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Stralsund Verpackungsfirma Folian aus Stralsund mit Million-Umsatz: „Kaum einer glaubte an unsere Idee“
Vorpommern Stralsund

Verpackungsfirma Folian aus Stralsund mit Million-Umsatz: „Kaum einer glaubte an unsere Idee“

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19:00 22.08.2021
Die Folian-Gründer Stefan und Manuela Muschter an ihrer Druckmaschine. Ihre Stralsunder Firma produziert seit 20 Jahren Verpackungen für Großkunden wie Rewe und Edeka aber auch für regionale Unternehmer wie Greifen Fleisch oder Rostocker Wurst.
Die Folian-Gründer Stefan und Manuela Muschter an ihrer Druckmaschine. Ihre Stralsunder Firma produziert seit 20 Jahren Verpackungen für Großkunden wie Rewe und Edeka aber auch für regionale Unternehmer wie Greifen Fleisch oder Rostocker Wurst. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund/Groß Lüdershagen

Vom Stralsunder Start-up zu einem der größten Arbeitgeber in Vorpommern-Rügen: Nach mehr als 20 Jahren am Markt werden die Folian-Gründer Manuela (53) und Stefan Muschter (57) nicht müde, nach Innovationen zu suchen. Ihre Folian GmbH mit Sitz in Groß Lüdershagen bedruckt seit 2001 im großen Stil Lebensmittelverpackungen. Und zwar nicht nur für regionale Unternehmen wie Rostocker Wurstspezialitäten oder Greifen-Fleisch, sondern auch für Rewe, Edeka, Lidl, Kaufland oder Viba.

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Nachhaltige Verpackungen sind die Zukunft

Mit der neusten Druckmaschine, die 2015 ihre Arbeit aufnahm, bietet die Firma nachhaltige Lösungen mit wasserbasierten Druckfarben an. Davon profitieren Stammkunden wie Tiefkühlgerichte-Hersteller Frosta. Weitere Trends haben die Verpackungsspezialisten im Blick. „Nichts schützt Lebensmittel so gut wie Kunststoff. Dennoch geht die Entwicklung weiter“, erklärt Maschinenbauer und Firmeninhaber Stefan Muschter. „Die Zukunft kann Kunststoffen aus biologischen Materialien wie Zucker und Kartoffeln gehören aber eben auch dem Papier“, sagt der 57-jährige Stralsunder. „Mit unseren Maschinen können das schon jetzt anbieten“, sagt Verpackungsingenieurin Manuela Muschter (53). „Doch der Markt muss das auch wollen“, so ihr Ehemann. Die Vision: „Digital auf recyclebares Papier drucken, das Lebensmitteln den gleichen Schutz bietet wie Kunststoffe.“ Sie sind sich sicher, dass das kommt – und auch darauf vorbereitet.

Braunschweiger Flexo-Drucker stieg 2001 bei Folian ein

Expansionspläne gibt es am Stralsunder Standort aktuell nicht. Doch einige der knapp 100 Mitarbeiter haben die Branchen-Innovationen permanent im Blick. Einer von ihnen ist Stefan Gang. Der 51-jährige Braunschweiger kam 2001 für den Job nach Stralsund. Kennengelernt hatte der Flexo-Drucker die Gründer auf einer Messe. „Für meinen alten Arbeitgeber suchte ich nach Innovationen. Am Abend erzählten die zwei mir von ihrem Vorhaben“, sagt Gang. Der Kontakt blieb. Als Gangs alter Arbeitgeber pleite ging, heuerte er bei Folian an. Mit seiner Expertise konnte er dem damals jungen Start-Up gleich weiterhelfen. Heute verantwortet er den Bereich Qualitätsmanagement.

Flexo-Drucker Stefan Gang (51) ist seit 20 Jahren bei Folian. Quelle: Christian Rödel

100 Mitarbeiter, mehr als 20 Millionen Euro Umsatz

Damals wie heute kontrolliert Stefan Muschter morgens meist, ob die Maschinen laufen. „Wir verdienen nur Geld, wenn etwas gedruckt wird“, sagt er. Mit einer F+K Druckmaschine fing am 21. März 2001 alles an. „An dem Tag wurde der erste Echtauftrag produziert“, sagt erinnert er sich. Damals war man mit 11 Leuten gestartet, heute beschäftigt die Firma 95 Mitarbeiter und zählt damit zu den großen Arbeitgebern in der Region. Das bisher beste Umsatzergebnis erzielte man mit rund 25 Millionen im vergangen Jahr.

Die Folian-Gründer Stefan und Manuela Muschter auf ihrer Jubiläumsfeier am Sonnabend im Stralsunder Club „Werkstatt“. Quelle: Christian Rödel.

