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Stralsund Brandenburger radeln mit DDR-Tandem durch Vorpommern
Vorpommern Stralsund Brandenburger radeln mit DDR-Tandem durch Vorpommern
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17:19 10.07.2019
Roland Töppel (64) und Andreas Filert (65) erfüllen sich mit ihrer Tandem-Tour an die Ostsee einen Jugendtraum. Hier sind sie in Stralsund angekommen, in der Badstüberstraße. Quelle: Kay Steinke
Stralsund

Mit einem Tandem an die Ostsee fahren. Das war vor 47 Jahren der Jugendtraum von Andreas Filert (65) und Roland Töppel (64). Damals scheiterten die Freunde aus dem brandenburgischen Werder/Havel. Mit ihrem selbstgebauten Zweirad kamen sie nur bis nach Röbel an der Müritz und brachen dort die Reise ab. Doch derzeit holen die beiden Ruheständler ihren Traum nach, auf einem Oldtimer aus der DDR-Tandem-Schmiede Baumaschinen Schwerin. Schon jetzt sind sie weiter gekommen als vor 47 Jahren. Am Mittwoch legten sie einen ihrer wenigen Ruhetage in Stralsund ein. „Wir waren am Neuen und am Alten Markt und haben uns gut im Kartoffelhaus gestärkt“, sagt Andreas Filert, der heute in Berlin lebt. „Es ist wirklich schön hier. Jetzt holen wir uns noch ein Fischbrötchen am Hafen und dann gucken wir uns schon Mal den Radweg über den alten Rügendamm an.“

Vom Cottbusser Ostsee zur Ostsee am Kap Arkona

Am 1. Juli brachen sie auf. Vom Cottbusser Ostsee zur Ostsee am Kap Arkona und zurück. Das ist ihr Weg. Und die etwa 1000 Kilometer, die sie mit nur drei Gängen und Tempo 20 bis zum 18. Juli bewältigen wollen, legen sie für den guten Zweck zurück. Sie sammeln Spenden für den ambulanten Hospizdienst der Malteser. „Viele Menschen wollen in ihrem vertrauten Umfeld sterben und dabei nicht alleine sein“, sagt der ehemalige Bauingenieur Roland Töppel, der selbst noch Kinder mit Behinderung für die Malteser zur Schule fährt. „Ich habe auch einem Mann geholfen, der ganz genau wusste, dass er bald sterben wird. Er wollte sein Haus vor dem Tod noch für seine Frau behindertengerecht umbauen. Damit diese später keine Probleme haben wird. Dabei konnte ich die wichtige Arbeit des Hospiz-Dienstes erleben.“

Nach 47 Jahren wird die Tour nachgeholt

„Bei einem Bier kamen wir auf die Idee, unsere Tour nachzuholen. Nach 50 Jahren Freundschaft“, sagt Roland Töppel, der in Cottbus lebt. „An unserem Ostsee gibt es auch einen Aussichtsturm. Dort sind wir gestartet.“ Der Ostsee in seiner neuen Heimat ist ein künstliches Biotop, ein stillgelegter Tagebau, der bis 2024 geflutet wird. „Das wird ein riesiger See für Naherholung. Ein Radweg drum herum ist schon fertig, ein Hafen soll noch entstehen“, so Töppel. „Erst war es nur ein Witz. Dann hat Andreas das Motto auf T-Shirts gedruckt. Jetzt tragen wir diese als Trikots auf unserer Tour.“

Blick über den „neuen Ostsee“, dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord. Im Hintergrund sind die dampfenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde zu erkennen. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Achse von Tandem brach bei erster Testfahrt

Auch die ersten Testfahrten mit ihrem Tandem absolvierten die beiden in Cottbus. „Es handelt sich um ein DDR-Fabrikat aus Schwerin“, erklärt Töppel. „Viele wurden davon nicht gebaut. 1988 wurde es auf einer Messe gezeigt. Wir haben es Anfang des Jahres auf Ebay-Kleinanzeigen erworben.“ Sie mussten den Oldie aber noch anpassen. „Beim ersten Versuch ist die Achse nach zwei Kilometern gebrochen“, sagt Andreas Filert. „Das Rad war vorbelastet. Ein alter Bruch, den man nicht sehen konnte.“ Mit neuen Reifen, neuem Gepäckträger und etlichen anderen Optimierungen war ihr Zweirad dann aber fit für den Ostsee-Trip. „Jetzt fährt es gut“, sagt Töppel. „Wir wollen ja keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Aber bergab schaffen wir schon Tempo 30.“ Wichtiger ist es ihnen auch, auf ihrer Tour mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen – umso auch über die Hospizarbeit aufklären zu können.

Roland Töppel (64, links) und Andreas Filert (65) erfüllen mit ihrem DDR-Tandem aus Schweriner Produktion. Quelle: Kay Steinke

Radler trafen Rudertrainer in Werder an der Havel

Nach einem Halt in Werder/Havel, wo sie ihren alten Rudertrainer getroffen haben, hielten sie vor Stralsund auch noch in Röbel, dem Ort ihres gemeinsamen Scheiterns. „Wir waren dort wieder auf unserem Zeltplatz. Es ist 47 Jahre her und es gibt ihn immer noch. Das ist eine schöne Sache.“ Noch bis zum 14. Juli sind Töppel und Filert in MV unterwegs. Ihre Stationen sind unter anderem Kap Arkona und Sassnitz am 11. Juli, Greifswald am 12. Juli, danach folgen dann noch Altentreptow und Templin. Im Anschluss geht es über Berlin zurück an den Cottbusser Ostsee.

So können Sie die Spendenaktion der Tandem-Tour unterstützen

Die beiden Radler sammeln auf ihrem Weg Spenden für den Ambulanten Hospizdienst der Malteser. Jeder kleine oder große Betrag hilft und ist direkt für den guten Zweck, so können darüber Nachmittage im Lebenscafé Cottbus für trauernde Angehörige ermöglicht werden, Fortbildungen für Helfer oder bei eine Gesamtsumme von 10.000 Euro ein neuer Dienstwagen, damit betroffene Menschen zuhause besucht werden können.

Spendenkonto:

Empfänger: Malteser Hilfsdienst e.V. |IBAN: DE94 3706 0120 1201 2270 18 |BIC: GENODED1PA7 |Kennwort: Tandem-Fahrrad-Tour 2019

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Kay Steinke

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