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Stralsund Stralsunder Tänzer schwingen zum Titel
Vorpommern Stralsund Stralsunder Tänzer schwingen zum Titel
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00:00 25.06.2018
Maximilian Hallek und Kim Wobig beim langsamen Walzer im Grimmener Kulturhaus. Quelle: Horst Schreiber
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Grimmen

Den Augen von Rita Engel entgeht kein Schrittfehler. Die Wertungsrichterin steht in einer Ecke der Tanzfläche im Grimmener Kulturhaus und beobachtet die sechs Paare auf dem Parkett. Dort führt Maximilian Hallek (10) seine Partnerin Kim Wobig (10) schwungvoll in eine Drehung. Aus den Boxen schallt Lady Gagas Hit „Paparazzi“ in der Tangoversion. Engel wippt mit dem rechten Fuß im Takt, hat ihr Klemmbrett fest im Griff und notiert sich ihre Favoriten auf dem Stimmzettel. Auch Kim und Maximilian bekommen von der 57-Jährigen ein Kreuz.

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Das Duo des TSC Blau-Weiß Stralsund hat es beim 3. Vorpommern Cup am Sonnabend ins Finale der Altersklasse I (bis 11 Jahre) geschafft. „Das ist krass“, rutscht es dem Viertklässler mit breitem Grinsen heraus, als die Finalisten bekanntgegeben und ihre Startnummer zwei aufgerufen wird. Im Endkampf der Standardtänze Langsamer Walzer, Tango und Quickstep schrammen die Nachwuchstänzer an einer Medaille vorbei, werden Vierter. Wenig später holen Kim und „Maxi“ den fünften Platz in den lateinamerikanischen Tänzen Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive. „Maxi führt echt gut“, bestätigt Kim. Doch ihr Tanzpartner ergänzt: „Ganz selten sagt sie aber auch, wo es langgeht.“

Engel erklärt, worauf es beim Turniertanz ankommt: „Zuerst muss natürlich der Rhythmus stimmen. Dann gucke ich, ob sich die Charakteristik des Tanzes in den Füßen des Paares widerspiegelt. Dazu kommen das Taktgefühl sowie Armbewegung und Körperhaltung. Die Paare müssen als eine Person agieren.“ Die Mimik spiele eigentlich keine Rolle, versichert Engel, die zwar in Neubrandenburg als Tanzlehrerin arbeitet, aber für den TSC Am Rugard Bergen „schiedsrichtert“. „Viele junge Tänzer sind sowieso zu nervös, um zu zeigen, dass sie gerade Spaß haben.“

Rita Engel

49 Paare – die meisten Akteure waren zwischen zehn und 19 Jahre alt – haben in fünf Altersklassen ihre je eineinhalbminütigen Choreographien in den sechs Standard- und Lateintänzen beim diesjährigen Vorpommern-Cup gezeigt. Teams aus Stralsund, Greifswald, Rostock, Schwerin und Neubrandenburg haben um den Siegerpokal gestritten. Für die Mannschaftswertung wurden die sechs besten Einzelleistungen aller Teampaare zusammengerechnet. Das beste Ergebnis erzielte die blaue Vertretung des gastgebenden TSC Blau-Weiß Stralsund, die den Vorjahressieger Ostseetanz Greifswald entthronte. Das weiße Team von Kim und Maximilian wurde Vierter. Wertungsrichterin Engel freute sich über den großen Andrang im Kulturhaus: „Toll, dass noch so viele junge Leute tanzen.“

Nicht in der Mannschaftswertung vertreten waren Jean-Luc Vierow (12) und Julienne-Joy Notzke (11). Die Schüler waren die einzigen Starter des Co-Gastgebers TSC Grimmen. Drei Wochen lang haben sie für ihre Lateintänze geprobt. Ihren Heimvorteil konnten die Talente, die seit eineinhalb Jahren gemeinsam tanzen, nicht nutzen. Gegen starke Konkurrenz in der Altersklasse II schieden Julienne und Jean in der Vorrunde aus. „Wir sind ein bisschen enttäuscht, hoffen aber, dass es nächstes Mal besser klappt“, gesteht die Elfjährige. Bei den Standardtänzen ging das Duo nicht an den Start. „Die tanzen wir noch nicht, es würde mich aber riesig freuen. Das sieht voll cool aus, wenn man das Bein so langsam ranzieht“, fiebert Julienne ihrer Standard- tanz-Premiere entgegen.

Julienne-Joy Notzke und Jean-Luc Vierow

Genau wie Kim und Maximilian verfolgen die Grimmener die Tanzshow „Let’s dance“ im Fernsehen, ihre Vorbilder tanzen aber beim TSC Stralsund. Für Kim und Maximilian sind Finja Bahls und Colin Riske, die Zweite im Latein- und Dritte im Standardtanz wurden, das beste Paar. Julienne und Jean gucken sich sogar bei den jüngeren Theo Zeise und Nele Holtz, Sieger im Standard- und Zweite im Lateintanz, etwas ab. „Sie bewegen die Hüften besser als wir.“

Horst Schreiber