So schwierig war die lange Gründungsphase

Doch vom Start-Up zum etablierten Unternehmen war es ein weiter Weg. Von der Gründung am 13. Januar 1999 bis zum ersten Umsatz vergingen 26 Monate. Die Idee hatten die Eheleute zusammen entwickelt, sie kannet sich in der Branche aus und wollte sich selbstständig machen. „Hinzu kam, dass ich in einer Berliner Druckerei aufgewachsen bin“, erzählt Manuela Muschter. 1998 wurde ihr Konzept noch abgelehnt, 1999 erhielten sie den Zuschlag. „Wir hatten kaum Eigenkapital. Nur die Volksbank glaubte an unsere Idee“, sagt Stefan Muschter. Die Anfangszeit war eine harte Probe. „Wir konnten nur geringe Gehälter zahlen. Mit dem Umsatz kamen wir nicht so hinterher, wie geplant“, sagt Manuela Muschter. Zudem lief die Kundenakquise als Neuling schleppend. Doch dann zogen sie einen potentiellen Großkunden an Land. „Er wollte Mitgesellschafter werden, dafür brachte er jedoch weitere Kunden mit.“ Danach endete die Durststrecke – und in Stralsund wurden PET-Flaschen für Coca-Cola bedruckt. 2004 konnte bereits in eine zweite Druckmaschine investiert werden. Die Anschaffungskosten allein dafür liegen bei rund vier Millionen Euro.

2005 bremste ein Großbrand den noch jungen Betrieb aus. Doch danach florierte das Geschäft. Zeitweise wurden drei Maschinen parallel betrieben. Heute sind zwei Modelle in Betrieb. 2016 gelang es der Gründerfamilie, die Firmenanteile komplett zurückzukaufen. „Vor 20 Jahren haben wir davon nicht mal geträumt“, sagt Manuela Muschter. „Ein Business-Plan ging ja nur fünf Jahre.“

Was die Folian-Inhaber jungen Gründern raten

In Stralsund sind sie glücklich. Dabei entschieden sie sich aus zwei Gründen für die Hansestadt: „Einerseits komme ich aus Stralsund, andererseits gab es für Ansiedlungen im Osten hohe Förderungen“, sagt Stefan Muschter. Die Selbstständigkeit bereuen sie nicht – und empfehlen heute anderen Start-Ups: „1. Kümmert euch um eine gute Finanzierung, um Anfangsverluste gut zu kompensieren. 2. Konzentriert euch auf das, was euer Unternehmen besonders macht. Für Buchhaltung kann man Dienstleister einkaufen. 3. Fangt nicht zu groß an“, so Stefan Muschter.

Ein echtes Folian-Pärchen: Claudia (40) und Arne Grabau (52) aus Stralsund haben sich auf Arbeit kennengelernt. Quelle: Christian Rödel

Zum Gründungsteam gehörte Claudia Grabau. Sie fing mit 20 an, heute ist sie 40 Jahre alt – und noch immer dabei „Die Anfänge waren hektisch. Obwohl wir damals nicht so viel zu tun hatten“, erinnert sie sich. Eigentlich wollte sie im Büro arbeiten, doch dann wurde sie Coloristin. „Wenn man bei uns etwas gut kann, dann findet sich dafür ein Platz“, schwärmt die Stralsunderin. Heute arbeitet sie in der Druckvorbereitung – zusammen mit Ehemann Arne Grabau (52), den sie bei Folian kennengelernt hat. „Ich brauchte ein Computer, er kannte sich damit aus“, scherzt sie.

Die Folian GmbH: Erster Gewinner des OZ-Existenzgründerpreises

Die Folian GmbH mit Sitz in Groß Lüdershagen bei Stralsund legte am 21. März 2001 mit der Produktion los. An dem Tag wurde der erste Echtauftrag produziert. Damals hieß die Firma noch Muschter GmbH, gestartet wurde mit nur 11 Leuten. Heute zählt die Firma 95 Mitarbeiter – und ist damit einer der größten Arbeitgeber in der Hansestadt.

Gegründet wurde die Firma am 13. Januar 1999. Bis zum ersten Umsatz vergingen rund 26 Monate. Ein paar Meilensteine:

2003Gründer-Champion in Berlin und erster Gewinner des Existenzgründerpreises der OSTSEE-ZEITUNG;

2004 Inbetriebnahme der 2. Druckmaschine W&H, Bau einer 2. Halle;

2007 Preisträger beim „Großer Preis des Mittelstandes“;

2014 Ehrung als „Bester Lieferant“ vom Kunden Lieken;

2015 Inbetriebnahme der 3. Druckmaschine Allstein;

2016 Preisträger bei „Deutscher Verpackungspreis“ & neue Laserperforationsanlage

Von Kay Steinke