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Stralsund Opernsängerin Doris Hädrich-Eichhorn geht in den Ruhestand
Vorpommern Stralsund Opernsängerin Doris Hädrich-Eichhorn geht in den Ruhestand
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09:00 27.01.2019
Im Musical „Me and My Girl“ von Noel Gay schlüpfte Doris Hädrich-Eichhorn in die Rolle der Maria, Herzogin von Dene, hier mit Joshua Hien Quelle: Vincent Leifer
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Stralsund

Morgen ist Schluss. Um 18 Uhr betritt Doris Hädrich-Eichhorn das letzte Mal als Ensemblemitglied des Theaters Vorpommern die Bühne. In der Inszenierung „Die Zauberflöte“ verabschiedet sie sich von ihrem Publikum. „Ich kehre der Musik ja nicht den Rücken“, beruhigt die Mezzosopranistin, „sie rückt nur etwas an den Rand.“

Doris Hädrich-Eichhorn hat eine außergewöhnliche Bindung zum Theater, seit 40 Jahren steht sie im Norden auf der Bühne – ohne Unterbrechung. Zunächst in Greifswald, dann mit der Fusion der beiden Theater Stralsund und Greifswald 1994 in beiden Hansestädten. Doch zurück zum Anfang.

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In Saalfeld in einem „nichtmusikalischen Elternhaus“ geboren, war es ihr großer Wunsch, Musik zu studieren. „Aber meine Mama wollte, dass ich einen ,richtigen’ Beruf lerne“, sagt die Künstlerin. Dem Wunsch kam sie zunächst nach und absolvierte eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Carl Zeiss Jena. „Nachdem ich zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet hatte, habe ich mich um ein Gesangsstudium und der Hochschule Leipzig beworben und das auch begonnen.“

Im Jahr 1978 kam sie für ein Praktikum nach Greifswald und wurde schon ein Jahr später fest engagiert. An eine der ersten Touren in die Hansestadt kann sie sich noch sehr gut erinnern. „Es war der Jahrhundertwinter, und ich steckte mit dem Zug zwischen Ferdinandshof und Ducherow fest. Als es weiter ging, fuhren wir durch die meterhohen Schneekanäle.“ Nicht der beste erste Eindruck vom Norden, aber „ich war ganz schnell begeistert und habe mich wohl gefühlt. Hier ist der Himmel einfach etwas blauer und wenn die Sonne scheint, ist es hier heller. Die schöne Backsteingotik, die ganze Atmosphäre – der Norden ist in mir.“

Schaut sie auf ihre Karriere zurück, sind ihr vor allem zwei große Rollen im Gedächtnis geblieben, die der „Carmen“ und der „Evita“. Beide Rollen seien Meilensteine gewesen, da sie anspruchsvoll und auch kräftezehrend waren, „weil man permanent auf der Bühne steht. Eine Herausforderung im besten Sinne.“

Sie sei sehr dankbar dafür, dass sie ihren „Traumberuf ohne Einschnitte und große Krisen leben konnte.“ Dazu zähle auch die Lehrtätigkeit an der Universität Greifswald, die sie bereits seit den 80er-Jahren ausübt. „Theater und Uni waren für mich ein Glücksfall. Durch die Arbeit mit den Studenten habe ich mich auch immer wieder selbst hinterfragt, viel Neues gelernt und es war gut, die eigenen sängerischen Anforderungen im Unterricht mit den Studenten zu überprüfen.“

Ein Leben voller Musik ist Doris Hädrich-Eichhorns Erfüllung. „Die letzten Jahre am Theater mit den jetzigen Chefs waren eine künstlerisch sehr schöne Zeit“, erklärt sie. Das Begegnen auf Augenhöhe habe einen richtigen Aufschwung gegeben.

Wenn die „Zauberflöte“ morgen Abend endet, heißt das jedoch nicht, dass auch der letzte Vorhang gefallen ist. „Ich freue mich auf das Kommende“, sagt sie und wirkt dabei in sich ruhend. „Ich werde weiterhin Konzerte geben und neue Wege gehen, Sachen machen, die ein bisschen mehr ,ich’ sind, die ich mag“, erklärt die 65-Jährige. Einen konkreten Plan habe sie nicht, viel mehr gehe es darum, nun das zu tun, „was ich immer vor mir hergeschoben habe, für das ich nie so viel Zeit hatte, wie ich vielleicht gewollt hätte.“ Das Wichtigste sei nun die Familie und das intensive Pflegen von Freundschaften, entspannt sein und mal nicht auf die Stimme achten zu müssen und mit dem Boot rauszufahren, wann immer einem danach ist.

Doch bevor es so weit ist, steht noch eine richtig große Abschiedssause mit Familie, Freunden und Kollegen an – und dann geht’s ab, ins neue Leben.

Miriam Weber

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