Intensivmedizin, und Sohn Ralf, Dipl.-Ingenieur für Maschinenbau, die ihr in der schweren Zeit fest zur Seite standen.

Paar hat inzwischen drei Urenkel

Überhaupt die Familie. „Die Kinder haben uns immer Freude gemacht“, sind sich die beiden einig und freuen sich über den engen Zusammenhalt, der auch die drei Enkel und inzwischen drei Urenkel umfasst. „Wir sind uns sicher, dass sie zu unserem 65. Hochzeitstag wieder etwas Besonderes vorbereitet haben“, sagt Traudel.

Vor fünf Jahren zum Beispiel, bei der Diamantenen Hochzeit, gab es ein wunderschönes Konzert in der Marienkirche. Eine weitere Überraschung wartete dann am Ausgang auf sie: Paare des von ihnen aufgebauten Seniorentanzkreises gratulierten mit einer kleinen Einlage.

DDR-Meister im Tanzen

Tanzen – das ist aus dem Leben der Gäserts nicht wegzudenken. Seit fast 60 Jahren verbindet die beiden das schöne Hobby. „Auf einer Feier wurde Heinz damals das Kompliment gemacht, er würde beim Tanzen eine tolle Figur abgeben und sollte es doch einmal als Turniertänzer versuchen“, erzählt Traudel. Aus dem Versuch wurde eine Erfolgsgeschichte. Die beiden traten 1963 in den Tanzsportverein Blau-Weiß ein. Schon bald konnten sie sich über einen DDR-Vizemeister-Titel in der A-Klasse und einen Meistertitel im Formationstanz freuen.

Heinz Gäsert erwarb die Lizenz zum Turniertanz-Trainer und als Wertungsrichter, wurde in den 80er-Jahren Vereinsvorsitzender und in den 90ern Präsident des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Doch mindestens genauso wichtig wie Erfolge und Ehrenämter waren den beiden die Gemeinsamkeit und Freude im Tanzsportclub, der zunächst zum Arbeitervariete der Volkswerft gehörte.

„Es war eine schöne Zeit damals im Thälmann-Haus“, blickt Heinz zurück. „Viele Kinder und junge Paare haben wir an das Tanzen herangeführt und vielen Zuschauern mit unseren Auftritten Freude bereitet. Gäserts gehörten dann auch zu den vier Paaren, die den Tanzverein über die Wende führten und ihn im Oktober 1991 als TSC Blau-Weiß neu begründeten. Traudel wurde zunächst Vorsitzende und – als sie die Funktion 2004 mit damals immerhin 260 Mitgliedern abgab – zur Ehrenvorsitzenden ernannt.

Seebrücken sind seine „Kinder“

Mit Freude denken die beiden, die aus der Brandenburger Region stammen, auch an ihre berufliche Laufbahn zurück. Als diplomierter Statiker für Wasserbau führte Heinz’ Weg an die Küste, erst nach Rostock, dann Anfang der 1960er Jahre nach Stralsund, wo das Paar bis heute lebt. Bis über die Rente hinaus war er beim Ingenieurbüro für Industrieprojektierung (IPRO) tätig, zeichnete vor allem für die Projektierung von Seebrücken verantwortlich. So sind die Seebrücken von Ahlbeck, Bansin, Zinnowitz, Göhren, Sellin oder Prerow und Zingst seine „Kinder“.

Traudel wiederum kann auf ein erfülltes Berufsleben als Apothekenassistentin zurückblicken. „Ich hatte zunächst ein Medizinstudium an der Humboldt-Uni in Berlin angefangen, doch in der Pathologie habe ich mich förmlich zu jeder Leiche dazugelegt – das war einfach nichts für mich.“ Umso wohler fühlte sie sich – ebenfalls übers Rentenalter hinaus – im Pharmazie-Großhandel an der Greifswalder Chaussee, dem späteren Sanacorp.

Beide haben am selben Tag Geburtstag

Kennengelernt haben sich die heutigen Jubilare aus Knieper Nord auch auf ihrem beruflichen Weg, nämlich 1950 an der damaligen Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Potsdam, wo sie ihr Abitur nachholten. „Ein morgendlicher Akt der Lehrerin war es immer, Geburtstagskindern zu gratulieren. Und da stellte sich heraus: Wir haben beide am 19. Oktober Geburtstag“, erzählt Heinz. „Von da an haben wir immer gemeinsam gefeiert.“ Und das funktionierte so gut, dass es nur noch ein kleiner Schritt war, bis sie sich am 28. August 1954 in der Kirche von Gutengermendorf bei Löwenberg das Ja-Wort gaben.

Eine gute Tradition wurde es für die beiden, in dieser Kirche beim silbernen, goldenen und Diamantenen Ehejubiläum ihr Ehegelöbnis zu untermauern. Sicher wird das auch heute für das „eiserne Paar“, dem all unsere guten Wünsche gelten, nicht anders sein.

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