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Stralsund Ungerecht: Stralsunder Tagesmütter bekommen 100 Euro weniger als ihre Kollegen in Greifswald
Vorpommern Stralsund Ungerecht: Stralsunder Tagesmütter bekommen 100 Euro weniger als ihre Kollegen in Greifswald
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08:44 01.06.2019
Tagesmutti Yvonne Riedel (2.v.l.) und ihre Kolleginnen Jeannette Jarling (l.) sowie Manuela Lansky (2.r.) und Ulrike Schramm aus Stralsund - hier unterwegs mit den kleinen „Altstadtkrabben“- sehen nicht ein, dass sie über 100 Euro weniger verdienen als die Tagespflegepersonen in der Nachbarstadt Greifswald. Quelle: Stefan Sauer
Stralsund

Die Tagesmütter und -väter in Vorpommern-Rügen fühlen sich abgehängt. Sie bekommen seit Januar zwar etwas mehr Geld, nämlich 505 statt wie bisher 499 Euro für die Ganztags-Betreuung eines Kindes. Doch ist das immer noch kein Vergleich zu Greifswald, wo die Tagespflegepersonen mit 594,72 pro Kind und Monat rechnen können. Hier hatte der Kreistag sogar schon eine Erhöhung auf 626 Euro beschlossen.

Der Landrat von Vorpommern-Greifswald hatte dagegen allerdings Widerspruch eingelegt, weil die Mittel seiner Meinung nach nicht – wie vom Land gefordert – der Kinderbetreuung zu Gute kommen (die OZ berichtete).

Auch wenn sich hier eine Wendung zu Gunsten der Tagespflegepersonen abzeichnet –der krasse Unterschied zu den Kollegen in und um Stralsund bleibt. Ab 1. Juni bekommen die nur noch 490 Euro auf die Hand, denn 15 von den bisher 505 Euro gehen zurück in den Topf für Krankheitsvertretungen. Von diesem Geld wird in Stralsund gerade ein mobiles Vertretungsmodell getestet. Bisher hatte jeder selbst für seine Vertretung gesorgt und dafür einen Zuschuss bekommen, der nun quasi in eine zentrale Lösung fließt.

Verhandlungen brachten bishernur wenig Erfolg

„Nach unserem letzten großen Aufschrei haben wir zumindest erreicht, dass wir mit dem Jugendamt ins Gespräch gekommen sind. Aber mehr als die kleine Erhöhung haben wir nicht hinbekommen. Und das kann nicht sein, denn die Erzieher haben inzwischen im April eine Tariferhöhung bekommen. Deshalb kämpfen wir dafür, dass wir im gleichen Atemzug mehr Geld bekommen. Das sollte künftig gleich so geregelt werden, dass das automatisch angeglichen wird. Das hat auch das Gericht während unseres Klageverfahrens so angeregt“, sagt Yvonne Riedel.

Sie ist Mitglied im Verein Kindertagespflege Stralsund Stadt und Land, der 2010 gegründet wurde – mit dem Ziel, eine Interessenvertretung für die Tagespflege zu haben. Mit dem Jugendhilfeausschuss wolle man weiter verhandeln, denn schon im März 2020 steht bei den Erziehern die nächste Tariferhöhung ins Haus. „Die Signale aus dem Jugendamt waren aber eher weniger optimistisch. Deshalb sind wir ja so aufgebracht.“

Verdienst in der Tagespflege so gering, dass einige sogar Wohngeld bekommen

In der Richtlinie des Landkreises ist von einer leistungsgerechten Vergütung die Rede. Aber ist es leistungsgrecht, wenn eine Tagesmutter für 10 Stunden bei einem Ganztagsplatz 490 Euro bekommt? 100 Euro davon gehen für Sach- und Betriebskosten ab, Miete, Wasser, Energie, aber auch Spielzeug, Mal- und Bastelutensilien, Kosmetik- und Hygieneartikel, Spielzeug und dergleichen. Bleiben 390 Euro pro Kind im Monat. Bei 20 Arbeitstagen je zehn Stunden Betreuung sind das 1,95 Euro pro Stunde. Bei fünf Knirpsen kommt da unterm Strich ein Stundenlohn von 9,75 Euro raus. Davon muss die Tagespflegeperson aber auch anteilig Versicherung und Krankenkassenbeitrag bezahlen. Wie eng es bei einigen Tagesmüttern ist, sieht man daran, dass sie – wie Yvonne Riedel – Wohngeld bekommen, im Fall der Stralsunder Tagesmutter in diesem Jahr sogar mehr als 2018.

