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Stralsund Stralsunder Schüler: „Klima-Demos sind heuchlerisch“
Vorpommern Stralsund Stralsunder Schüler: „Klima-Demos sind heuchlerisch“
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06:03 22.03.2019
Für den Klimaschutz zu demonstrieren, ist noch längst kein echtes Engagement, glaubt der Stralsunder Schüler Jonathan Göbel. Quelle: Carsten Schönebeck
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Stralsund

500 Teilnehmer waren es vergangene Woche auf dem Alten Markt in Stralsund. Die weltweiten Klima-Demos bringen vor allem junge Leute auf die Straße. Dass manche Schüler gar nicht so glücklich damit sind, kann in der Debatte um CO²-Ausstoß und Schulpflicht glatt untergehen. Einer davon ist Jonathan Göbel. Er besucht die 11. Klasse am Fachgymnasium in Stralsund und drückt freitags auch dann die Schulbank, wenn andere demonstrieren gehen. Auch in seinem Umfeld, sagt er, beteilige sich niemand an den Protesten, für die er scharfe Worte findet. Viele der Demonstranten seien ahnungslos und an einer Lösung der Umwelt-Probleme gar nicht wirklich interessiert, sagt er. „Da werden Forderungen aufgestellt, die gar nicht umsetzbar sind, von jungen Leuten, die selber gar nicht bereit sind auf Autos, Flugzeuge und Plastik zu verzichten. Das finde ich heuchlerisch.“

Falsches Bild von der Jugend

Dass die Bewegung, auch dank der schwedischen Schülerin Greta Thunberg als gut inszenierter Ikone, so viel Aufmerksamkeit bekommt, ärgert ihn beinahe. „Die Demos und viele Medien zeichnen ein falsches und pauschales Bild von der Jugend“, glaubt Göbel. Zumal aus seiner Sicht nur eine Minderheit der Demonstranten es ernst meine. „Das ist ein Event, ein Hype mit sehr vielen Mitläufern“, sagt er. Gleichzeitig würden Politiker und Lobby-Gruppen die Veranstaltungen vereinnahmen.

Schule schwänzen, darf man auch mal

Bei seiner Kritik geht es Göbel nicht um die Verletzung der Schulpflicht, die in dem Zusammenhang viel diskutiert wird: „Dass Schüler da mal fehlen, ist nicht das eigentliche Problem, auch wenn es das stärkere Signal wäre, wenn man in der Freizeit demonstriert. In Stralsund wurde ja sogar nachmittags demonstriert.“ Das sah in anderen Städten Deutschlands und weltweit anders aus. Vielen Organisatoren wollen durch den Verstoß gegen die Schulpflicht die Wichtigkeit ihres Anliegens unterstreichen. Problematisch sieht Jonathan Göbel aber, dass viele Politiker und manche Lehrer die Schüler ermunterten, zu schwänzen. „Die Schule und die Lehrer müssen politisch neutral bleiben. So gut man das Ziel der Demos auch finden mag, ist das nichts worüber Lehrer befinden sollten“, so Göbel.

„Umwelt- und Tierschutz sind mir wichtig“

Und wer jetzt glaubt, da spricht einer in den Klischees, die man ihm als Mitglied der Jungen Liberalen zuschreiben würde, der könnte irren. Göbel engagiert sich seit einigen Monaten bei der Jugendorganisation der FDP, ist aber gleichzeitig Unterstützer der radikalen Tierschutzorganisation „Peta“. „Umwelt- und Tierschutz sind mir wichtig und ich glaube auch, dass in der Politik zu wenig getan wird“, erläutert er. Wer aber wirklich etwas bewegen wolle, der müsse sich inhaltlich mit dem Thema befassen – mit technischen Entwicklungen, internationalen Abkommen und politischen und wirtschaftlichen Mechanismen. Wer stattdessen Schilder male und zur Demo gehe, der mache es sich zu einfach. „Pauschale Forderungen, wie Verbote von Autos oder Flugreisen in Deutschland sind nicht durchdacht. Ich kann das nicht ernst nehmen. Damit zieht man das wichtige Anliegen eher ins Lächerliche“, glaubt Göbel.

Carsten Schönebeck

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