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Stralsund In Lüssow ist gut Kirschen pflücken
Vorpommern Stralsund In Lüssow ist gut Kirschen pflücken
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18:03 16.07.2019
Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (l.) und Johannes Eggert vom Obstgut Lüssow bei der Ernte. Quelle: Pressestelle der Stadt Stralsund
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Lüssow

Es gehört zu den angenehmsten Seiten des Oberbürgermeister-Daseins, sich die Unternehmen im Zuständigkeitsbereich und der direkten Nachbarschaft anzuschauen, mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und freundlich in die Kamera zu lächeln. Stralsunds Stadtoberhaupt Alexander Badrow (CDU) schätzt dieses Format sehr und hat für Unternehmensbesuch Nummer 126 Anfang der Woche das Obstgut Lüssow ausgesucht. Laut Pressestelle ist es „der größten Obst- und Gemüsegarten vor den Toren der Hansestadt“.

„Bewirtschaftet werden von Johannes Eggert (76) und seinem Sohn Silvio (50) zusammen mit 40 ständigen Mitarbeitern (in der Erntezeit 100) insgesamt 460 Hektar Land“, heißt es seitens der städtischen Öffentlichkeitsarbeit. „Auf dem allergrößten Teil (200 Hektar) wächst Obst in allen Varianten, die das lokale Klima zulassen. 160 Hektar hat Eggert von der Stadt gepachtet und baut alles an, was selber geerntet werden kann: Erdbeeren, Kirschen, Pflaumen, Äpfel. Johannisbeeren sowie Tomaten, Gurken, Kohl, Wruken, Kartoffeln und auch Blumen. Insgesamt sind es inzwischen 47 verschiedene Kulturen, die dort wachsen.“ Die Hansestadt Stralsund ist Eigentümerin von fast 7000 Hektar Acker- und Grünland, die sie an insgesamt 55 Landwirtschaftsbetriebe verpachtet hat, informiert Pressesprecher Peter Koslik.

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Das Obstgut ist bei Stralsundern, den Menschen aus dem Umland und bei Touristen beliebt – denn das Selbstpflücken ist für viele eine willkommene Abwechslung zum Einkaufen im Supermarkt. Außerdem ist der Kauf von regionalen Produkten besser fürs Klima, da weder Liefer- noch Kühlkette bemüht werden müssen. Doch die Idee, die Kundschaft selbst an die Bäume und auf die Felder zu lassen, ist nicht dem aktuellen Zeitgeist entsprungen.

Familien kommen zum Selbstpfücken

Schon seit 2003 hat Johannes Eggert das frühere „Volkseigene Obstgut Lüssow“ für Selbstpflücker geöffnet. „Damit hatte er ab sofort Erfolg. Auch deswegen, weil diese Obstbauanlage die einzige verbliebene von 42 Gütern in ganz Vorpommern war, die hier bis 1990 existierten. Der Ruf der ,Rodeprämie’ führte damals in kürzester Zeit zu einem kompletten Kahlschlag im heimischen Obstanbau“, berichtet die Pressestelle. 

„Unser großer Vorteil ist die Direktvermarktung im regionalen Absatz, wir haben keine Zwischenhändler und sind deswegen frei in der Preisgestaltung“, fasst der seit 56 Jahren im Gartenbau arbeitende Eggert das Konzept zusammen, von dem Oberbürgermeister Badrow sagt, es sei „eine tolle Erfolgsgeschichte“. Zum Pflücken kämen längst nicht nur ältere Herrschaften, haben die Betreiber des Obstgutes festgestellt. Ganze Familien wollen in die Plantagen. „So ist ein Ausflug ins Obstgut praktisch auch gleich erweiterter ,Schulgartenuntericht’ für die Jüngeren, die bisher so manches Mal nicht wussten, woher das Obst überhaupt kommt, wenn es im Supermarkt liegt“, lautet die Einschätzung der Stralsunder Pressestelle.

Und was kann man zurzeit ernten?

So einiges. Beliebt sind seit Wochen die Erdbeeren. Stachelbeeren und Johannisbeeren kommen hinzu, die süßen Kirschen sind erntereif, bald auch die sauren. Die Himbeeren kann man schon mal probieren, die Brombeeren brauchen auch nicht mehr lang. Auch Tomaten und mehrere Sorten Kartoffeln können selbst geerntet werden. Und nicht nur das: Bunte Blumen wachsen im Lüssower Gut ebenfalls ganz prächtig, unter anderem Löwenmaul, Statice und Gladiolen.

In Lüssow wurden extra breite Blühstreifen angelegt. Quelle: Pressestelle der Stadt Stralsund

Obst, Gemüse und Blumen – das ist noch immer nicht alles: Rund 300 Bienenvölker leben auf dem Obstgut. Für die kleinen fleißigen Insekten haben die Lüssower extra breite Blühstreifen angelegt. „Honig ist heute der Renner“, sagt Johannes Eggert und bedauert, dass es immer weniger Imker gäbe, die wüssten, wann was zu tun ist. „Bienen zu züchten, das braucht Erfahrung.“

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