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Stralsund Vorpommern-Rügen: Telenotarzt leistet schnelle Hilfe
Vorpommern Stralsund Vorpommern-Rügen: Telenotarzt leistet schnelle Hilfe
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17:31 05.07.2019
Dr. Timm Laslo (l.), Leiter des Eigenbetriebs Rettungsdienst in Vorpommern-Greifswald, und der Ärztliche Leiter Dr. Lutz Fischer sind überzeugt von dem Projekt, das nun auch in Vorpommern-Rügen etabliert wird.
Dr. Timm Laslo (l.), Leiter des Eigenbetriebs Rettungsdienst in Vorpommern-Greifswald, und der Ärztliche Leiter Dr. Lutz Fischer sind überzeugt von dem Projekt, das nun auch in Vorpommern-Rügen etabliert wird. Quelle: Karsten Lehmann
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Stralsund

Das Geld ist da, nun kann es losgehen: Der Landkreis Vorpommern-Rügen hat vom Wirtschaftsministerium 600 000 Euro erhalten, um ein Telenotarztsystem zu etablieren. Der Kreis selbst nimmt dafür weitere 60 000 Euro in die Hand. Der Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald ist für das System nicht nur Vorreiter, sondern auch Beteiligter: Denn der Telenotarzt, den man zwischen Dranske, Ribnitz-Damgarten und der Gemeinde Sundhagen zu Rate ziehen will, sitzt in Greifswald und betreut dann beide Kreise gleichzeitig. Die OZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist ein Telenotarzt und wie kann er helfen?

Ein Telenotarzt ist ein Notarzt, der im Falle eines Falles von der Rettungsleitstelle alarmiert wird und vom Büro aus der Besatzung eines Rettungswagens bei der Erstversorgung des Patienten hilft. Er kann per Telefon oder per Video Anweisungen und Informationen geben und die Zeit überbrücken, bis ein anderer Notarzt am Einsatzort anwesend ist.

Warum ist das System notwendig?

„Die gesetzliche Vorgabe ist, dass 90 Prozent der Rettungsdienstfahrten zum Einsatzort auf dem Land und 95 Prozent in der Stadt weniger als zehn Minuten betragen sollen“, sagt Markus Zimmermann, Fachdienstleiter Ordnung, beim Landkreis. Allerdings sei dies nicht immer der Fall. Die Struktur der Rettungswachen werde deshalb überarbeitet. Zuletzt geschah dies im Jahr 2000. Mit der Etablierung des Telenotarztsystems werde wertvolle Zeit gespart, da es im Ernstfall auf Minuten ankommen kann. „Es erhöht die Versorgungssicherheit auf dem Land“, ist Zimmermann, der beim Projekt den Hut auf hat, überzeugt

Wie sieht das im konkreten Einzelfall aus?

Ein Mann stürzt beim Kirschenpflücken von der Leiter und verletzt sich, seine Frau ruft die 112. Der Disponent in der Rettungsleitstelle erfragt, was wo passiert ist und ob der Verletzte ansprechbar ist. Zudem notiert er Kontaktdaten. Dann zeigt ihm sein System, welcher Rettungswagen in der Nähe ist. Diesen schickt er los. Der Notarzt allerdings ist gerade bei einem anderen Einsatz, also alarmiert der den zweitnächsten. Doch der hat nicht sieben Kilometer zu fahren, sondern 27. Der Disponent schaltet den Telenotarzt ein, der sich mit der Besatzung des Rettungswagens in Verbindung setzt. „Möglich ist auch, dass er direkt mit der Frau spricht, um ihr schon Hilfestellung zu geben“, erklärt Zimmermann.

Bis der mobile Notarzt vor Ort eintrifft, kann der Telenotarzt Anweisungen per Telefon oder Video geben. Er kann sich Fotos vom Medikamentenplan des Verletzten schicken lassen und weiß dann Bescheid, ob dieses oder jenes Mittel aufgrund von Wechselwirkungen nicht verabreicht werden sollte. Wird der Patient gleich zum nächsten Krankenhaus gefahren, kann der Telenotarzt weiter mit dem Rettungsdienst kommunizieren. Im Rettungswagen ist eine Kamera, zudem bekommt der Telenotarzt die Daten des EKGs übermittelt.

Markus Zimmermann ist Leiter Ordnung des Landkreis Vorpommern-Rügen. Er sorgt dafür, dass hier die Versorgungssicherheit durch das Telenotarztsystem verbessert wird. Quelle: Kai Lachmann

Was ist mit den Funklöchern?

Geplant ist, dass Rettungswagen mit Kommunikationseinheiten ausgestattet werden, die mit drei SIM-Karten der größten Telefonanbieter in Deutschland bestückt sind. Somit soll sicher gestellt werden, dass zumindest telefoniert werden kann, wenn zum Beispiel die Datenübertragung per Internet (Foto und Video) nicht möglich ist.

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden?

Die Rettungswagen werden nachgerüstet. Neue Wagen werden gleich mit neuer Technik ausgeliefert. Zudem muss das Personal im Landkreis Vorpommern-Rügen geschult werden.

Wer trägt die laufenden Kosten?

Die ersten zwei Jahre sind dank der Fördermittel und der Eigenleistungen durchfinanziert. Danach sollen die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Dazu laufen derzeit Gespräche.

Wo wird das System zuerst etabliert?

„Die Rettungswachen in Zingst, Prerow, Dierhagen, Hiddensee sowie Sassnitz und Altenkirchen auf Rügen sollen zuerst umgestellt werden. Danach folgen Stralsund, Bergen auf Rügen, Grimmen, Ribnitz-Damgarten und Grammendorf“, berichtet Zimmermann. „Innerhalb von zwei Jahren wollen wir elf Wachen am Start haben.“ Die anderen sollen folgen.

Wie oft wird der Telenotarzt überhaupt alarmiert? 

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald geschah dies zwischen Herbst 2017 und März 2019 knapp 1900-mal.

Kai Lachmann

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