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Stralsund Kleines Stralsunder Restaurant schafft es in den Gault-Millau
Vorpommern Stralsund Kleines Stralsunder Restaurant schafft es in den Gault-Millau
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14:01 24.11.2018
Gute Adresse hinter schlichter Fassade: Das Restaurant „Eine gute Zeit“ wird jetzt als einziges in der Stadt vom Gault-Millau empfohlen. Quelle: Stefan Sauer
Stralsund

Eine gute Küche allein genügt natürlich nicht. Wer sich heute in einem Restaurant wohlfühlen will, erwartet, dass das Lokal zum Lifestyle passt. Es geht ums Gesamte. Und das muss gepasst haben, nachdem der anonyme Tester, der von einem in der Szene gefürchteten, aber genau deshalb für seine Anerkennung ebenso geschätzten Restaurantführer in Stralsund ausgesetzt worden war, die kleine, auf einen kurzen Blick im Vorbeigehen etwas hipsterlich wirkende Gaststube gefunden hatte. Im Ergebnis steht nun folgendes wahrlich zu Buche: Das kleine Stralsunder Restaurant „Eine gute Zeit“ in der schmalen Knieperstraße wird ab sofort vom Gault-Millau empfohlen. Als einziges Lokal der Stadt.

Die Empfehlung in der Gault-Millau-Ausgabe 2019 ist kurz, aber wie üblich mit viel Herz verfasst. Demnach halte der Name „Eine gute Zeit“ von „morgens bis abends, was man in Stralsund versprechen kann. Denn hier gibt es wohl das beste Frühstück der Stadt, eine wöchentlich wechselnde Mittagskarte mit Gerichten wie in Rosmarin geschmortes Schweinefilet auf Bandnudeln mit mallorquinischer Tomatensauce oder thailändische Reispfanne mit Zitronenhähnchen und am Abend mit Honig und Rum marinierte Riesengarnelenschwänze vom Grill oder karamellisiertes Selleriemus zum Roastbeef mit Bohnen.“

So steht’s auf Seite 569, wo „Eine gute Zeit – das kleine Restaurant“, wie das Haus vollständig heißt, unter den Städtenamen mit S beginnend in der neuen Kategorie „Pop“ für kreative und innovative Gastronomiekonzepte platziert worden ist. Mit dieser erst frisch eingeführten Kategorie beschreitet die Gault-Millau-Redaktion neue Wege und räumt so fast beiläufig ein, dass der klassische Gourmetzirkus derzeit, auch wegen seines noch immer oft steifen Gehabes, in eine kleine Krise geraten ist. Besonders jüngere Menschen haben kaum Lust, sich eine Bluse oder ein Hemd bügeln zu müssen, ehe sie gutes Essen und ein anständiges Glas Wein genießen. Selbst wer seinen Laptop dabei nicht wegstellen mag, soll sich willkommen fühlen.

Im „Eine gute Zeit“ sollen alle Gäste entspannt und zufrieden sein. Jetzt gab’s dafür eine Empfehlung im Gault-Millau.

Die Gastro-Szene in den Großstädten hat darauf vor Jahren reagiert, und Jana Brauch, sie ist die Besitzerin der „Guten Zeit“, trug diesen Stil vor zwei Jahren nach Stralsund. „Dass sich in Deutschland – nach dem Vorbild französischer Neo-Bistros und lässiger skandinavischer Gastkultur – immer mehr junge, unkonventionelle gastronomische Konzepte neben dem klassischen Restaurantformat entwickeln, die kulinarischen Anspruch mit viel Lockerheit verbinden, würdigt der Guide mit seinem neuen Pop-Signet“, schrieb der Gault-Millau noch vor dem Erscheinen der neuesten Ausgabe an Jana Brauch. Bundesweit seien 70 Bistros, Szenetreffs und andere Adressen ausgezeichnet worden, die nicht mit den sonst maximal fünf (das schaffen in Deutschland gerade mal acht Häuser) abgedruckten Kochmützen bewertet werden, in denen aber begeisterte Gastgeber ihre Vorstellungen von unkompliziertem Genuss umsetzen würden, hieß es weiter. Hier gehört „Eine gute Zeit“ in Stralsund nun dazu.

