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Stralsund Hier stehen Kinder im Mittelpunkt
Vorpommern Stralsund Hier stehen Kinder im Mittelpunkt
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07:00 10.12.2018
Der Kurs Frühkindliches Entwicklungsprogramm (FEP) im Familienzentrum des Vereins Strelakids. Alrun Reinarz, Kinder- und Familienkrankenschwester (2. v.l.), hat eine Spielgelfolie in die Mitte gelegt und die Babys schauen neugierig auf ihr Spiegelbild. Ihre Mütter machen begeistert mit. Quelle: Jörg Mattern
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Stralsund

 Corvin ist mit seinen acht Monaten der Älteste im Kurs. Während seine sieben Monate alten Mitkrabbler gerade dabei sind, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen, setzt Corvin sich bereits alleine hin. Der mobile Junge mischt die Gruppe munter auf, krabbelt neugierig auf andere Babys zu, aufmerksam beobachtet von Mutter Vivien.

Immer mittwochs treffen sich fünf Mütter mit ihren Babys zum FEP-Kurs im FAMILIENtherapieZENTRUM des Vereins Strelakids in Knöchelsöhren. „FEP steht für Frühkindliches Entwicklungsförderprogramm“, sagt Kursleiterin Alrun Reinarz und erläutert: „Es geht darum, zu schauen, wie sind die Kinder entwickelt und wie können sie altersgerecht weiter aktiviert werden.“

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Die freiberufliche Familienkinderkrankenschwester erreicht das mit ihren Kursteilnehmern durch Bewegungsspiele, die die Bindung zwischen Mutter und Kind stärken. Gespielt wird mit allem, was Säuglingen Spaß macht – Seifenblasen, Blechdeckel, die klappern, Krabbeln im Korkenbad oder im Sand. Wobei dieser hier aus Grieß besteht – ungefährlich für kleine Weltentdecker, die gerne etwas mit dem Mund erkunden. Es wird viel gesungen im Kurs – das stärkt die Sprachentwicklung der Kinder. Ihre Mütter bekommen dabei zugleich viel Wissen vermittelt. Was hilft, wenn das Baby zahnt, schlecht schläft oder viel schreit. Alrun Reinarz hat für jede Frage eine Antwort oder weiß, wo weitergeholfen werden kann.

„Der FEP-Kurs wird von Müttern besucht, die viel Zeit mit ihrem Kind verbringen wollen“, sagt die Kursleiterin. Die Gruppe, die sich mittwochs trifft, gehört dazu. Die fünf Frauen kennen sich schon seit den Geburtsvorbereitungskursen. „Die Chemie stimmte und wir waren uns einig, unseren Babys noch etwas Gutes tun zu wollen“, sagt Julia, die mit ihrer Nele gekommen ist. Für sie ist wichtig, etwas mitzunehmen, das beide zu Hause so vielleicht gar nicht gemacht hätten, weil sie das nicht gekannt hätte. Jana ist froh, dass sie für ihren Till den FEP-Kurs entdeckt hat. „Der Bedarf ist groß, aber das Angebot in Stralsund klein“, weiß sie.

Vier Gruppen mit fünf bis sechs Müttern betreut Alrun Reinarz. Im wahrsten Sinne des Wortes für kleines Geld. „Diese Einnahme deckt gerade die Aufwendungen“, sagt sie und nimmt das auf sich, weil sie vielen Müttern und ihren Kindern die Chance zur Teilnahme offenhalten möchte. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit Honoraren, über Aufträge vom Gesundheitsamt oder dem Jugendring Rügen.

Der Familienkinderkrankenschwester ist noch etwas wichtig in diesen Zusammenhang. „Diese Kurse haben viel mit Prävention zu tun. Etwa wenn Handicaps oder Entwicklungsstörungen frühzeitig erkannt und dann behandelt werden können. Das hält Folgeschäden gering.“

Für alle Kinder gibt es die Frühen Hilfen. „Die Kosten dafür trägt das Land Mecklenburg-Vorpommern jedoch nur für das erste Lebensjahr“, sagt die 52-Jährige und weiß: Damit lässt sich der Bedarf der Kinder und ihrer Familien nicht abdecken. Zum Vergleich: In Niedersachsen werden Familien über die Frühen Hilfen in den ersten drei Lebensjahren unterstützt.

Spendenkonto bei der

Sparkasse Vorpommern

Kto.Nr.: 5588855

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DE47 1505 0500 0005 5888 55

Verwendungszweck:

„Helfen bringt Freude“ für die Strelakids

sowie Anschrift

für Spendenquittung

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Verein Strelakids gemeinsam mit Alrun Reinarz und Vereinschefin Dana Morawski das Projekt der pflegerischen Gesundheitssprechstunde entwickelt. „Das Konzept des Vereins sieht vor, betroffenen Familien mit chronisch kranken oder gehandicapten Kindern als Lotse für weiterführende Hilfen etwa bei Ämtern und Krankenkassen zur Verfügung zu stehen, aber auch die Familien bis hinein in die Häuslichkeit zu betreuen“, sagt Reinarz. Um es zum Laufen zu bringen, ist dieses Vorhaben auf Spenden angewiesen, weil Fachleute für spezielle Beratungen gewonnen werden müssen, die Kosten für Weiterbildungen oder auch die Miete für das „Kleine FAMILIENtherapieZENTRUM“ aufgebracht werden muss.

Jörg Mattern