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Stralsund Häuser in Stralsund, Greifswald und Putbus waren im Dezember rappelvoll
Vorpommern Stralsund Häuser in Stralsund, Greifswald und Putbus waren im Dezember rappelvoll
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10:28 03.01.2019
 Szene aus dem Stück „Die Feuerzangenbowle" mit den Schauspielern Markus Voigt (l.) und Ronny Winter, das Ende letzten Jahres erneut für eine große Publikumsresonanz sorgte. Quelle: Vincent Leifer
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Stralsund/Greifswald

Herr Löschner, schaut man auf den Dezember, müssten sie doch der glücklichste Intendant sein. Ihre Theater waren jeden Abend rappelvoll, die Leute begeistert, egal, ob sie die „Feuerzangenbowle“, das Weihnachtsballett, das Weihnachtsmärchen oder die Oper „La Bohème“ gesehen haben.

In der Tat bin ich sehr zufrieden über die Zuschauerresonanz. Der Dezember ist immer so etwas wie ein Kulminationspunkt, wo offenbar viele das Bedürfnis verspüren ins Theater zu gehen, was mich natürlich sehr freut. 2017 kamen 30 400 Besucher im Dezember. Diese Zahl werden wir 2018 übertroffen haben. Und nicht nur sie. Schon im September hatten wir eine Verdopplung der Zuschauerzahlen zum Vorjahr. Und auch im Oktober und November liegen sie deutlich über denen von 2017. Im Frühjahr sah das noch nicht so aus. Eine schöne Entwicklung.

Dabei hätten sie doch 2018 sogar zum Generalintendanten eines Staatstheaters Nordost aufsteigen können. Nun bleiben Sie weiterhin Intendant des wesentlich kleineren Theaters Vorpommern. Traurig?

Ich bin deshalb überhaupt nicht traurig. Denn für den General kann ich mir nichts kaufen und mit drei Häusern an drei Standorten ist meine Aufgabe hier bereits äußerst anspruchsvoll, zumal ich ja neben dem Intendanten auch kaufmännischer Geschäftsführer bin.

Wurmt es Sie dennoch, dass Sie so viele Jahre viel Kraft und Energie in den Aufbau eines solchen Staatstheater-Gebildes gesteckt haben, das in diesem Sommer nun wie eine Seifenblase zerplatzt ist?

In der Tat hätte man wesentlich früher erkennen müssen, dass eine Fusion mit Neubrandenburg und Neustrelitz eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Dann hätten wir uns diese lange Durststrecke erspart. Aber ich will nicht zurückschauen. Ich freue mich vielmehr, dass wir endlich eine tragfähige Finanzierung zustande gebracht haben, die für unser Theater endlich auch die notwendige Planungssicherheit bringt.

Was ist denn nun der Kern dieser neuen Finanzierung?

Das ist ein wahrer Paradigmenwechsel, der sich endlich vollzogen hat. Denn seit der Theaterfusion zwischen Greifswald und Stralsund 1994 gab es keinerlei Dynamisierung der Zuschüsse. Das heißt, das Theater musste immer mit denselben Mitteln auskommen. Die Folge waren ein ständiger Personalabbau und Haustarifverträge, womit die Vergütungen deutlich unter Flächentarif lagen. Das ändert sich nun. Denn seit Sommer gibt es den Theaterpakt, der vorsieht, dass die Zuschüsse jährlich um 2,5 Prozent angehoben werden. Zusätzlich erfolgt eine schrittweise Angleichung der Löhne und Gehälter an den Flächentarif bis 2023. Eine enorme Leistung vor allem der Hansestädte Stralsund und Greifswald und des Landkreises Vorpommern-Rügen. Auch dem Land gebührt Anerkennung für diesen längst fälligen Schritt.

Das heißt, dass die Schauspieler, Sänger und Tänzer dann endlich das Geld bekommen, das ihnen zusteht. Jahrelang haben sie ja große Gehaltseinbußen hinnehmen müssen. Hat sich durch den Theaterpakt jetzt auch die Stimmung im Haus verbessert?

Löschner: Ja, auf jeden Fall. Es hat sich eine große Anspannung gelöst. Das heißt aber nicht, dass damit alle Probleme weg sind. Wegen der Fusionspläne ist ja vieles aufgeschoben worden. So zum Beispiel das Thema Werkstätten. Es sollte ja Zentralwerkstätten in Neustrelitz geben. Deshalb wurde der baulich sehr schlechte Zustand der Greifswalder Werkstätten in Herrenhufen nicht thematisiert. Ähnliches gilt für einen Orchesterprobenraum, der mit einer Orchesterfusion ebenfalls nicht in dem Maße notwendig geworden wäre. Daran müssen wir jetzt arbeiten.

Statt Fusion verlangt die Landesregierung nun mehr Kooperationen. Sie haben 2018 schon vorgelegt, in dem sie das „War Requiem“ mit der Oper Stettin und dem Musiktheater in Klaipeda aufgeführt haben. In Stralsund fanden zudem im Oktober die Deutsch-Polnischen Theatertage statt, ebenso eine Tagung zur Theater-Hanse.

