Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Stralsunder Stadtwerke investieren in neue Gasleitungen
Vorpommern Stralsund Stralsunder Stadtwerke investieren in neue Gasleitungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:42 13.06.2019
Die Stralsunder Stadtwerke lassen neue Gasleitungen in Grünhufe und der Tribseer Vorstadt verlegen. Sachgebietsleiter Olaf Lemke (Mitte) schaut sich an, wie weit Maschinenführer Martin Jaroschinski (l.) und Vorarbeiter Ronny Meier bisher gekommen sind. Quelle: Kai Lachmann
Anzeige
Stralsund

Horizontalbohrspülverfahren für eine Gasniederdruckversorgungsleitung – diese schön-schrecklichen deutschen Wörter stehen für eine Art zu arbeiten, von der die Stralsunder einerseits kaum etwas mitbekommen, andererseits aber stark profitieren. Und das sogar mehrfach. Aber der Reihe nach.

Die Stadtwerke Stralsund wollen ihr Netz aus Gasleitungen optimieren. Vom Parkplatz am Paul-Greifzu-Stadion in der Barther Straße bis zur Dekra im Grünhufer Bogen soll daher auf rund 1100 Metern ein sogenannter Ringschluss vollzogen werden. „Wir bauen hier ein versorgungssicheres Netz. Das dient der Stabilität“, erklärt Olaf Lemke, der das Sachgebiet Netzservice bei den Stadtwerken leitet. „Davon profitieren vor allem die Menschen in Grünhufe und der Tribseer Vorstadt, zudem die Betriebe im Industriegebiet.“

Stadtwerke investieren 80 000 Euro

Um die neue Leitung zu verlegen, hätten die Bauarbeiter früher dafür auf ganzer Länge 1,50 Meter tief graben und auch die Straße aufbuddeln müssen, was erhebliche Einschränkungen für den Verkehr bedeutet hätte. Nach dem Zuschaufeln wäre auch noch eine lärmende Rüttelplatte zum Einsatz gekommen. Lange Bauzeit, viele Maschinen, hohe Kosten, große Belastung: Diese Zeiten sind vorbei.

Genauer gesagt sind sie sogar schon seit 16 Jahren vorbei. So lange setzen die Stadtwerke schon auf die eingangs erwähnte Horizontalbohrung. Das heißt: Die Leitung wird ins Erdreich gebracht, ohne es aufgraben zu müssen. 80 000 Euro investieren die Stadtwerke. „Ich schätze, dass sich nach dem alten Verfahren der Kostenrahmen doppelt so hoch gewesen wäre“, nennt Sachgebietsleiter Lemke einen großen Vorteil. „Was man heute an einem Tag schafft, dafür hätte man früher eine ganze Woche benötigt“, lautet ein zweiter.

„Grabenhexe“ auf dem T-Shirt

Wie genau das Verfahren funktioniert, erklärt Geräteführer Martin Jaroschinski von der Firma Buch aus Neuendorf auf Usedom. „Zunächst werden zwei Löcher gegraben, eine Start- und eine Zielgrube. Dann nehmen wir eine Pilotbohrung vor. Vorne im Steuerkopf ist ein Sender, der uns alle Daten über die Lage und die Tiefe des Bohrkopfes liefert.“ Diesen Steuerkopf kann Jaroschinski von seinem Arbeitsplatz auf der wuchtigen Maschine der Firma Ditch Witch (zu deutsch „Grabenhexe“) per Joystick und Bildschirm lenken. Von dem Gerät ist er so begeistert, dass er das Logo der Firma sogar auf dem T-Shirt trägt. 350 000 Euro hat das gute Stück gekostet. Also die Maschine, nicht das T-Shirt.

