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Stralsund Stralsund erhält Abfuhr von der UNESCO
Vorpommern Stralsund Stralsund erhält Abfuhr von der UNESCO
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11:15 10.01.2019
Der Festumzug mit Hunderten Kostümierten Teilnehmern gehört zu den Höhepunkten der Wallensteintage. Doch die Begeisterung bei der UNESCO hielt sich in Grenzen. Quelle: dpa/Stefan Sauer
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Stralsund

Es war eine kurze Sitzung, die der städtische Kulturausschuss am Dienstag im Stralsunder Rathaus absolvierte. Im Zentrum stand eine schlechte Nachricht, die dem Stralsunder Traditionsverein bereits im Dezmeber zugegangen war. Dort hatte man sich schon seit 2017 darum bemüht, den jährlichen Wallensteintagen in der Hansestadt eine prestigeträchtige Auszeichnung zukommen zu lassen. Die Vereinten Nationen vergeben regelmäßig den Titel eines „immateriellen Kulturerbes“. Dazu zählen in Deutschland beispielsweise das Köhlerhandwerk, die Orgelmusik, die Brotkultur oder verschiedene Karnevals-Bräuche und Volksfeste.

Wallensteintage ziehen tausende Besucher an

Nun sollten also auch die Wallensteintage in das „bundesweite Verzeichnes des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen werden. „Die Stadt hat diese Bewerbung unterstützt und wir waren sehr froh, dass wir die erste Hürde bereits genommen hatten“, fasst Steffi Behrend, Leiterin des Amtes für Kultur, Welterbe und Medien, zusammen. Das Kultusministerium des Landes hatte die Idee aus Stralsund für gut befunden und dafür gesorgt, dass sich das deutsche Expertenkomitee der UNESCO damit befasst. Die Kriterien lesen sich dabei durchaus schwammig. so lege man etwa „besonderen Wert auf eine offene, inklusive und partizipative Traditionspflege“, so der Komitee-Vorsitzende Professor Christoph Wulf.

Zweifel an der Verbundenheit der Stralsunder

Das Antwortschreiben der UN-Kultur-Hüter an den Traditionsverein beendete jetzt den kühnen Traum. Demnach seien in der Konzeption der Wallensteintage „touristische und kommerzielle Zwecke unübersehbar“, wie Behrend aus dem Antwortbrief zitierte. Das Gremium zweifelt zudem an der Verbundenheit der Stralsunder mit den Wallensteintagen. „Auch scheint es sich hierbei im Wesentlichen um die Revitalisierung eines Brauchs zu handeln, der eine tatsächliche Verankerung in der örtlichen Bevölkerung vermissen lässt“, so Wulf in dem Schreiben, das der OZ vorliegt. Das Volksfest wurde zwar erstmals 1825 und von da an beinahe durchgängig bis 1945 begangen, zu DDR-Zeiten aber wurde die Tradition fallen gelassen und erst 1991 wiederbelebt. Die Feierlichkeiten sollen an die erfolglose Belagerung Stralsunds durch den kaiserlichen Feldherren Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg erinnern.

In diesem Jahr werden die Wallensteintage vom 25. bis 28. Juli gefeiert. Quelle: Stefan Sauer

Bewerbung sei nicht umsonst gewesen

Die Absage sei zu verschmerzen, weil man starke Konkurrenten gehabt habe, so die Leiterin des Kulturamtes. „Natürlich ist das schade. Wir haben viel Arbeit in die Bewerbung gesteckt. Aber wir haben dabei auch Erkenntnisse gewonnen, die nicht verloren sind“, ergänzte sie gegenüber den Mitgliedern des Kulturausschusses. Und immerhin gab es ja auch Aspekte, die lobend erwähnt wurden. „Das Fest zeugt von gelebter Offenheit und Inklusion und erscheint somit als geeignete Praxis zu aktuellen Herausforderungen in den Bereichen Identität, Migration und Religion“, würdigte die Jury.

Der Festumzug in historischen Kostümen durch die Stralsunder Altstadt gehört traditionell zu den Wallensteintagen dazu. Die Gewänder der Herren und vor allem der Damen sind echte Hingucker. Wir zeigen die schönsten Bilder.

Auch Antje Hübner, Vorsitzende des Stralsunder Traditionsvereins, zeigte sich als gute Verliererin: „Wir hätten uns natürlich gefreut, wenn die Wallensteintage dazu gehören würden, wir akzeptieren die Antwort aber und freuen uns im Gegenzug , dass es die Zeesenboote und die Darßer Haustüren aus Mecklenburg-Vorpommern auf die Liste geschafft haben.“ Eine Tür bleibt der Stadt und dem Verein aber noch offen. Eine erneute Bewerbung, so wird es in der Absage betont, sei nicht ausgeschlossen.

Carsten Schönebeck