Die Theater-Hanse soll uns auch die nächsten Jahre begleiten. Denn auch uns treibt die Frage um, wie es mit der Idee von Europa weitergehen wird. Wir werden weiter, sowohl mit der Oper in Stettin als auch mit Partnern in Skandinavien, zusammenarbeiten. Auch mit Neubrandenburg und Neustrelitz gibt es Kooperationsabsichten. Ebenso soll die neue Zusammenarbeit beim Festival „Tanztendenzen“ mit Stettin und Schwerin fortgesetzt werden. Und ein ganz hochgestecktes Ziel, das wir langfristig verfolgen, ist ein Theaterfestival für den Ostseeraum.

Nun fielen 2018 infolge der geplanten Fusion auch die Open Airs auf den großen Bühnen in Stralsund und Greifswald aus. 2019 soll es nun ja wieder ein Hafenfestival geben.

Ja, und darauf freue ich mich schon besonders. Wir werden „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber auf die Bühne bringen. Es wird eine große Show werden, an der neben dem Musiktheater, das komplette Ballett und auch das Schauspielensemble beteiligt sein werden. Außerdem singt ein großer Chor, für den wir übrigens noch Sängerinnen und Sänger suchen. In den Hauptrollen werden Stars der Musical-Szene, Chris Murray als Jesus und Sasha Di Capri als Judas, agieren.

Wieviel Vorstellungen sind geplant?

Elf bis zwölf. Der Auftakt wird diesmal übrigens in Stralsund auf der Wiese am Hansa-Gymnasium sein. Und das wegen der frühen Sommerferien bereits Ende Juni.

Und darüber hinaus gibt es dann keine Open Airs mehr?

Doch. In Eldena werden wir nach dem großen Erfolg von Robin Hood die Produktion „Die Tochter des d‘Artagnan“ spielen. Wieder mit vielen Fechtszenen und für die ganze Familie. Für den Stralsunder Zoo sind wir noch bei der Erarbeitung einer kleinen Produktion.

Planen sie auch wieder eine italienische Opernnacht auf dem Berliner Gendarmenmarkt?

Ja. Wir sind dorthin zum vierten Mal in Folge eingeladen worden. Wir werden diese Produktion dann auch in Stralsund und Greifswald aufführen. Allerdings nicht im Freien, sondern in den Häusern. Das wird im Juli sein. Ein Open Air der Opernnacht wird es auch wieder für das Amt Niepars in Endingen geben.

Nochmal zurück zum Dezember. Man hat ein bisschen das Gefühl, dass sich die Theaterhighlights in diesem Monat besonders konzentrieren. Kann man das nicht besser aufs Jahr verteilen?

Aus unserer Perspektive bieten wir das gesamte Jahr über Highlights an. „La Bohème“ steht zum Beispiel bis zum Frühjahr auf dem Spielplan. Im März planen wir mit „Weißer Raum“ ein ganz besonderes Schauspiel. Das Stück befasst sich mit Rechtsradikalismus und Aggressivität gegenüber Ausländern, gleichsam auch mit Schubladendenken und Klischees. Es stellt ans Ensemble sehr hohe Anforderungen. Das ist natürlich kein Wohlfühltheater wie man es im Dezember erwarten darf. „Weißer Raum“ des noch jungen Autors Lars Werner wird bei uns zum zweiten Mal in Deutschland inszeniert. Nach Recklinghausen, wo es bei den Ruhrfestspielen gezeigt wurde.

Mit „Weihnachten – das Ballett“ hat Ralf Dörnen ein neues Konzept entwickelt, das bei den Zuschauern ankam, denn ruck zuck waren sämtliche zehn Vorstellungen ausverkauft. Es hatte stellenweise sogar hochwertigen Revuecharakter. Wäre es nicht vorstellbar, auch mal eine spartenübergreifende Weihnachtsrevue zu inszenieren?

Vorstellbar wäre so etwas schon. Es geht aber nicht, da wir dann jeweils nur immer ein Haus bespielen könnten. Über die verschiedenen Sparten mit ihren Angeboten gelingt es uns ja gerade, gleichzeitig an mehreren Standorten präsent zu sein.

Ein Renner in diesem Jahr war wieder die „Feuerzangenbowle“. Nur waren viele enttäuscht, dass sie wieder keine Karten abbekamen.

Die „Feuerzangenbowle“ gab es bereits in der vierten Spielzeit. Entgegen dem vergangenen Jahr, wo wir ein konkretes Datum für den Vorverkaufsstart festgelegt hatten, haben wir diesmal bereits sehr früh Karten verkauft. Wer sich rechtzeitig gekümmert hat, bekam auch welche. Zu wenige Karten wird es auch 2019 wieder geben. Ich kann es leider nicht ändern, solange es noch keinen zusätzlichen Dezember gibt.

Das Theater Vorpommern verfügt über drei Häuser. Zwei davon - Stralsund und Putbus sind saniert. Greifswald hat dagegen dringenden Handlungsbedarf. Tut sich demnächst dort etwas?

Ja. Ich hoffe, dass wir 2020/21 mit der Komplettsanierung starten können. Es laufen ja bereits Vorplanungen und wir sind auf der Suche nach einer Interimsspielstätte, weil wir dann für mindestens zwei Jahre mit allem Sack und Pack ausziehen müssen. Es gibt eine Zusage für eine Kofinanzierung Landes über zehn Millionen Euro, das entspricht knapp fünfzig Prozent der veranschlagten Kosten. Eine enorme Kostenposition für eine Stadt wie Greifswald, die man nicht unterschätzen sollte.

Reinhard Amler

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