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Stralsund Von den Bierstuben bis zum Lazarett
Vorpommern Stralsund Von den Bierstuben bis zum Lazarett
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04:04 23.08.2013
Häuser der so genannten Luftwaffensiedlung heute. Gebaut wurden sie in den 30er-Jahren. Fotos (2): Jens-Peter Woldt
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Stralsund

Nach der Aufhebung des Festungscharakters der Stadt Stralsund im Jahre 1873 begann man in der Großen Parower Straße mit der Errichtung von großen Wohnhäusern. Genau gegenüber der Einmündung zur Sarnowstraße entstand in dieser Zeit das markante Gebäude mit der Hausnummer 12. Erbaut wurde es 1879 von Maurermeister Hoßfeldt.

Nur vier Jahre später verkauften Hoßfeldts Erben das Haus an den Viktualienhändler Heinrich Pinnow. Er richtete einen kleinen Laden ein, in dem die Vorstädter alles kaufen konnten, was sie zum täglichen Leben brauchten. Nebenbei betrieb er eine Gastwirtschaft.

1905 erwarb Robert Gülzow das Haus samt Gaststätte. Über Jahrzehnte hinweg befand sich nun in der Großen Parower Straße 12 das Lokal „Gülzows Bierstuben“, in das hauptsächlich Ackerbürger und Handwerker, die in der Knieper Vorstadt wohnten und arbeiteten, einkehrten. Nachdem Robert Gülzow gestorben war, führte zunächst die Witwe, dann Gastwirt Max Steinfurth die Gaststätte weiter. Zu DDR-Zeiten, Eigentümerin des Hauses war inzwischen Anna Ohl, geborene Gülzow, gehörte die Gaststätte der Handelsorganisation (HO) und hieß „Zur Quelle“.

Ein Stück weiter steht gegenüber der Einmündung der Friedrich-Naumann-Straße ein großer Backsteinbau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Am 1. November 1845 hatte die Provinzialregierung beschlossen, in Stralsund ein „Rettungshaus für sittlich verwahrloste Kinder“ zu errichten. Viele hochrangige Persönlichkeiten der Stadt und des Umlandes spendeten Geld für das Unternehmen, unter anderem Graf von Krassow, von dem die Initiative zur Einrichtung des Rettungshauses ausgegangen war. Zudem wurde eine „Lotterie zum Besten des Rettungshauses“ organisiert. Sie erbrachte den für damalige Verhältnisse großen Betrag von 300 Talern. Zur Eröffnung des Heims kamen am 27. Oktober 1847 ohne öffentliche Aufforderung viele Bürger in den Saal des Hauses, wo Pastor Wilken als Kurator eine Rede hielt.

Im August 1933 übernahm die Pommersche Frauenhilfe die Gebäude des Erziehungsheimes. Das Schwesternheimathaus war fortan Mittelpunkt aller Schwesternarbeit, eine Erziehungs- und Fortbildungsstätte der weiblichen Diakonie und eine Heimat zum Ausruhen für Müde, Kranke und Schwache. Angeschlossen war ein Müttererholungsheim. Die letzten Jungen des Rettungshauses wurden übrigens zusammen mit ihrem Erzieher in einer ähnlichen Einrichtung in Belgard (heute Bialogard, Woiwodschaft Westpommern, Polen) untergebracht.

Schräg gegenüber stand bis 1935 eine große Fabrik für Lacke und Farben. Kommerzienrat Carl Becker hatte im Jahre 1869 den väterlichen Betrieb in der Großen Parower Straße übernommen, den er zu einem großen, über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten Unternehmen entwickelte. An das Fabrikgebäude grenzte ein Park, dessen Nutzung ausschließlich der Familie Becker vorbehalten blieb und deshalb „Beckers Park“ genannt wurde. Noch heute steht im Parkgelände unweit des Strelasunds das Teehaus des Kommerzienrats Becker, das der Fabrikant 1912 errichten ließ. Im Jahre 1935 zog die Lackfabrik an die Rostocker Chaussee in das Gebäude der ehemaligen Union-Brauerei (zu DDR-Zeiten Esko).

