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Stralsund Studium zwischen Hörsaal, Hort und Hausaufgaben
Vorpommern Stralsund Studium zwischen Hörsaal, Hort und Hausaufgaben
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16:00 05.12.2019
Auch mit den Herausforderungen des Studiums findet Eva Späck Zeit, mit ihren Kindern Nieke, Bente und Levi zu spielen. Quelle: Jörg Mattern
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Stralsund

Im Wohnzimmer geht es turbulent zu. Auf dem Couchtisch hat der achtjährige Levi hölzerne Wolkenkratzertürme aufgebaut, seine Schwestern Nieke (7) und Bente (5) haben den Esstisch mit Basteleien in Beschlag genommen. Und lautstark preisen die Lütten an, was sie da gerade machen. Nichts deutet eigentlich darauf hin, dass ihre Mutter als Vollzeitstudentin an der Hochschule Stralsund (HOST) mitten im 5. Semester steckt.

Erst wird mit den Kindern gespielt, dann gelernt

„Wenn die Kinder aus Schule und Kindergarten nach Hause kommen, wird erst gespielt, der Nachmittag zusammen gestaltet“, sagt Eva Späck. „Wenn sie dann im Bett sind, dann geht’s an die Bücher und Protokolle für die Labore etc.“ Ihr „Studentenleben“ sieht etwas anders aus als das ihrer Kommilitonen. Doch die 34-Jährige sagt: „Studieren mit Kindern funktioniert. Vor allem jetzt, wo sich alles gut eingespielt hat.“

Vor sechs Jahren ist die gelernte Kinderkrankenschwester aus dem Allgäu mit ihrem Mann an den Strelasund gezogen, als dieser an der HOST sein Masterstudium absolvierte. Für die junge Mutter stand ein Studium anfangs nicht unbedingt in der Lebensplanung. „Meine Eltern sind im Handwerk tätig, und bei fünf Geschwistern wird man nicht automatisch auf ein Studium geprägt, wie vielleicht in einem Akademikerhaushalt“, sagt Eva Späck.

Zugangsprüfung ohne Probleme bestanden

„Doch da war auch immer etwas, das mich gereizt hat, doch mal ein Studium anzupacken.“ Die Zugangsprüfung für Studienbewerber ohne Abitur an der Hochschule bestand sie ohne Probleme und wurde zum Studiengang medizinisches Informationsmanagement zugelassen. „Es war das einzige Studium, das für mich bei meiner medizinischen Vorbildung möglich war“, sagt sie.

Eva Späck hat schnell gemerkt: „Disziplin ist das, was man am meisten dazu braucht, diese Herausforderung zu meistern.“ Vor allem zu Anfang des Studiums galt es, sich für jedes Semester neue Strukturen zu schaffen, sich auf neue Fächer und geänderte Studienpläne einzustellen.

Zeit ist immer etwas knapp

„Ohne klare Struktur geht es nicht. Ich hab mir meine so gewählt, dass ich keine Vorlesung verpasse und dabei konzentriert aufpassen kann, denn für die Nachbereitung und die Seminarvorbereitung ist oft die Zeit etwas knapp.“ Dabei bedauert Eva Späck durchaus, dass mitunter nicht mehr Zeit bleibt. „Die Hochschule bietet ja rund um das Studium noch viele zusätzliche Vorlesungen und Veranstaltungen an, die ich gerne mitgenommen hätte.“

Ihr Tag ist ohnehin vollgepackt. „Die Großen werden morgens auf den Weg in die Schule vorbereitet, die Kleine bringe ich in den Kindergarten, der auf dem Weg liegt.“ Pünktlich um 8 Uhr sitzt Eva Späck dann in der Vorlesung. Nachmittags, wenn die Kinder nach Schule und Kita wieder zu Hause sind, stehen sie erst mal im Mittelpunkt.

Unterstützung kommt vom Familiencenter

Für sie ist es eine Hilfe, dass an der Hochschule großen Wert auf Familienfreundlichkeit gelegt wird. Die Bildungseinrichtung ist dafür auch in diesem Jahr von der Hansestadt wieder als familienfreundliches Unternehmen geehrt worden. Das Familiencenter bietet für studierende Mütter und Väter regelmäßige Sprechstunden an und berät dabei Studierende wie Professoren, unter anderem in puncto familienbewusste Vorlesungs- und Sitzungszeiten. „Seitdem ich gemeinsam mit der Hochschule eine individuelle Studienverlaufsplanung für mich zusammengestellt habe, ist der anfangs große Druck für mich etwas erträglicher geworden“, sagt Eva Späck. Seither ist zum Beispiel sichergestellt, dass sie in die Gruppen mit den Vormittagsvorlesungen eingeteilt wird.

Mit den Kindern in den Hörsaal

„Kinder passen mit dieser Unterstützung gut zu meinem Studium“, ist sie überzeugt. Und so werden die Lütten auch schon mal mit in die Vorlesung genommen, wenn es etwa in Ferienzeiten nicht anders zu regeln geht. „Die Kinder finden es total spannend, in so einem riesigen Hörsaal zu sitzen“, sagt sie und dass es für sie wie ihre Kommilitonen und Professoren ein Stück Normalität sei.

Ihr Mann, der beruflich sehr eingespannt ist, hilft, wo er kann. Etwa, wenn Prüfungen anstehen. „Dann verziehe ich mich zur Vorbereitung für ein paar Tage in ein Hotel und er hält mir den Rücken frei.“

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Von Jörg Mattern

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