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Stralsund Stralsunder Norden – Zuhause für „Reich und Schön“
Vorpommern Stralsund Stralsunder Norden – Zuhause für „Reich und Schön“
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13:44 30.08.2019
Die Kinder der Klasse 5a der Diesterwegschule haben den neuen Spielplatz mit seinen zahlreichen Klettermöglichkeiten zur Eröffnung gleich in Beschlag genommen. Quelle: Kai Lachmann
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Stralsund

Bagger rollen übers Gelände, Bauarbeiter fahren mit Kleintransportern vor, an eingerüsteten Fassaden sind Handwerker im Einsatz: Im Stralsunder Norden nahe der Hochschulallee wird fleißig gearbeitet. Ein Baugebiet wird hier erschlossen, ein anderes bereits mit großzügigen Einfamilienhäusern besiedelt. Stralsund wächst – am nördlichen Stadtrand aber wohl ohne soziale Durchmischung. Dafür sind die Preise einfach zu hoch.

Nahe des Strelasunds werden für einen Quadratmeter offiziell um die 180 Euro fällig. Den Preis wiegt Gerd Habedank, Geschäftsführer der Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft (LEG), mit hohen Kosten auf. Generell sei in Stralsund keine Grundstückserschließung mehr für unter 100 Euro pro Quadratmeter realisierbar. Und das Gelände nahe am Wasser sei abschüssig, was die Arbeiten aufwendiger mache.

Zuschlag zum Höchstpreis

„Wir sind nicht daran interessiert, die Preise nach oben zu treiben“, stellt Habedank klar. „Das regelt der Markt.“ So habe das Verhältnis von Angebot und Nachfrage dazu geführt, dass kein einziges Grundstück für den offiziellen Preis verkauft wurde. Die ausgewählten Interessenten hätten alle zum Teil deutlich mehr – bis zu 355 Euro, also knapp das Doppelte – geboten. „Die Grundstücke werden zum Mindestpreis angeboten und zum Höchstpreis vergeben“, heißt es auf der Internetseite der LEG. Ein Grundstück ist noch zu haben. Schriftliche Angebote nimmt die LEG noch bis zum 2. September entgegen.

Damit das Quartier eine einheitliche und charismatische Anmutung bekommt, gibt es zudem Vorgaben für den Bau der Häuser auf den rund 1000 Quadratmeter großen Grundstücken. Aus dem Katalog ist hier nichts, stattdessen entstehen neben einigen Mehrfamilienhäusern mit Mietwohnungen ausschließlich moderne, kubistische Zweigeschosser. Auch das muss man sich leisten können.

In den Baugebieten am Strelasund wird wenig soziale Durchmischung herrschen, dafür sind die Baugrundstücke einfach zu teuer. Quelle: Kai Lachmann

Schulsanierung hat Priorität

So merkt auch Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) beim Gang durchs Viertel salopp an: „Hier wohnt Reich und Schön.“ Das Stadtoberhaupt ist an diesem Freitagmorgen auf dem Weg zur Einweihung von Stralsunds neustem Spielplatz, der in unmittelbarer Nähe der beiden Wohngebiete und direkt am Ostseeküstenradweg liegt. Die Klasse 5a der Diesterwegschule erwartet ihn bereits. Die Schüler haben die Klettergeräte längst in Beschlag genommen, doch bevor sie richtig losturnen, gibt es noch ein paar Infos.

Badrow erklärt den Kindern, dass die Stadt durch den Verkauf der Grundstücke Geld einnimmt, das wiederum für die Schulen ausgegeben wird. „Wir haben damit Großes vor“, sagt er und rechnet vor: 60 Millionen Euro will die Stadt in die Sanierung stecken, 20 Millionen davon muss sie selbst aufbringen. Die Investition in die Kinder und ihre Bildung habe für die Stadt absolute Priorität, so Badrow. Dann gibt er zusammen mit weiteren Vertretern der Stadt das Startkommando und die Kinder turnen los.

Kinder wollen klettern

Der neue Spielplatz hat laut Angaben der Pressestelle 105 000 Euro gekostet. Konzipiert hat ihn Nicolaus Fehmel von der Umweltplan GmbH Stralsund. Ist es nicht ein ganz wunderbarer Job, Spielplätze zu gestalten und dann zu sehen, wie sich die Kinder dort austoben? „Das ist natürlich erfüllend“, sagt der Landschaftsarchitekt. „Wir haben hier aber nicht nur an die Kinder gedacht. Weil der Spielplatz direkt am Ostseeküstenradweg liegt, haben wir auch Bänke und einen Tisch gebaut, damit Radfahrer hier eine Pause einlegen können.“

Klassische Spielgeräte wie Schaukel, Rutsche und Wippe sucht mach hier vergeblich. Stattdessen stehen fast ausnahmslos Kletterelemente zur Verfügung. Die kämen bei den Kindern immer sehr gut an, meint Fehmel. Außerdem sei darauf geachtet worden, dass die verschiedenen Spielplätze der Stadt auch unterschiedliche Gestaltungen hätten. In einem weiteren Wohngebiet in der Nähe werde zudem gerade ein anderer Spielplatz ertüchtigt, wofür die Stadt 32 000 Euro ausgibt.

Zum Spielplatz gehört auch ein Kletterstein, auf dem sich die Kinder fürs Gruppenfoto versammelt haben. Quelle: Kai Lachmann

Fast 120 Plätze für Spiel und Sport

119 Spielplätze und Kleinsportanlagen stehen den Stralsundern im Stadtgebiet für Spiel und Spaß zur Verfügung. 80 davon befinden sich in städtischer Verwaltung, 39 sind in Privateigentum. Mehr als 40 000 Euro wendet die Stadt auf, um die Plätze instand zu halten. Darüber hinaus stehen aktuell aus Spenden der hiesigen Sparkasse und der Verpflichtung eines Erschließungsträgers insgesamt 92 200 Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen ein neuer Spielplatz in der Vogelsangstraße und in der Vogelwiese sowie Ergänzungen der Plätze Kalandshof, Teichhof, Tolstoiweg, Heilgeiststraße vorgenommen werden.

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