Das Grundstück an der Großen Parower Straße hatte die Geschäftsführung zuvor an die Marine verkauft, die nach Abriss der Fabrikanlagen auf dem Gelände ein großes Lazarett errichtete. Das kolossale Gebäude gehörte zu jenen umfangreichen Aufrüstungsmaßnahmen, die mit der Verkündung der Wehrpflicht im Jahre 1935 begannen und Deutschland in wenigen Jahren auf einen Krieg vorbereiten sollten. Den Entwurf für das Lazarett stammt aus der Feder des Berliner Regierungsbaumeisters Stieler. Der Grundstein für das leicht gekrümmte Hauptgebäude mit seinen drei nach Norden rechteckig vorspringenden Flügeln wurde am 15. Dezember 1936 gelegt. Die Bauarbeiten dauerten nur knapp zwei Jahre, wobei in dieser Zeit sogar noch das Torhaus, das Chefarzthaus und die Marinewaschanstalt auf der anderen Straßenseite errichtet wurden.

Der Bauherr legte großen Wert darauf, dass viel Licht und Sonne in die Krankenzimmer gelangen konnte. Deshalb erhielt das Lazarett große Fenster, durch die die Patienten samt Krankenbett auf die Balkone geschoben werden konnten. Zum hohen Standard des Lazaretts gehörten eine Fußbodenbeleuchtung, eine Schwesternrufanlage und eine Rundfunkanlage mit Kopfhöreranschluss für jedes Bett.

Das Reliefbild neben dem Eingang schuf der Berliner Bildhauer Wamper. Es zeigt Herakles, die Hydra zerschmetternd, eine vielköpfige Schlange, die mit ihrem Gift das Land verpestete. Gerhard Schliephake, ebenfalls ein Künstler aus Berlin, schuf die flügelschlagende Möwe an der Stirnseite des mittleren Flügels. Feierlich eröffnet wurde das Lazarett am 15. Oktober 1938. Wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs übergab der russische Stadtkommandant die militärische Einrichtung der zivilen Nutzung.

Die schmalen, zweistöckigen Häuser, die in der Großen Parower Straße hinter dem Klinikum am Sund in geschlossener Reihe bis hin zur Schwedenschanze stehen, sind Mitte der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts durch die Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft Stettin für Offiziere, Unteroffiziere und Zivilangestellte des neuen Standortes der Luftwaffe in Parow errichtet worden.

Deshalb wurde dieser Abschnitt der Großen Parower Straße einschließlich der Lilienthal-Straße und des Caspar-David-Friedrich-Weges (früher Richthofen-Straße) Luftwaffensiedlung genannt.    

Ackerbürgerhäuser säumten einst die Straße
Die Große Parower Straße gibt es schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie hieß zunächst Am Parower Wege und war wohl damals mehr eine unbefestigte Landstraße, die bis nach Parow führte.


Eingeschossige Ackerbürgerhäuser säumten den Weg damals vor allem, von denen heute noch einige vorhanden sind. Der Name Große Parower Straße wurde erst im Jahre 1869 offiziell.


Der Bau des Marinelazaretts an der Großen Parower Straße war für die Stadt Stralsund ein Segen, brachte er doch vielen ansässigen Firmen volle Auftragsbücher.

Den Zuschlag für sämtliche Maurer- und Eisenbetonarbeiten erhielt die Firma von Maurermeister Wittich. Wilhelm Schoschies führte mit seinen Arbeitern alle Schlosserarbeiten aus und die Firma E. Mackenthun Sohn war für den Innenausbau des riesigen Gebäudekomplexes verantwortlich.


Der gesamte Frischbedarf für das Personal und die Patienten des Lazaretts sollte vom Stralsunder Markt gedeckt werden. Insgesamt standen damals 325 Betten in Ein- bis Sechsbettzimmern für die Aufnahme von Marineangehörigen zur Verfügung. Aber auch für die anderen Truppenteile des Standortes Stralsund war das Lazarett bestimmt.

Andreas Neumerkel

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