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Stralsund Toyota will in Stralsund 1,5 Millionen Euro investieren
Vorpommern Stralsund Toyota will in Stralsund 1,5 Millionen Euro investieren
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05:51 06.07.2019
Oberbürgermeister Alexander Badrow (l.) lässt sich von Toyota-Autohaus-Chef Mario Schütt und Schlosser Silvio Jeske ein paar technische Details erklären. Quelle: Ines Sommer
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Stralsund

Toyota, Lexus und Mitsubishi – die Autos dieser drei Marken stapeln sich förmlich auf dem Autohaus-Gelände am Carl-Heydemann-Ring. Schütt & Ahrens platzt aus allen Nähten und will sich dringend vergrößern. Deshalb sollen in einem ersten Bauabschnitt 1,5 Millionen Euro investiert werden.

Eine neue Ausstellungshalle soll gebaut werden, und zwar auf der Außenfläche vor dem jetzigen Autohaus. Der riesige Parkplatz verschwindet zwar damit, wird aber im hinteren Bereich neu entstehen. Denn was man von der Straße aus vor lauter Pkw gar nicht sieht – das Gelände von Schütt & Ahrens ist riesig. 11 000 Quadratmeter gehören der Stralsunder Firma, die übrigens in Bergen eine Filiale hat. Auch dort müsse gebaut werden, aber man konzentriere sich erst mal auf Stralsund, heißt es bei einem Rundgang.

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„Wir wollten schon längst anfangen, das Ganze sollte im September schon stehen, man sieht ja, dass wir dringend Platz brauchen. Aber der Hallenbauer hat kurzfristig abgesagt. Bei der jetzigen Auftragslage müssen wir froh sein, wenn wir nun endlich im Sommer beginnen können“, sagt Mario Schütt, einer der beiden Firmen-Erben und Geschäftsführer des Autohauses, und ergänzt: „Wir werden aber erst mal mit dem hinteren Platz und dem Parkdeck starten.“

So wird dort, wo jetzt noch ein altes Verwaltungsgebäude steht, das Parkdeck mit Mehrzweckhalle gebaut. Zusammen mit der Ausstellungshalle werden besagte anderthalb Millionen Euro bewegt. Doch das ist noch nicht alles. In einem zweiten Bauabschnitt sollen später noch einmal 1,5 Millionen folgen. Service-Einheit mit Waschanlage und Scheibenreparatur-Bereich können da zum Beispiel untergebracht werden. „Wir haben hier überall nur Stückwerk, immer wurde mal hier und da was angebaut. Im Zuge der Investitionen soll das alles auch neu gestaltet und sortiert werden“, so der Toyota-Chef.

Wobei Toyota nicht ganz richtig ist, denn das Autohaus, das viele sicher auch noch als Lkw-Reparatur-Zentrale kennen, ist mittlerweile auch Mitsubishi-Händler. „Nachdem Peter Witthaus aufgehört hat, haben wir 2018 den Vertrag bekommen. Man kann also nicht von Übernahme sprechen, aber trotzdem kümmern wir uns um die bisherigen Kunden“, erklärt Mario Schütt und zeigt auf vier Container. „Hier lagern wir die Winter- beziehungsweise Sommerräder der 4000 Kunden von Mitsubishi.“

Das Autohaus Schütt & Ahrens in Stralsund platzt aus allen Nähten. Auch in der Ausstellungshalle ist jede Lücke gefüllt. Quelle: Ines Sommer

Auch einige Schlosser wechselten zu Toyota, zum Beispiel Silvio Jeske. Der 53-Jährige war zuvor 25 Jahre bei Witthaus. Gern erklärt er während eine Inspektion ein paar technische Details und findet in Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und Wirtschaftsförderer Peter Fürst aufmerksame Zuhörer. Beide wollten sich bei einem Firmenbesuch über die geplanten Bauarbeiten informieren.

Da wird in trauter Männerrunde natürlich auch gefachsimpelt, zum Beispiel über den Prius, der als erstes Hybrid-Auto auf dem Markt kam. „Toyota war Vorreiter für diese Technik und bietet diese Modelle mittlerweile seit 25 Jahren an“, erklärt Mario Schütt, überzeugt von der Hybrid-Technologie. OB Alexander Badrow, der mit einem Dienstwagen BMW e-drive vorgefahren ist, informiert sich über Batterie-Lebensdauer und Spritverbrauch. Ja, so einige Modelle könnten ihm gefallen, sagt das Stadtoberhaupt.

