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Stralsund Stress mit Glühweinstand in Stralsund: Stadt rudert zurück
Vorpommern Stralsund Stress mit Glühweinstand in Stralsund: Stadt rudert zurück
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17:40 12.11.2019
Glühwein gehört bei Herbstfeuer, Tannenbaumverbrennen oder Laternenumzug für die Erwachsenen einfach zu einem gemütlichen Abend. In Stralsund sorgte ein verschärftes Antragsverfahren für Ärger. Quelle: OZBILD
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Stralsund

Von Unverständnis bis Empörung reichten die Reaktionen, nachdem der Fall der Kaufhalle „8. März“ in Knieper West die Runde machte (die OZ berichtete): Marktleiterin Angelika Schwanbeck wollte wie immer im Herbst zum traditionellen Lampionumzug einen Glühweinstand aufbauen und das alkoholische Heißgetränk verkaufen.

Viel Papier für einen Antrag

Das ist der Antrag, der wichtig ist, wenn man einen Glühweinstand anbieten möchte. Quelle: Ines Sommer

Doch da hatte die Stralsunderin die Rechnung ohne das Ordnungsamt gemacht. Einen Riesenberg an Papieren sollte sie plötzlich vorlegen, um eine Schankgenehmigung zu bekommen. Dazu zählten: polizeiliches Führungszeugnis, Auskunft aus dem Gewerbezentralregister, steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung, Ausdruck aus dem Schuldnerregister, Bescheinigung vom Finanzamt …

Verärgert war Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU). „Natürlich wollen wir solche Initiativen nicht durch einen enormen bürokratischen Aufwand kaputtmachen. Wir haben das in der Verwaltung ausgewertet“, sagte er uns am Rande der letzten Bürgerschaftssitzung und betonte, dass die Mitarbeiter hier künftig mehr Fingerspitzengefühl zeigen werden.

OB Badrow verspricht mehr Fingerspitzengefühl

Badrow wiederholte das dann auch noch mal vor versammelter Mannschaft, denn in der Bürgerschaftssitzung hatte Michael Philippen (Bürger für Stralsund) das Thema angesprochen und darum gebeten, hier künftig sensibler vorzugehen. „Das sind Initiativen von Leuten, die etwas für ihr Stadtgebiet machen. Und das sollte man doch auch unterstützen.“

Nach Stralsunder „Strenge“ ist man im Umland besorgt

Dieses Infoblatt ist zu beachten, wobei schon in der Einleitung steht, dass eine vereinfachte Lösung möglich ist. Quelle: Ines Sommer

Die Verfahrensweise der Stadtverwaltung sorgte derweil auch im Umland für Unruhe. „Schreiben Sie bloß nichts von Glühwein, wir wissen gar nicht, wie das jetzt läuft“, sagte eine Leserin vor einer Veranstaltung. Doch aus den Ordnungsämtern der Amtsverwaltungen, die sich mit Schankgenehmigung und Gestattung ebenfalls auskennen, kam schnell Entwarnung: „Man muss da unterscheiden zwischen einer Gaststätte oder einer gewerblichen Nutzung oder eben einer Traditionsveranstaltung“, sagt Toni Thomas vom Amt Altenpleen.

„Wir haben auf unserer Homepage so einen vereinfachten Antrag, den man stellen muss, wenn man zum Osterfeuer, zum Tannenbaumverbrennen, zu Halloween oder zum Laternenumzug Glühwein verkaufen möchte. Wer verkauft was aus welchem Anlass – das ist zu beantworten. Ist das erfolgt, gibt es keinen Grund, die Genehmigung zu versagen.“ Der Antragsteller zahlt 31 Euro und schon hält er das Blatt „Gestattung“ in der Hand.

Ämter Franzburg und Altenpleen bleiben bei einfachen Anträgen

„In der Regel sind es ja Dorfvereine und Feuerwehren, keine Gewerblichen, die solche beliebten und traditionellen Feste auf die Beine stellen. Und das ist Ehrenamt, das können und wollen wir nicht mit komplizierter Antragstellung kaputtmachen“, sagt Brigitte Karallus, Ordnungsamtsleiterin im Bereich Franzburg-Richtenberg und schiebt hinterher: „Wir wollen das Ehrenamt fördern. Wir sind doch froh, dass es solche Initiativen gibt.“ Gerade erst hätte sie in ihrer Heimatgemeinde Grammendorf einen wunderschönen Fackelumzug erlebt – mit leckerem Glühwein.

Gaststättengesetz gibt Spielraum

Die durch den Knieper-West-Laternenumzug aufgefallene Strenge im Stralsunder Rathaus gilt offensichtlich erst seit diesem Jahr. Das hatte der Sprecher der Stadtverwaltung auf OZ-Anfrage bestätigt und mit einer internen Verfahrensumstellung erklärt, die in mindestens einer anderen Stadt auch stattgefunden habe.

„Uns sind keine neuen Regelungen bekannt. Deshalb halten wir uns bei Laternenumzug, Herbstfeuer, Halloween und Co. an das Gaststättengesetz. Und da heißt es unter Paragraf 12 zur Gestattung: Aus besonderem Anlass kann der Betrieb eines erlaubnisbedürftigen Gaststättengewerbes unter erleichterten Voraussetzungen vorübergehend auf Widerruf gestattet werden …“

Nun hoffen natürlich auch die Stralsunder Ehrenamtler, dass sich der vereinfachte Antrag für Glühwein zum Lampionumzug durchsetzt.

Mehr zum Thema: Glühwein-Sause für den guten Zweck Bei 18 Grad: Heute eröffnet Deutschlands erster Weihnachtsmarkt Lampionumzug in Stralsund: Stadt verschärft Bedingungen für Glühweinverkauf

Von Ines Sommer

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