In der Küche hat Marco Jäger das Sagen, ein Stralsunder. Er pflegt einen für die Hansestadt noch etwas frechen, aber in der Summe stets prima austarierten Crossover-Stil. Seine Art der Zubereitung sowie die von Bäcker Lars Kronforth, einem Meister der Patisserie, sind für Caterings inzwischen sogar außer Haus zu haben.

Jana Brauch hat, seit sie vorab von der Würdigung erfuhr, kein Stück ihrer Freude darüber abgelegt. Stralsund hatte sie einst zum Studium verlassen, wurde Architektin, war lange im Event- und Messemanagement tätig, lebte in Hamburg, packte mit ihrem Mann dort die Sachen, als sie einen kleinen Neu-Stralsunder im Bauch hatte. Sie wirkt wie der Idealfall, den zurzeit die Landes- und die Kommunalpolitik gern hochhalten, wenn darüber debattiert wird, dass es ohne eine rasche Digitalisierung und allerlei staatlich finanzierte Rückholagenturen und Welcome-Centern nicht gelingen könne, jüngere beruflich erfolgreiche Menschen aus Hamburg oder Berlin nach Vorpommern zu locken. Jana Brauch ließ das Erdgeschoss in dem hohen Altstadt-Haus der Schwiegereltern in der Knieperstraße sanieren, um dort ihre Idee vom kleinen Restaurant zu verwirklichen. Noch ehe sie aber an einen schnellen Internetanschluss denken konnte, brach bei den Arbeiten erst einmal die Kellerdecke ein.

Zentraler Blickfang vor dem heute schwarz gekachelten Tresen ist ein floral tapezierter Stützpfeiler, der im Pariser Chic einen überaus romantisch motivierten Gegenpol zu dem sonst klaren und zurückgenommenen skandinavischen Innendesign bildet. Jana Brauch vergleicht diesen Stil mit einem in seiner Dimension genau richtig gewählten Passepartout, das den Blick nicht ab-, sondern darauf lenken soll, was auf den Tisch kommt.

Etablieren müsse sich in Stralsund indes noch eine Gastronomiekultur, die die Altstadtgassen stärker einbezieht. Vor dem „Eine gute Zeit“ sitzt man im Sommer draußen durchaus zwischen parkenden Autos, was in Metropolen nicht als Malus gilt, sondern ein Zeichen für lockere Läden, die mehr wollen, als Touristen abzuspeisen. Und wer von uns abends in Florenz einkehrt, lernt schnell, dass es das beste Bistecca alla fiorentina dort in den Gassen gibt, wo man zur Abwechslung sogar auf Einheimische trifft.

Der Gault-Millau

Der Gault-Millau wurde 1969 in Frankreich von den Journalisten Henri Gault und Christian Millau gegründet. Die Redaktion vergibt die Gault-Millau-Kochmützen, die neben Michelins Sternen als die begehrteste Auszeichnung in der Gourmetszene gelten. Die Vergabe der Punkte folgt dem französischen Schulnotenprinzip. Die höchste Note für die weltbesten Köche liegt deshalb bei 19,5 Punkten. Bei der Vergabe der Kochmützen gilt das Notensystem als Grundlage. Bei elf Punkten (durchschnittliche Küche) gibt’s noch keine Mütze, bei 13 und 14 Punkten zumindest eine und so weiter. Mit der neuen Kategorie Pop, in der das Stralsunder Restaurant „Eine gute Zeit“ empfohlen wird, werden unabhängig von Noten und Mützen innovative Gastro-Konzepte belohnt.

Benjamin Fischer

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