Und damit steht er nicht allein da, denn Toyota erfreut sich größter Beliebtheit. In Stralsund wurden im letzten Jahr 166 Fahrzeuge dieser Marke verkauft. Das sind dreimal so viele wie der Bundesdurchschnitt. Auch die Edelmarke Lexus wird immer beliebter. Deshalb soll in Stralsund demnächst auch eine Lexus Lounge gebaut werden. Achja, und einige SsangYong stehen ebenfalls bei Schütt & Ahrens auf dem Hof.

Hinter dem Erfolg stehen keinesfalls nur die Verkäufer, sondern insgesamt 48 Mitarbeiter (davon sieben Azubis) in Stralsund und Bergen, die auch in Werkstätten und Büros einen engagierten Job machen, wie Autohaus-Chef Mario Schütt betont.

Eine Stralsunder Firmengeschichte in Bildern

Toyota Corolla in Weiß und Rot ging wie geschnitten Brot

1865 haben Friedrich Schütt und sein Schwager August Ahrens in Stettin die Firma gegründet. Zum Geschäftsfeld gehörten der Import von Maschinen und der Wein- und Viehhandel. 1879 kam eine Reparaturwerkstatt für Landmaschinen dazu. Die Mitarbeiterzahl wuchs von 30 bis auf 200. Die Maschinenfabrik wurde Marktführer in Pommern und hatte um 1900 auch die größte Reparaturwerkstatt mit Kesselschmiede und Dreherei, aber auch mit Kundendienst.

In den 1930er-Jahren wurde der Kundendienst ausgebaut, die Monteure waren mit 45 Autos und 30 Motorrädern von Altenkirchen auf Rügen über Stralsund bis Bärwalde in der Neumark unterwegs. Auch ein Lagersystem wurde entwickelt, so dass die Firma über 100 000 Produkte verfügte.

Nach dem 2. Weltkrieg hatte Schütt & Ahrens nur noch drei Betriebe: in Stralsund, Bergen und Demmin (Die ersten Beiden blieben bis heute). Es wurde alles repariert, was sich drehte. Die Firma kam selbst wieder auf die Beine, was dem Staat nicht verborgen bleibt. 1953 endete die Zeit als Privatfirma. Es entstand die Schütt 6 Ahrens KG mit staatlicher Beteiligung.

1961 begann Harald Ihlo als Schlosser seine Lehre in dem Betrieb, er brachte die Firma über die Wende und leitete sie bis 2014. Seitdem führen Artur Klaus und Mario Schütt das Unternehmen.

Repariert wurden in Stralsund der DDR-Laster H6, der S4000 und der allradbetriebene Dreiachser G5 instand gesetzt. In Bergen spezialisierte man sich auf Anhänger und Gabelstapler. 200 Mitarbeiter zählte der Betrieb. Und trotzdem kam man nicht hinterher, soviel Reparaturbedarf gab es.

1965 baute man eine neue Werkstatt, die Reparaturannahme und Büros. Wegen der modernen Ausstattung des W50 wurde zudem die Abteilung Autoelektrik gegründet. Doch längst waren auch Trabant, Wartburg und Skoda auf der Hebebühne.

Trotz oder gerade wegen des Erfolges wurde Schütt & Ahrens am 17. April 1972 enteignet. Der Betrieb hieß nun: VEB Kfz-Instandhaltung Vorwärts Stralsund, Ihlo wurde technischer Leiter. Aufträge und Ersatzteile wurden nun vom Rat des Bezirkes zugeteilt. Die Lücke zwischen Plan und Realität wurde immer größer.

1982 wurde der Betrieb in das VEB Kombinat Ostseetrans integriert, Harald Ihlo war nun Chef der Privat-Autoreparatur. 1989 begann der damals 47-Jährige heimlich, die Reprivatisierung vorzubereiten. Am 28. Juni 1990 wurde die Rückübertragung an die Eben von Schütt & Ahrens per Urkunde besiegelt. Doch der Trabi – bei vielen verhasstes DDR-Symbol – wurde zum Ladenhüter, die Kunden bleiben weg. So musste Harald Ihlo 90 der 110 Mitarbeiter entlassen.

1990 ging es vorwärts: Erst zog Ihlo einen MAN-Vertrag an Land, dann angelte er sich Toyota. 1991 entstanden in Stralsund und Bergen die beiden Autohäuser, am Eröffnungstag in Stralsund wurde 102 Bestellungen entgegen genommen. Der Renner war übrigens der Toyota Corolla 1.3 in Rot und Weiß.

1996 erfolgte die volle Konzentration auf Toyota. In Stralsund wurde für 4,5 Millionen Euro neu gebaut. Und inzwischen stehen die nächsten Investitionen ins Haus.

Ines Sommer

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