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Stralsund Trotz Spekulation um Militärhafen: Bau der Marina soll im Sommer starten
Vorpommern Stralsund Trotz Spekulation um Militärhafen: Bau der Marina soll im Sommer starten
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10:08 24.04.2019
Ein früher Entwurf des Yachthafens an der Stralsunder Schwedenschanze. Ob die schwimmenden Hütten in der Mitte wirklich entstehen, ist unklar. Quelle: Ostsee-Stralsund-Appartement GmbH
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Stralsund

Im Zuge der Debatte um mögliche Grundstücksspekulationen mit einer früheren städtischen Fläche an der Schwedenschanze rückt nun ein Dokument aus dem Jahr 2016 in den Fokus. Dabei handelt es sich um die Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion in der Bürgerschaft. In der Partei waren seinerzeit Befürchtungen laut geworden, dass der Preis für das 16 300 Quadratmeter große Gelände in exponierter Lage direkt am Sund unter Umständen zu niedrig sein könnte. Nach OZ-Informationen soll das Grundstück für 615 000 Euro den Besitzer gewechselt haben.

Vor Ostern war bei Recherchen der OSTSEE-ZEITUNG ein Exposé der renommierten Maklerfirma Engel&Völkers aufgetaucht, wonach das Areal nun für einen Preis von 7,5 Millionen Euro weiterverkauft werden soll. Wer die Verkaufsunterlagen in Auftrag gegeben hat, dazu wollten sich weder Engel&Völkers noch der bekannte Immobilienentwickler Fred Muhsal bisher äußern. Muhsal ist einer der Eigentümer der Fläche.

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In der Antwort auf die Grünen-Anfrage versuchte der Chef des Amtes für Planung und Bau, Ekkehard Wohlgemuth, die Zweifel zu entkräften: „Die mögliche Bodenwertsteigerung durch die veränderte Nutzung ist bereits in den Kaufpreis eingegangen, das Risiko bezüglich der Umwandlung des bestehenden Bebauungsplanes liegt jedoch beim Vorhabenträger.“

Stadt: Wertsteigerung bei Verkauf einkalkuliert

Das Grundstücksgeschäft ist im Jahr 2014 über die städtische Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft (LEG) an der Bürgerschaft vorbei eingefädelt worden. Laut dem Protokoll mit Wohlgemuths Ausführungen von 2016 sei der sechsstellige Verkaufspreis mit Hilfe eines Gutachters festgelegt worden. Mit der von ihm erwähnten veränderten Nutzung der Fläche war die Möglichkeit gemeint, das Grundstück mit Ferien- und Eigentumswohnungen bebauen zu dürfen. Der Bebauungsplan ist nach dem Verkauf entsprechend verändert worden, was den Marktwert der Fläche in die Höhe schnellen ließ. Das Risiko schien für den Vorhabenträger, wie Investoren in Ämtern und Behörden genannt werden, überschaubar gewesen zu sein.

Grundstück und Bauprojekt gehören der Ostsee-Stralsund-Appartement GmbH, hinter der als Gesellschafter zwei weitere Firmen stehen, die schlussendlich auf Muhsal sowie den Leipziger Steuerberater und Rechtsanwalt Jens Schellknecht zurückzuführen sind. Den Plänen zufolge, die Muhsal im Jahr 2015 im Bauausschuss der Bürgerschaft vorgestellt hat, sollen an der Hafenkante der Fläche 100 Liegeplätze für Segelboote entstehen. Hinzu kommen 80 Ferienapartments und 33 luxuriöse Eigentumswohnungen auf einer Gesamtwohnfläche von knapp 10 000 Quadratmeter. Die Steganlage soll größtenteils schwimmend konstruiert sein. Ufereinfassung und Spundwände sind von der Stadt bereits vor zehn Jahren für rund 1,2 Millionen Euro grundlegend saniert worden.

Hafenbau soll 6 Millionen Euro kosten

Nach OZ-Informationen soll eine Baugenehmigung für die Eigentums- und Ferienwohnungen, die in dem Exposé von Engel&Völkers gleich mit offeriert wird, an die Fertigstellung des Hafens gebunden sein. In diesem Fall wäre der Erlös bei einem Weiterverkauf für 7,5 Millionen Euro deutlich geringer. Angaben der Stadtverwaltung zufolge liegt die Genehmigung bislang aber nicht vor.

Dem Vernehmen nach soll ein Stralsunder Architekten- und Ingenieurbüro die Kosten für den Hafenbau trotz der fast ausschließlich schwimmenden Konstruktion, die die Auswirkungen preisintensiver und umweltschädlicher Rammarbeiten auf ein Mindestmaß begrenzen soll, auf knapp sechs Millionen Euro taxiert haben. Nun soll ein weiterer Entwurf im Gespräch sein, der deutlich billiger sein soll. Noch im Sommer sollen die Bauarbeiten für den Hafen losgehen, heißt es. Erste Vorbereitungsarbeiten wie die Entfernung der alten Buhnen aus dem früheren Militärhafen sind bereits abgeschlossen.

Grüne fordern Schutz gegen Spekulationsgeschäfte

Innerhalb der Fraktionen der Bürgerschaft werden die Entwicklungen in Zusammenhang mit der Schwedenschanze kontrovers diskutiert. Während die Wählergemeinschaft Bürger für Stralsund (BfS) zunächst abwarten will, ob Muhsal und Schellknecht ihre Verkaufsabsichten trotz des Exposés wirklich ernsthaft weiterverfolgen (BfS-Mann Thomas Haack: „Ich kann mir das nicht vorstellen.“), üben die Grünen Kritik.

„Das Verfahren zum Verkauf der Schwedenschanze hat mehr als nur einen faden Beigeschmack. Zum Zeitpunkt des Verkaufs war nicht absehbar, wie sich der Grundstückswert entwickelt“, sagt Fraktionschef Jürgen Suhr. Es sei daher unbedingt erforderlich gewesen, eine Mehrerlösklausel in den Kaufvertrag aufzunehmen, um einem möglichen Spekulationsgeschäft vorzubeugen und für die Hansestadt Stralsund zu gewährleisten, dass sie von potenziellen Mehrerlösen profitiere. Suhr: „Nichts davon ist geschehen. Das war zumindest grob fahrlässig und bedient die Interessen des Investors.“

Benjamin Fischer