Die „Grabenhexe“ in ihrer ganzen Pracht. Quelle: Kai Lachmann

Und was ist mit Hindernissen oder gar Blindgängern aus dem zweiten Weltkrieg unter der Erde? „Wir kontaktieren den Munitionsbergungsdienst und erfragen, ob er in dem jeweiligen Gebiet Blindgänger vermutet. Ist das in dem Gebiet der Fall, wird zunächst sondiert, so dass ausgeschlossen werden kann, dass wir auf Bomben stoßen“, sagt Lemke. „Bis jetzt ist noch nichts explodiert“, fügt Jaroschinski an. Wenn der Maschinenfahrer auf große Steine trifft, dann versucht er, daran vorbeizukommen. Ist das nicht möglich, zieht er die Bohrleitung so weit zurück, bis er bei einem neuen Anlauf ausweichen kann.

Gasleitung wird am Räumkopf befestigt

Ist der Bohrkopf an der 150 Meter entfernten Zielgrube angekommen, wird er gegen einen größeren Räumkopf ausgetauscht. An diesem wird die Gasleitung befestigt. Dann wird der Räumkopf wieder zur Startgrube gezogen. Der Clou: Mit diesem Schritt wird zum einen das Rohr verlegt, zum anderen wird der „Tunnel“ für das Rohr gleich passgerecht vergrößert.

Bis zu 24 Meter tief

Die „Grabenhexe“ kann nicht nur wie im Fall der Stralsunder Stadtwerke in 1,5o Metern Tiefe Rohre verlegen, sondern auch in bis zu 24 Metern unter der Erde. Selbst Flüsse können so unterquert werden. So wurden vor mehreren Jahren etwa auch Leitungen zum Ozeaneum unter dem Querkanal verlegt. Die Gasleitungen in Grünhufe und der Tribseer Vorstadt sind aus Polyethylen gefertigt, auch das Verlegen von Stahl- und Gussleitungen ist mit der Maschine möglich.

 

Dies geschieht durch den Einsatz einer Emulsion – einem Gemisch aus Wasser und Lehm. Dieses spült durch Drüsen an den Bohrköpfen sozusagen den Weg frei. 8000 Liter werden benötigt. Würde nur Wasser verwendet, würden möglicherweise Hohlräume freigespült, durch den Lehm aber legt sich die Emulsion ums Rohr. Dieses Gemisch ist auch für Wurzeln von Bäumen nicht giftig. „Gefahrenklasse null“, meint Jaroschinski, der erklärt, dass es kein Problem darstelle, sollte eine Wurzel getroffen werden, „so lang kein Licht und kein Sauerstoff an die Wurzel gelangt“.

Vermessen und zubuddeln

Die Rohrenden werden in den einzelnen, jeweils rund 150 Meter entfernten Gruben mit Muffen verbunden. Diese Muffen werden mit Strom erhitzt und legen sich dann über die Anschlüsse. Der letzte Schritt vor dem Zubuddeln der Löcher ist das digitale Vermessen. Denn verlässliche Lagepläne, die korrekt angeben, wo welche Leitung vergraben ist, sind enorm wichtig für spätere unterirdische Bauarbeiten.

Rund 150 Meter schaffen die Bauarbeiter am Tag. In circa zwei Wochen soll alles fertig sein. Mit Vor- und Nacharbeiten wird alles rund fünf Wochen gedauert haben. Und die Stralsunder haben von der Baustelle so gut wie nichts gemerkt.

So läuft das Verfahren ab, das derzeit in Grünhufe und der Tribseer Vorstadt angewandt wird.

Kai Lachmann

Eine Tagespflege ermöglicht es den Senioren, in einer Parzelle der Sparte „Stralsund West“ zu wirtschaften. Im kommenden Jahr soll eventuell eine weiterer Garten hinzukommen.

12.06.2019
Stralsund Plus für touristische Infrastruktur - Prohn hat jetzt Ladestation für Elektro-Fahrräder

10 000 Euro hat die Gemeinde Prohn (Vorpommern-Rügen) investiert – rund 8000 Euro kamen aus dem Leader-Topf. Nun können Touristen ihre Elektro-Fahrräder kostenlos mit Strom versorgen.

12.06.2019

Stralsunder Gospelchor „N’Choir for Heaven“ und Pastorin gestalten am 15. Juni um 17 UHr besonderen Abendgottesdienst in der Kirche Prohn (Vorppommern-Rügen).

12.06.2019