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Stralsund Über 2200 Kinder hoffen auf Unterhaltszuschuss vom Kreis
Vorpommern Stralsund Über 2200 Kinder hoffen auf Unterhaltszuschuss vom Kreis
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00:05 20.09.2017

Stralsund. Jedes Jahr greift der Landkreis Vorpommern-Rügen tief in die Kasse, um Unterhaltsvorschuss zu zahlen. Denn er springt ein, wenn Väter oder manchmal auch Mütter gar nichts oder nur wenig für ihre Kinder zahlen können oder wollen. In unserem Kreis betrifft das zurzeit 5000 Kinder und Jugendliche – ein Sechstel aller jungen Menschen bis zum Alter von 17 Jahren. Bekamen bisher etwa 2200 diese Unterstützung, geht das Jugendamt nach einer Gesetzesänderung nun von 4800 Fällen aus.

Neues Gesetz – Alleinerziehende können noch bis 30. September einen Antrag beim Jugendamt stellen, wenn der andere Elternteil nicht zahlt

Zwei Neuerungen bringt dieses Gesetz mit sich. Erstens: Wurde der Unterhaltsvorschuss bisher nur 72 Monate gewährt, entfällt diese Grenze nun. Zweitens: Bisher endete die Zahlung dieser staatlichen Unterstützung mit dem 12. Geburtstag. Jetzt steht dies allen Kindern bis zum 17. Lebensjahr zu.

Haken an der Sache: Es kann passieren, dass Kinder, die dann den Unterhaltszuschuss bekommen, im Sinne des Gesetzes nicht mehr als hilfebedürftig gelten. Die Folge: Sie verlieren Sozialleistungen oder die Zuschüsse des Bildungs- und Teilhabepakets (Schulessen, Vereinsbeiträge, Klassenfahrtengeld). Unterhalt nicht zu beantragen, ist aber auch keine Lösung. „Da es sich um eine vorrangige Leistung handelt, besteht die Pflicht, diesen Antrag zu stellen“, sagt Susan Csallner vom zuständigen Fachgebiet im Jugendamt Vorpommern-Rügen. Sie befürchtet, dass es Kinder geben wird, die weniger kriegen als vorher ohne Unterhaltsgesetz.

Lagen im Jugendamt bereits im Juli 1300 neue Anträge auf Zuschuss vor, ist dieser Berg nun auf 2200 Fälle angestiegen. Und er wächst weiter, denn bis 30. September können die Zuschüsse noch beantragt werden. Dazu kommen die Kinder, denen schon im ersten Halbjahr Unterhaltsvorschüsse bewilligt wurden.

Zum Vergleich: Nach alter Regelung bekamen jährlich 2300 Mädchen und Jungen den Unterhaltsvorschuss. Das aber eben nur bis zum 12. Lebensjahr und nur für 72 Monate. Schon allein dafür gab Vorpommern-Rügen jährlich rund 4,2 Millionen aus, bekam aber elf Zwölftel von Bund und Land zurück. So blieben beim Kreis trotz zurückgezahlter Elternanteile immer noch 300000 Euro „kleben“.

Jetzt rechnet man mit über zehn Millionen an Gesamtausgaben, so dass sicher über eine Million Euro aus der Kreiskasse genommen werden müssen.

Natürlich versucht das Jugendamt, das Geld von den betroffenen Elternteilen zurück zu holen. Denn eigentlich sind ja die Väter und Mütter verpflichtet, für ihre Kinder zu zahlen. „Wir haben in den letzten Monaten eine Rückholquote von 20 bis 22 Prozent“, erklärt Susan Csallner. Die zuständige Fachgebietsleiterin im Jugendamt betont, dass man damit im guten Durchschnitt liege. Man stehe mit Arbeitgebern und Jobcentern in gutem Kontakt. Die 47-jährige Verwaltungsfachwirtin weiß, dass die Jugendämter verschiedene Wege gehen, um die Säumigen aufzuspüren. „Einige trennen den Bereich Rückholung völlig von der Unterhaltszahlung ab“, sagt Susan Csallner und meint damit Detektive, die mit kriminalistischem Gespür ans Werk gehen. So hat das Jugendamt Aurich damit gute Erfahrung gemacht, denn die Rückholquote hat sich verdoppelt. Der Landkreis Vorpommern-Rügen sieht das anders, wie die Fachgebietsleiterin erklärt: „Wir haben uns entschieden, dass der Mitarbeiter, der den Fall bearbeitet, das mit übernimmt. Er kennt die Familie und kann da auch mit Fingerspitzengefühl handeln.“

Erst mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes am 17. August können die Anträge nun endgültig entschieden werden. „Wir haben ein Viertel der Fälle komplett abgearbeitet, das heißt, die Zahlungen fließen“, sagt die 47-Jährige im Gespräch mit der OZ.

„Wegen des enormen Arbeitsaufwandes in diesem Fachgebiet haben wir vier zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Jetzt kümmern sich zwölf Fachkräfte und auch die Fachgebietsleiterin um die Abarbeitung des Antragstapels“, betont Vize-Landrätin Carmen Schröter.

Unterhaltszuschuss wird unabhängig vom Einkommen gezahlt

364 Euro Unterhalt müssen Väter oder Mütter für ihre 12- bis 17-jährigen Kinder zahlen, wenn das Kind beim Expartner lebt. Dies gilt für all jene, die bis 1500 Euro netto verdienen. 297 Euro stehen den 6- bis 11-Jährigen zu. Bis zum 5. Geburtstag müssen 246 Euro überwiesen werden.

Halbwaisenkinder bis 17 können ebenfalls einen Antrag auf Unterhaltszuschuss stellen. Wenn ihre Rente unter dem Betrag des Unterhalts liegt, bekommen sie die Differenz.Die Unterhaltszahlung ist eine gesetzliche Pflicht. Nur wenn ein Elternteil (85 Prozent sind Männer, 15 Prozent Frauen) nicht zahlen kann oder will, springt der Staat mit dem Vorschuss ein. Das Geld soll der Unterhaltspflichtige zurückzahlen. Allerdings gelingt dies bundesweit in nur 20 Prozent der Fälle, im Kreis sind es 22%.

268 Euro Vorschuss zahlt der Kreis im Auftrag des Staates für 12- bis 17-Jährige. 201 Euro sind es bei 6- bis 11-Jährigen, 150 Euro fließen für die Kleinsten. All das unabhängig vom Einkommen. Anträge: im Bürgerservice des Kreises in Grimmen, Bergen, Ribnitz und Stralsund, unter www.lk-vr.de oder unter ☎ 115.

Ines Sommer

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