Thomaskirche Tribsees holt Küssow-Epitaph aus dem Schatten anderer Schätze
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Stralsund Tribsees: Thomaskirche rückt verborgenen Schatz in den Blickpunkt
Vorpommern Stralsund

Thomaskirche Tribsees holt Küssow-Epitaph aus dem Schatten anderer Schätze

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17:56 22.12.2020
Das Küssowsche Epitaph in der Kirche Tribsees soll restauriert werden. Rechts: Die Kirche von außen.
Das Küssowsche Epitaph in der Kirche Tribsees soll restauriert werden. Rechts: Die Kirche von außen. Quelle: Harry Lembke/Ines Sommer
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Tribsees

Besuchern der Thomaskirche in Tribsees fällt er als Erstes ins Auge, der berühmte Mühlenaltar. Ausführliche Informationen gibt es meist auch zur bekannten Buchholzorgel. Weniger im Blickpunkt steht das so genannte Küssowsche Epitaph, das sich aber ebenfalls seit Jahrhunderten in der Kirche befindet.

Grabtafel edel gefertigt aus Holz

Diese 1577 etwa 3 mal 1 ,60 Meter große künstlerisch aus Holz gefertigt Grabtafel gilt mit seinen vielen Familienwappen und den Motiven aus der biblischen Geschichte als ein bemerkenswertes Zeugnis für die pommersche Kulturgeschichte, soll aber auch an den herzoglichen Rat Christian Küssow (1521-1587) und seine Frau Margaretha erinnern.

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Die Familie Küssow zählte seit dem 13. Jahrhundert zu den ältesten und bedeutendsten Adelsgeschlechtern mit ausgedehnten Besitztümern in Pommern und Mecklenburg. Die männlichen Familienmitglieder waren über Generationen hinweg meist herzogliche Amtsträger und dienten den pommerschen Herzögen in einflussreichen diplomatischen oder militärischen Positionen. Dazu gehörte auch Christian Küssow.

Amtshauptmann von Tribsees

Wann er genau geboren wurde, ist nicht überliefert, es wird aber das Jahr 1521 angenommen. Als pommerscher Adliger und herzoglicher Amtsträger diente auch er den pommerschen Herzögen in verschiedenen diplomatischen Missionen. Ab 1569 wurde er herzoglicher Rat und Amtshauptmann in Grimmen und Tribsees.

Die Stadt an der Trebel war damals mit ihrem Grenzübergang, dem so genannten Pass, ins Mecklenburgische eine wichtige Grenzstadt. Hier hatte er seinen Amtssitz im Tribseeser Schloss, das in der Nähe des Mühlentores stand. Daran erinnert heute noch der Straßenname „Auf dem Amte“. Christian Küssow starb 1587 und ist wohl in der Thomas-Kirche begraben.

Epitaph hing bisher ungünstig

Das Epitaph hing seit vielen Jahren an einer für Besucher recht ungünstigen Stelle des nördlichen Seitenschiffes, dessen Gewölbe und die Wand in diesem Jahr saniert wurden. Weil es dabei im Wege war und um nicht beschädigt zu werden, wurde es abgenommen. Nun aus der Nähe betrachtet, ist zu erkennen, dass die farbliche Gestaltung im Laufe der vielen Jahre (letztmalige Restaurierung 1746) doch sehr gelitten hat.

Schmuckstück soll restauriert werden

Motive aus der biblischen Geschichte, wie zum Beispiel das letzte Gericht mit dem Erzengel Michael oder Christus als Weltenrichter sind nur noch schwer oder gar nicht mehr zu erkennen. Deshalb soll das Epitaph im nächsten Jahr gesondert umfassend restauriert werden, bevor es dann wieder, vielleicht an einer günstigeren, für Besucher leichter einsehbaren Stelle angebracht wird.

Mit dem Tod von Graf Ludwig Julius Erasmus von Küssow erlosch übrigens 1824 das Geschlecht im Mannesstamm.

Von Harry Lembke