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Stralsund Stralsunder protestieren gegen Baupläne für Feuchtgebiet
Vorpommern Stralsund Stralsunder protestieren gegen Baupläne für Feuchtgebiet
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06:00 24.11.2018
Axel Rischow (v.l.), Wolfgang Schulze, Michael Adomeit, Jörg-Wolfgang Täschner und Ute Heidenreich wollen die Bebauung der Wiese am Kornwinkel verhindern. Dort ist unter anderem der Laubfrosch einheimisch. Quelle: Pauline Rabe
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Axel Rischow erinnert sich gerne an die Zeit zurück, als die Tribseer Wiesen noch Wiesen waren. Heute stehen dort, wo einst Wachtelkönig neben Lurch lebte, hauptsächlich Einfamilienhäuser. Ein letztes Stück Grün ist noch geblieben. Doch das soll nun auch bebaut werden. „Ich lebe seit meiner Geburt hier und beobachte die Entwicklungen mit Bedauern“, erzählt der 65-Jährige. Selbst eine im vergangenen Jahr durchgeführte Unterschriftensammlung, mit 700 Namen darauf, konnte den Vorentwurf des Bebauungsplanes 53 nur minimal ändern. Im Entwurf steht nun, dass 2000 Quadratmeter der 2,4 Hektar großen Fläche als öffentliche Grünfläche erhalten bleiben sollen – ein kleiner Trost in Anbetracht dessen, wie viel Natur ringsum schon Eigenheimen weichen musste.

Bereits seit 2013 verwandeln sich die Wiesen nach und nach in ein Wohngebiet. „Um die Fläche am Kornwinkel haben wir uns aber lange keine Sorgen gemacht, da diese zur Hälfte der Kirche gehörte“, sagt Ute Heidenreich, die schon seit 30 Jahren im benachbarten Heuweg wohnt. Vor einem Jahr kämen dann aber Gerüchte auf, dass diese an die Stadt verkauft hätte. Plötzlich sahen die Anwohner das Feuchtgebiet in Gefahr und wandten sich an den Naturschutzbund (NABU).

Vorsitzender des Kreisverbandes Nordvorpommern Dieter Curschmann begann sofort mit seinen Nachforschungen. „Es zeigte sich, dass tatsächlich schon ein Vorentwurf des Bebauungsplanes ausgelegt worden ist“, sagt er. Gerade noch rechtzeitig konnten die Anwohner mit einer Unterschriftenaktion Stellung zu diesem beziehen. „Wir erhielten Bürgerhinweise und Forderungen zum Erhalt des seinerzeit noch nicht identifizierten Feuchtbiotops“, sagt Stadtsprecher Peter Koslik. Diesen sei nach einer Prüfung nachgekommen geworden. Es entstand die vor der Bebauung geschützte Grünfläche im Plangebiet.

So sieht es an vielen Stellen des ehemaligen Wiesengebietes aus. Seit 2013 werden dort stetig Einfamilienhäuser gebaut. Quelle: Pauline Rabe

Artenvielfalt im Feuchtgebiet

Den Anwohnern ist dennoch unklar, wieso gerade die feuchteste Fläche der Tribseer Wiesen auch noch bebaut werden muss. „Es sollte nicht vergessen werden, dass wir hier auf moorigem Boden stehen“, ergänzt Curschmann und blättert im Entwurf des Bebauungsplanes umher. Darin werde betont, dass der Baugrund unbedenklich sei. „Das sehe ich anders.“ Bei der ersten Fassung sei zudem nicht einmal erwähnt worden, wessen Lebensraum man mit einer Bebauung zerstören würde.

Das ärgert nicht nur den Naturschützer: „Die Laub- und Grasfrösche sind gerade erst wieder zurückgekommen“, berichtet Wolfgang Schulze und hält ein Foto eines grellgrünen Exemplars hoch. Nicht zu vergessen, dass auch der Neuntöter in den Brombeerhecken auf der Fläche wohne. Laut neuem Entwurf ist für den Vogel, der seine Beute auf Dornen aufspießt, eine neue Hecke als Ausgleichsmaßnahme vorgesehen. Doch die werde in der Nähe des Flugplatzes gepflanzt – am anderen Ende der Stadt. „Ich werde ihm dann schon mal zuflüstern, wo sein neues Zuhause ist“, scherzt Heidenreich bitter. Sie hält diesen Vorschlag für absurd.

Axel Rischow (65) wohnt seit seiner Geburt an den Tribseer Wiesen. Hier zeigt er auf die Brombeerhecke, in der der Neuntöter momentan noch lebt. Quelle: Pauline Rabe

Umsiedelung nicht unmöglich

„Tatsächlich ist es so, dass dieses Prinzip funktionieren kann“, lenkt Curschmann ein. Gesichert sei dies natürlich nicht. Worauf der Naturschützer hingegen Wert legt, ist, dass bei der Bebauung genügend Wege zum benachbarten Feuchtbiotop erhalten bleiben. „Ansonsten verinselt die Fläche und ist schnell kein brauchbarer Lebensraum mehr.“ Das wäre insbesondere für die Frösche fatal.

Doch wie geht es nun weiter? „Aktuell werden alle eingegangenen Stellungnahmen zum Bebauungsplan überprüft und in einer sogenannten Abwägung zusammengefasst“, teilt Koslik mit. Daran anschließend landet die Vorlage zum Beschluss in den Gremien der Bürgerschaft, bis sie in die Bürgerschaft selbst eingebracht wird. Mit Michael Adomeit haben die Anwohner ein Mitglied dessen auf ihrer Seite: „Ich kenne die Gegend sehr gut, da ich hier groß geworden bin“, erzählt der fraktionslose Stadtvertreter. Auch er möchte, dass möglichst viel Natur erhalten bleibt. Dennoch befürchte er einen gegenteiligen Beschluss. „Ich werde wahrscheinlich nur wenige Mitstreiter haben, wenn der Entwurf diskutiert wird“, sagt er, trotzdem noch auf das Beste hoffend.

Pauline Rabe

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