„In der Debatte wurde uns immer wieder an den Kopf geschmissen: Sie haben sich den Beruf ausgesucht, wollten selbstständig sein. Ja, das stimmt. Der Beruf ist auch ein ganz toller. Aber ein Selbstständiger auf dem freien Markt kann seine eigenen Preise machen, und das dürfen wir nicht. Denn Zuschüsse und Elternbeitrag sind genau festgelegt“, so Yvonne Riedel.

Und das sieht dann für die Ganztagsbetreuung eines Kindes so aus: Land und Kreis geben rund 150 Euro, Kommune und Eltern je 170 Euro. Die Eltern überweisen allerdings nur 70 Euro, denn hier greift die vom Land spendierte Entlastung von 100 Euro.

Innerhalb eines Jahres gaben 33 Tagespflegepersonen auf

Für die Tagesmütter und-väter in Stralsund ist es verständlich, dass immer mehr ihrer Kollegen aufgeben. Mittlerweile gibt es im Kreis Vorpommern-Rügen nur noch 128 Tagespflegepersonen, sie betreuen 599 Mädchen und Jungen. Anfang 2018 waren es noch 161 Betreuer für 616 Kinder. „Einerseits ist die schlechte Bezahlung schuld, andererseits wachsen auch die Anforderungen – von der Ausstattung, über Raumkapazitäten bis hin zur fachlichen Seite. Aber ich möchte trotzdem nichts anderes machen“, sagt die gelernte Bauzeichnerin, die es später sogar bei der Marine bis zur Obermaatin geschafft hatte. „Man kann frei arbeiten, kennt seine fünf Kinder ganz genau. Und ich habe bisher auch immer eine super Zusammenarbeit mit den Eltern gehabt“, sagt die 37-Jährige, die seit 2011 in der Stralsunder Frankenstraße ihre kleinen „Altstadtkrabben“ betreut.

Weil viele aufgaben, sind neue Tagespflegepersonen natürlich jederzeit willkommen. „Wir geben Anfängern gern Tipps, die Frauen, und manchmal sind es ja auch Männer, können sich gern in unserem Verein melden. Wir helfen gern“, so die Stralsunderin.

Tagesmütter fordern nicht nur, sondern setzen auch auf Weiterbildung

Und noch etwas ist den Tagesmüttern wichtig: „Wir fordern nicht nur eine leistungsgerechte Bezahlung, sondern wir tun auch etwas dafür. Wir bilden uns in einem Aufbaukurs weiter. Einmal im Monat geht es dazu Freitag und Samstag auf die Schulbank. Das sind über 160 Stunden, in denen wir uns neues Wissen aneignen. Denn wir wollen zeigen, wir haben eine bessere Anerkennung verdient“, sagt Riedel. Im Namen ihrer Kolleginnen lobt sie die gute Zusammenarbeit mit dem Ministerium, das diese Weiterbildung bezahlt.

Vertretungsmodell wird in Stralsund getestet

Das neue Vertretungsmodell, für das 15 Euro pro Kind im Monat fällig werden, gilt ab 1. Juni zunächst nur für Stralsund.

So war es bisher: „Bisher musste jeder allein für seine Vertretung sorgen. Dafür bekamen wir pro Kind einen Zuschuss von 15 Euro. Jetzt übernimmt ein Träger die Betreuung, wenn ich plötzlich krank werde oder etwas anderes passiert. Deshalb fließen die 15 Euro nun dorthin. Das so genannte mobile Vertretungsmodell ist unserer Meinung nach der richtige Weg. 49 Tagesmütter von 66 in Stralsund machen schon mit, aber wir befinden uns noch in der Testphase“, sagt Kindertagespflegerin Yvonne Riedel.

Für den Bereich Rügen und Nordvorpommern wird weiter an einer Vertretungslösung gearbeitet. Das sei schwieriger, weil hier viel weitere Wege zurück gelegt werden müssen.

Das kostet ein Tagespflege-Platz: 490 Euro bekommt eine Tagespflegeperson pro Kind pro Monat: Land und Kreis geben rund 150 Euro, Kommune und Eltern je 170 Euro. Die Eltern überweisen allerdings nur 70 Euro, denn hier greift die vom Land spendierte Entlastung von 100 Euro. Von den 490 Euro gehen 100 Euro Sach- und Betriebskosten ab.

128 Tagespflegepersonen gibt es derzeit in Vorpommern-Rügen. Sie betreuen 599 Kinder. 2018 waren noch 161 Tagesmütter und -väter gemeldet, die 616 Mädchen und Jungen umsorgten. Direkt in Stralsund bieten 66 Tagespflegepersonen die Betreuung der 0- bis 3-Jährigen an. Eine Tagesmutter darf bis zu fünf Kinder umsorgen.

Ines Sommer

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