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Stralsund Udo Bläß: Das ist der Bart-Europameister aus Stralsund
Vorpommern Stralsund Udo Bläß: Das ist der Bart-Europameister aus Stralsund
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20:16 07.08.2019
Bart-Europameister Udo Bläß kehrt nach zehn Jahren in seine Geburtsstadt zurück. Quelle: Leonie Zimmermann
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Stralsund

„Guck mal, Mama, da ist der Weihnachtsmann“ – ein größeres Kompliment kann man Udo Bläß nicht machen. Der gebürtige Stralsunder hört diesen Satz fast täglich. Und das ist kein Wunder, denn eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Mann vom Nordpol kann man ihm nicht absprechen: runder Bauch, gütiger Blick und einen weißen, langen Rauschebart. Für seinen Bart wurde Bläß bereits mehrfach ausgezeichnet, so ist er unter anderem Bart-Europameister in der Kategorie Naturbart.

Die Leidenschaft für seinen Bart entsteht bei seinem ersten Einsatz als Nikolaus: „Mit dem künstlichen Bart habe ich mich einfach unwohl gefühlt.“ Weil ihm aber die Rolle des Weihnachtsmannes liegt, beschließt er kurzerhand, seinen seinerzeit kinnlangen Bart einfach mal wachsen zu lassen. Und der wächst und wächst, ganze acht Jahre lang.

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Heute misst er ganze 74 Zentimeter. „Seit zwei Jahren allerdings nicht mehr viel, ich muss nur hin und wieder mal die Spitzen schneiden“, sagt Bläß und streicht sich über die weißen Haare. Viel mehr mache er aber nicht für die Haarpracht in seinem Gesicht – ab und zu Volumen-Shampoo und einen Aufheller.

Im Video: Bläß und seine Tipps zur Bartpflege

Ein ganzer Raum voller Bärte

Zeit für intensive Bartpflege bleibt dem Rentner ohnehin nicht, denn sein Terminkalender ist prall gefüllt. Im Winter tourt er als Nikolaus mit seiner Lebensgefährtin Hilde Bühler durchs ganze Land, im Sommer nimmt er an Bart-Wettbewerben teil und besetzt auch mal eine Sprechrolle.

„Dank meines Bartes habe ich wirklich schon viel erlebt“, sagt Bläß, lächelt und verliert sich kurz in Erinnerungen: So habe er bei der Bart-Weltmeisterschaft in Italien nicht nur den ersten Platz belegt, sondern sei auch zum „Super-Bartträger“ gekürt worden. Als Mitglied des „Bayerischen Schnauz- und Bartclubs“ nehme er regelmäßig an Bart-Treffen und Wettbewerben teil.

Akkurat gestutzt, kreativ geformt oder einfach gut gewachsen: Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es schöne Bärte. Eine Auswahl der besten Exemplare.

So wird er etwa beim kommenden Oktoberfest in Regensburg mit rund 30 anderen Bart-Meistern auf der Bühne präsentiert – und gefeiert: „Das ist immer was Besonderes – und bietet ein lustiges Bild, wenn der ganze Raum voller Bärte ist.“

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Die Liste seiner Bart-Erlebnisse ist lang: Er habe Rollen bei Niedrig & Kuhnt, Toto und Harry und Promi-Flaschendrehen besetzt – und könne sich an jede einzelne haargenau erinnern. Bei einer Trike-Tour durch Krefeld habe er dem Weihnachtsmann des Coca-Cola-Trucks die Show gestohlen, weil dieser nicht ansatzweise so „nikolausig“ ausgesehen habe, wie Bläß in seiner Motorrad-Kluft.

Und bei all diesen Erlebnissen geht es Bläß nicht etwa um den großen Ruhm, sondern einzig und alleine um den Spaß an der Sache: „Ich mag es einfach, wenn die Menschen auf mich aufmerksam werden.“

„Es gibt nichts Schöneres, als ein Kinderlächeln“

Vor dem Leben mit dem langen Rauschebart war Udo Bläß Gabelstaplerfahrer. Geboren am 1. Juni 1954 in Stralsund, hat es seine Familie kurz vor dem Mauerbau nach Diez gezogen, wo er schließlich als junger Mann zunächst den Beruf des Malers lernte.

