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Stralsund Strandkorb-Gebühr: Vermieter werden in Glowe angehört
Vorpommern Stralsund Strandkorb-Gebühr: Vermieter werden in Glowe angehört
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00:00 29.05.2015
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Glowe

Wenn sich Glowe-Urlauber in diesem Jahr am Strand in die Kiepen setzen, will die Gemeinde mehr als bisher an ihrem Sonnenbad mit verdienen. Dabei will sie nicht den Gästen in die Tasche greifen, sondern jenen, die den Service für ein Sonnenbad anbieten. Strandkorbvermieter sollen für das Aufstellen der Körbe ein Entgelt an die Kommune zahlen. Bis zu 50 Euro pro Korb im Jahr, sieht ein bereits ausgearbeiteter Entwurf einer entsprechenden Nutzungsentgelt-Verordnung vor.

„Wenn das umgesetzt wird, kann ich vermutlich einpacken“, mutmaßt Dieter Thomas. Bei ihm können Glowe-Gäste das traditionelle Strandmobilar für ein Sonnenbad ordern. Thomas betreibt einen Strandkorbverleih direkt am Kurplatz und ist einer der beiden großen gewerblichen Anbieter in Glowe. Am Mittwochabend nahm er auf den Besucherstühlen im Gerätehaus der Feuerwehr Platz. „Die Sache mit den Strandkorb-Gebühren brennt mir auf den Nägeln“, sagte er und nahm die Volksvertreter ins Visier, die im Gerätehaus tagten und in der Sache entscheiden sollten.

„Die Gemeinde hat mehrere Anträge zum Aufstellen von Strandkörben bekommen“, sagte Bürgermeister Thomas Mielke (Bündnis für Rügen). „Die sind auch der Aufhänger für eine Nutzungsentgelt-Verordnung gewesen.“ Das Aufstellen der Kiepen müsse klar geregelt und dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, begründete er.

Was die Glower Kommunalpolitik in Angriff nimmt, ist in anderen Urlaubsorten, die mit Strand und angebotenen Sonnenkiepen bei Inselgästen punkten können, längst Alltag. Strand- und Badeordnungen, die zum Beispiel von den Volksvertretern der Kommunen entlang der Bäderküste schon vor Jahren beschlossen wurden, schreiben Einheimischen und Inselgästen klar vor, wie sie sich zu verhalten haben. In Binz können sich „Buddelflinke“ am Strand beispielsweise nicht grenzenlos austoben. Sandburgen dürfen laut Verordnung nicht höher sein als 30 Zentimeter, das Graben von Löchern und Tunneln ist verboten. Und das Aufstellen von Strandkörben „ist eine genehmigungs- und entgeltpflichtige Nutzung“. Wie viel das kostet, haben die Binzer mit einer Gebührensatzung festgeschrieben. Danach müssen gewerbliche Strandkorb-Anbieter pro Kiepe im Jahr 40 Euro an die Kommune zahlen. Bei privater Nutzung sind es für den ersten Korb 20 Euro und jeden weiteren 40 Euro im Jahr.

Das wollen die Kommunalpolitiker jetzt auch in Glowe einführen. Laut Verordnungsentwurf soll Dieter Thomas als gewerblicher Anbieter sogar 50 Euro pro Korb an die Gemeinde zahlen. Allerdings braucht er diesen Betrag nur für die ersten fünf Kiepen berappen. Für jede weitere soll eine Gebühr von 20 Euro im Jahr fällig werden. 75 Strandkörbe nennt Dieter Thomas, der als Vorsitzender auch an der Spitze des Tourismusvereins in Glowe steht, sein eigen. Die Körbe stellt er am Strand unterhalb des Kurplatzes auf. Dafür hat er einen Nutzungsvertrag mit der Gemeinde geschlossen. Bezahlen braucht er dafür bisher aber nichts.

Dennoch fallen hohe Ausgaben an, sagt Dieter Thomas. „Denn allein kann ich die Vermietung nicht bewältigen“, rechnet er neben den Lohnkosten für Mitarbeiter auch noch Mietkosten für das Winterlager dazu. Denn eine eigene Halle hat er nicht, dafür nutzt er eine im Eigentum der Gemeinde. Thomas rechnet nach und kommt zu dem Ergebnis: „Wenn ich jetzt auch noch die Gebühr zahlen muss, wird am Ende nicht mehr viel für mich übrig bleiben. Ich muss mich fragen, ob sich das Geschäft dann überhaupt noch lohnt.“

„Wir sollten auch die Strandkorbvermieter anhören“, sprang ihm Gemeindevertreter Thomas Jäcker am Mittwochabend zur Seite. Er forderte, die Entgeltverordnung von der Tagesordnung zu nehmen und noch einmal im Tourismusausschuss zu diskutieren. Sein Antrag wurde angenommen. Thomas Mielke: „Kein Problem. Wir können auch in der nächsten Sitzung entscheiden und die Verordnung dann rückwirkend in Kraft setzen.“ „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, kommentierte Strandkorbvermieter Dieter Thomas und blickt skeptisch in die Saison.



Udo Burwitz

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29.05.2015