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Stralsund Stralsunder Politik auf Partnersuche in Russland
Vorpommern Stralsund Stralsunder Politik auf Partnersuche in Russland
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06:15 03.04.2019
Druzhba: Das Ehrenmal für gefallene Sowjetsoldaten vor der Stralsunder Marienkriche war bereits Anlaß für diplomatische Kontakte nach Russland. Einigen Mitglieder der Bürgerschaft schwebt aber eine deutlich intensivere Partnerschaft vor. Quelle: Sammlung Stefan Sauer
Stralsund

Jahrzehnte ist es her, dass auf der Volkswerft Schiffe für die Sowjetunion gefertigt wurden. Linke und SPD wollen in der Bürgerschaft die Kontakte zwischen der Stadt Stralsund und Russland neu beleben. Ein entsprechender Antrag steht für die Sitzung am Donnerstag auf der Tagesordnung. Konkret wird Bürgermeister Alexander Badrow darin aufgefordert, Möglichkeiten einer Städtepartnerschaft nach Russland auszuloten.

„Wir haben das Thema schon länger im Blickfeld“, betont Wolfgang Meyer, Geschäftsführer der Linken-Fraktion in der Bürgerschaft, dem es dabei um mehr geht, als ein paar warme Grußworte zwischen Politikern. Er verweist vor allem auf die Interessen der Wirtschaft in Stralsund und der Region Vorpommern. Dort gebe es den klaren Wunsch die direkten Kontakte zu stärken, gerade weil die außenpolitische Situation zu Russland seit der Ukraine-Krise und durch Embargos angespannt ist.

„Die Geschäfte gehen gen null“

Tatsächlich sprechen sich lokale Wirtschaftsvertreter für einen engeren Draht zur Russischen Föderation aus. „Natürlich sind die Embargos gegen Russland ein Problem. Gerade in Nord- und Ostdeutschland gab es über viele Jahre enge geschäftliche Beziehungen“, sagt der Stralsunder Torsten Grundke, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock (IHK). „Abgesehen von einzelnen, prestigeträchtigen Großprojekten wie der Erdgas-Pipeline die derzeit durch Vorpommern gezogen wird, gehen die Geschäfte mit Russland inzwischen gen null“, glaubt er. Das betreffe neben der Landwirtschaft auch den Technologie-Austausch und die Logistik-Branche, wie beispielsweise den Fährhafen in Mukran, der über Breitspur-Gleise für russische Eisenbahnwaggons verfügt.

„Wir sind immer dafür, wenn es darum geht, die Kontakte nicht abreißen zu lassen, sondern zu pflegen und aufzubauen“, so Grundke. Es sei gut, wenn sich auch die örtliche Politik dafür einsetzt, dass es zu mehr Austausch und gegenseitigem Verständnis kommt. Auf Landesebene organisiert die IHK gemeinsam mit der Schweriner Staatskanzlei seit einigen Jahren einen regelmäßigen Russland-Tag in Rostock. „Gerade die SPD im Land hat sich bei dem Thema immer wieder in die Bresche geworfen, bei der CDU klemmt es da leider ein bisschen“, so Grundke.

Idee noch ganz am Anfang

Der Vorstoß in der Bürgerschaft hat allerdings den einen oder anderen Haken: Einen konkreten Vorschlag, mit welcher russischen Kommune man Gespräche führen könnte, haben die Fraktionen nicht formuliert. „Ende Juni findet in der russischen Stadt Pskov der Internationale Hansetag statt. Das wäre eine gute Gelegenheit Kontakte zu knüpfen“, glaubt Linken-Geschäftsführer Meyer. Pskov unterhält bereits zwei Partnerschaften nach Deutschland. Es kämen sicher auch andere Orte in der Region um Leningrad infrage, so Meyer. Wie genau sich eine Partnerschaft aufbauen ließe, da will er sich nicht festlegen. „Es gibt in dem Bereich Förderprogramme des Bundes und der EU und das Deutsch-Russische Forum für kommunale Partnerschaft, die dabei unterstützen könnten“, glaubt er, räumt dabei aber ein, dass die Idee noch in den Kinderschuhen stecke.

Stralsund unterhält bislang acht Städtepartnerschaften unter anderem nach Schweden, Finnland Polen und China. Dort Abstriche zu machen, um neue Freunde in Russland zu gewinnen, sieht man bei den Linken aber nicht als Option. „Gerade nach Finnland sollten wir die Kontakte intensivieren. Bei den Themen Kita, Schule und Bildung können wir noch einiges von dort lernen“, so Meyer.

Diplomatisch schwieriges Gelände

Stralsund bewegt sich schon seit einiger Zeit auf dem diplomatischem Parkett zur Russischen Föderation. Allerdings in ganz anderer Sache. Die Ideen zur Umgestaltung des Neuen Marktes stoßen immer wieder auf das sowjetische Ehrenmal und den umliegenden Friedhof vor dem Nordportal der Marienkirche. Dabei wurden verschieden Varianten von der Restaurierung bis zu einer kompletten Verlegung im Gespräch. Eine Umbettung der Kriegstoten wäre allerdings nur mit Zustimmung der russischen Seite denkbar.

Letztlich hatten einer vollständigen Verlegung nicht nur örtliche Vereine, sondern auch der Denkmalschutz widersprochen. „Veränderungen, insbesondere durch Umsetzung der Stele und Umbettung der Gräber, sind aus denkmalfachlicher Sicht schwer vorstellbar und würden eine Neubewertung des Denkmalwertes zur Folge haben“, heißt es in einem Text der Landesbehörde. Auch der Standort sei ein Dokument, das Zeugnis von der Geschichte ablegt. Die Umgestaltung aber ist weiterhin Thema, darüber steht die Stadt auch mit der russischen Botschaft in Kontakt.

Carsten Schönebeck

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