Seit zwanzig Jahren lebt Bläß nun in Holzappel (Rheinland-Pfalz), wo er bis zuletzt Gabelstaplerfahrer war. Seine Berufung habe er aber erst gefunden, als der Bart wuchs. „Mit dem Bart wurde ich endlich zu dem Mensch, der ich immer sein wollte“, sagt der Rentner.

Bart-Europameister Udo Bläß singt mit den Liederpiraten auf dem Seglarträff in Stralsund. Quelle: Privat

Sein Herzblut fließt nun vor allem in eine Aufgabe: Die Rolle als Nikolaus. Die Auftritte in Kitas, auf Kinderfesten und in Pflegeeinrichtungen machen Bläß und Bühler nun seit vier Jahren gemeinsam – und beide verfolgen ihre Aufgabe mit großer Leidenschaft. Wenn die Kinder etwa nach den Rentieren oder dem Nordpol fragten, habe das Duo großen Spaß daran, sich tolle Geschichten auszudenken.

Für das Treffen mit dem Weihnachtsmann und seiner Frau zahlen die Gruppen stets nur 20 Euro – das reicht nicht selten gerade so für die Sprit-Kosten. Bläß will es aber so, denn ihm ist eines nämlich die wertvollere Währung: „Es gibt für mich nichts Schöneres, als Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“

Fotos, Wangen-Küsse und Bart-Grabscher

Wenn der urige Mann aus dem Rheinland unterwegs ist, dann sind es aber nicht nur Kinder, die ihn ansprechen: „Viel schlimmer sind die Frauen.“ Er werde oft nach Fotos gefragt oder unverhofft auf die Wange geküsst – und alle wollen sie seinen Bart anfassen.

Zuletzt sei er in einem Bus auf dem Weg zum Stralsunder Seglarträff angesprochen worden – am Ende hätte der Bus halten müssen, weil der Andrang so groß war. Ob ihm das unangenehm sei? Ganz im Gegenteil: „Wenn hübsche Mädels so auf einen aufmerksam werden, ist das doch super“, sagt er und lacht laut.

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Auch beim Schlendern durch die Stralsunder Altstadt, zieht Bläß die Blicke der Passanten auf sich. Touristen und Einheimische scheinen gleichermaßen interessiert an dem Mann mit dem schönen langen Bart.

Und der registriert es sofort, wenn die Menschen in seiner Umgebung über ihn sprechen – und freut sich darüber. Wenn er angesprochen wird, dann gerät er des Öfteren ins Plaudern, erzählt ausführlich und mit einer lauten, kräftigen Stimme.

Zurück nach Stralsund?

Schiefe Zähne, ein runder Bauch und der auffällige weiße Bart – Bläß polarisiert: „Natürlich reagieren manche Menschen auch negativ auf mich.“ Es habe bereits beleidigende Medienberichte und Facebook-Kommentare gegeben, insbesondere über seine Tätigkeit als Fußball-Schiedsrichter.

Zwischen seinen Auftritten in Shows und als Nikolaus findet man Bläß nämlich auf dem Platz – und das bereits seit 41 Jahren. Dabei sei etwa der Hashtag #Kreisligaschiedsrichter-Gandalf-Weihnachtsmann entstanden, unter dem Fotos von ihm auf Social-Media-Kanälen verbreitet würden. „Da stehe ich aber drüber“, sagt Bläß.

Bart-Europameister Udo Bläß ist mit seiner Lebensgefährtin Hilde Bühler in Stralsund. Quelle: Leonie Zimmermann

Die Stralsunder allerdings seien ein freundliches Volk, sagt der 65-Jährige, der seit zehn Jahren nicht mehr in seiner Geburtsstadt war. Und auch sonst gefalle es ihnen hier so gut, dass sie nun darüber nachdenken, wieder zurück in die Hansestadt zu ziehen.

„Ich würde das sofort machen“, sagt Bläß beim Bummeln fast beiläufig zu seiner Lebensgefährtin – die lächelt nur und kneift ihn leicht in seinen runden Bauch. Naja, zumindest als Nikolaus würde Bläß sicher gerne mal wieder in die Hansestadt kommen.

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Von Leonie Zimmermann

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