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Stralsund Theater Vorpommern zeigt Shakespeare-Klassiker im Doppelpack
Vorpommern Stralsund Theater Vorpommern zeigt Shakespeare-Klassiker im Doppelpack
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16:40 29.10.2019
Susanne Kreckel spielt Ophelia in „Die Hamletmaschine“. Quelle: Vincent Leifer
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Stralsund

Den Stralsundern steht zum Monatsende ein „Doppelschlag“ in Sachen „Hamlet“ bevor. Denn am 30. Oktober wird „Hamlet“ im Original von William Shakespeare seine Premiere im Großen Haus haben, einen Tag später wird Heiner Müllers „Hamletmaschine“ im Gustav-Adolf-Saal gezeigt.

„Es gibt kein anderes Stück, an dem sich die deutschen Theater in den letzten Jahren derart abgearbeitet haben, wie an ‚Hamlet‘, sagt Regisseur Reinhard Göber. Und das 400 Jahre nach seiner Entstehung. „Hamlet“ biete ja auch eine enorme Projektionsfläche, fügt er hinzu. Die Handlung sei nur so von Gegensätzen und Zerrissenheiten geprägt. Generationen prallen hier aufeinander.

„Wir treten auch gegen die Verblödung an“

„Es ist was faul im Staate Dänemark.“ Dieses berühmte Zitat aus „Hamlet“ deutet schon auf einen wesentlichen inhaltlichen Schwerpunkt hin – Staatskrisen. Deshalb ist es natürlich kein Zufall, dass sowohl die „Hamletmaschine“ als auch „Hamlet“ jetzt auf die Bühne kommen. Denn fast auf den Tag genau vor 30 Jahren fiel bekanntlich die Berliner Mauer. Wochen davor begehrten die DDR-Bürger überall im Land immer mehr gegen ihre damalige Führung auf. Und auch heute scheint die Zeit wieder aus den Fugen zu sein: Sicherheiten schwinden, Unsicherheiten wachsen.

Sowohl die „Hamletmaschine“ als auch „Hamlet“ wollen in dieser Situation ein Anker sein. Zum Innehalten und vor allem zum Nachdenken. „Die Menschen haben das Bedürfnis, herausgefordert zu werden“, ist Annett Kruschke, die Regisseurin der „Hamletmaschine“, überzeugt. „Wir treten auch gegen die Verblödung an“, fügt sie etwas salopp hinzu.

Wo ist mein Platz? Wo soll ich langgehen?

Die „Hamletmaschine“ kommt das erste Mal in Stralsund auf die Bühne. Heiner Müller schrieb das Stück 1977. Allerdings kam es erst nach der Wende, 1990, am Deutschen Theater in Berlin zur Aufführung. Es ist Müllers ganz eigene Hamlet-Aufarbeitung, in der er vor allem die Fragen stellt: „Wo ist mein Platz? Wo soll ich langgehen?“

Bewusst wurde die Inszenierung mit vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt, die allesamt die DDR nicht miterlebt haben. Sie kennen das Projekt Sozialismus also nur vom Hörensagen. Sie sollen so auch neue Reflexionen auf die Bühne bringen.

Inszenierung passte nicht in die politische Landschaft

Was den „Hamlet“ betrifft, will Regisseur Reinhard Göber auch an die mittlerweile legendäre „Hamlet“-Inszenierung von Adolf Dresen im Jahre 1964 anknüpfen. Damals spielte Jürgen Holtz im Theater Greifswald die Hauptrolle. Diese wurde nach nur wenigen Aufführungen wieder vom Spielplan genommen, weil sie nicht in die politische Landschaft passte. Es sei damals sogar verpönt gewesen zu sagen, dass Buchenwald neben Weimar liege, erklärt Göber, der 1988 selber die DDR verlassen hat.

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