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Stralsund Stralsunder lebt seit einem Jahr in Wohnung ohne Küche
Vorpommern Stralsund Stralsunder lebt seit einem Jahr in Wohnung ohne Küche
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16:04 19.06.2019
Mieterärger in Stralsund am Knieperdamm 38: offene Wände nach Rohrbrüchen und Wohnen ohne Küche. Quelle: Ines Sommer
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Stralsund

Bei Jörg Falke sieht es dort, wo andere Leute eine Küche haben, aus wie in einer Notunterkunft: Kahle Wände, aus denen die Anschlüsse für Spüle und Herd rausgucken, und weil offensichtlich mal eine Küche geplant war, fehlen auch die Fußbodenleisten. Auf einem flachen Tischchen steht eine Zweier-Herdplatte. Die Töpfe bleiben gleich drauf, weil Schränke für Geschirr, Kochutensilien und Besteck oder Vorräte fehlen. Eine Spüle gibt es nicht, den Abwasch erledigt der Stralsunder in der Dusche, gleich neben dem Klo.

Mieterärger in Stralsund am Knieperdamm 38: Abgewaschen wird in der Dusche. Quelle: Ines Sommer

Seit März 2018 haust Jörg Falke so in seiner 27 Quadratmeter großen Ein-Raum-Wohnung am Knieperdamm 38. Das Haus wurde Anfang der 90er-Jahre gebaut. Im Erdgeschoss befinden sich Blumenladen und Lebensmittelmarkt, darüber gibt es in zwei Etagen mit insgesamt 24 Ein-Zimmer-Wohnungen.

Das Haus wird von der HGG Immobilienmanagement GmbH Rostock nach eigenen Aussagen erst seit Sommer 2018 verwaltet. Jörg Falkes Mietvertrag läuft mit der Amsterdamer Firma D’Artagnan II Vastgoed Beleggingen B.V., vertreten durch die Estama GmbH. Die Betriebskostenabrechnung erfolgte bereits über den neuen Eigentümer, die SynVest German Real Estate III B.V., ebenfalls mit Sitz in Amsterdam.

„Als ich hier eingezogen bin, hatten wir noch einen anderen Eigentümer, und der hat mir zugesagt, dass die Küche noch reinkommt. Das haben wir vereinbart“, pocht der Mieter auf sein Recht. „Ich habe ja auch wie abgesprochen eine neue Duschkabine bekommen. Doch während ich auf die Küchenmöbel wartete, gab es einen Eigentümerwechsel. Und jetzt ist alles nicht mehr wahr“, schimpft der 50-Jährige.

Mieterärger in Stralsund am Knieperdamm 38: Jörg Falke hat einen kleinen Kocher statt Küche. Quelle: Ines Sommer

Der ehemalige Schiffsmechaniker, die viele Jahre auf See war, lebt heute von Hartz IV. „Das Jobcenter bezahlt die Miete, 195 Euro kalt, aber offensichtlich ist denen egal, dass die für eine Küche zahlen, die gar nicht drin steht. Deshalb muss ich alleine mit der Hausverwaltung kämpfen“, sagt der gebürtige Staßfurter und zeigt uns die frühere Werbung des Immomilienbüros für die Wohnung – mit Einbauküche.

Erwartungsgemäß liegt der Fall für die zuständige Hausverwaltung HGG in Rostock ganz anders. „Laut Mietvertrag steht Herrn Falke keine Einbauküche zu. Das Wort Küche ist eine Raumbezeichnung im Mietvertrag. Sofern Kücheneinrichtungen, wie Schränke, Spüle, Herd und dergleichen mit vermietet werden, müssen diese im Detail im Mietvertrag benannt und aufgeführt werden“, sagt HGG-Geschäftsführer Michael Wanke auf die Anfrage der OZ. Mündliche Absprachen mit dem vorherigen Eigentümer seien nicht bekannt. „Für uns zählt der Mietvertrag.“

Will Jörg Falke nun Eigentümer und Verwalter verklagen? „Ich habe weder Rechtsschutzversicherung noch Geld für einen Anwalt, ich will mich aber jetzt mal beim Rechtsanwalt beraten lassen“, gesteht er und betont, dass er sich im Stich gelassen fühle. „Eigentlich ist das eine schöne Wohnung, hier wollte ich alt werden...“

Auch Nachbar Arne Jeskulke hat in seiner 20-Quadratmeter-Wohnung keine Küchenzeile. „Ich versuche jetzt im Haus umzuziehen – in eine Wohnung mit Küche“, hofft der 43-jährige Trockenbauer, dass sich sein Problem bald gelöst hat. „Aber das ist nicht der einzige Ärger hier“, sagt der Mann, der sich schon auf seine neue Arbeit im Nautineum freut. „Dauernd sind hier Rohrbrüche oder es ist etwas verstopft“, sagt er.

Mieterärger in Stralsund am Knieperdamm 38: Offene Wände nach Rohrbruch. Quelle: Ines Sommer

Tatsächlich sieht man an vielen Ecken im Flur offene Stellen. Auch Lüfter sind aufgestellt. Ein Blick ins Innenleben der Schächte gewährt uns René Liedtke. „Zwischen Weihnachten und Silvester war in meiner Küchenecke ein Wasserrohrbruch. Dann wurde alles aufgemacht, repariert, getrocknet. Doch keiner macht das wieder zu“, berichtet der 49-Jährige. Der Ausbau-Maurer wohnt seit ungefähr zehn Jahren in dem Haus, mittlerweile bezieht auch er Hartz IV. „Das ist ein bisschen wie Baustelle hier.“ Die abgebauten Schränke stehen zwischen Couch, Bett und Tisch – und warten auf die Montage.

Es habe gedauert, bis die Ursache für den Schaden gefunden war, so Wanke. Es habe zwar einige Rohrbrüche mit Wasserschäden gegeben. Sobald die betroffene Wand abgetrocknet ist, würden die Wiederherstellungsmaßnahmen beim Trockenbau durchgeführt.

„Aufgrund der Schäden haben wir jetzt mit dem Ingenieurbüro Überprüfungen durchgeführt. Eigentümer, Hausverwaltung und Ingenieure sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Sanierung der Stränge wohl das Beste ist“, erklärt Wanke. Diese Sanierung werde jetzt mit den entsprechenden Firmen vorbereitet. Allerdings wäre damit das Küchenproblem von Jörg Falke immer noch nicht gelöst.

Wohnen ohne Küche und mit Schäden nach Rohrbrüchen

Ines Sommer

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