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Stralsund Überraschender Führungswechsel bei der Kreis-SPD
Vorpommern Stralsund Überraschender Führungswechsel bei der Kreis-SPD
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17:00 27.04.2019
Alter Kreisparteichef und neue Vorsitzende: Thomas Würdisch und Beatrix Hegenkötter nach dem Ende des Parteitages im Stralsunder Hotel Rügenblick. Quelle: Benjamin Fischer
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Stralsund

Überraschender Wechsel an der Spitze des SPD-Kreisverbandes Vorpommern-Rügen: Nachdem der bisherige Vorsitzende Thomas Würdisch kurzfristig angekündigt hatte, nicht erneut für den Chefposten zu kandidieren, hat eine Frau das Zepter übernommen. In einer Kampfabstimmung setzte sich Beatrix Hegenkötter mit der knappsten möglichen Mehrheit gegen Michel-Friedrich Schiefler durch. Die Partei war am Sonnabend zu einem letzten Kreisparteitag vor der Kommunalwahl am 26. Mai in Stralsund zusammengekommen.

Abstimmung geht knapp aus

23 der 45 anwesenden Delegierten stimmten im ersten Wahlgang für Hegenkötter, 18 für Schiefler, vier enthielten sich. Die Gewinnerin hatte zu Beginn des Parteitages ihre Kandidatur spontan angekündigt. Schiefler hatte hingegen bereits einige Tage zuvor intern Ambitionen auf den Vorsitz deutlich gemacht. Seine Initiative soll nicht bei allen Genossen auf Gegenliebe gestoßen sein.

Der 23-Jährige aus der Gemeinde Lindholz im Südwesten des Landkreises studiert nach einem abgebrochenen Jura-Studium inzwischen Pflegewissenschaft an einer Fernuniversität, hat aber bislang keine abgeschlossene Berufsausbildung, was seit einem ähnlichen Fall bei Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann für Teile der Landes-SPD ein rotes Tuch im besten Sinne zu sein scheint. Derzeit ist Schiefler parallel zu seinem Fernstudium als Mitarbeiter in verschiedenen Vor-Ort-Büros der Landtagsfraktion in Demmin und Grimmen beschäftigt.

Gegenkandidat kritisiert eigene Partei

Schiefler kritisierte in seiner Bewerbungsrede vor dem Wahlgang eine zuweilen schlechte Kommunikation innerhalb des Kreisverbandes und schlug vor, eine Whatsapp-Gruppe zu gründen, um den Austausch miteinander zu beschleunigen. Zudem merkte er spitzt an: „Unser Kreisverband ist der einzige, der bei den vergangenen zwei Landesparteitagen nicht einen einzigen Antrag vorgelegt hat.“ Diesen Zustand hätte er gern ändern wollen. Nun muss Schiefler sich zunächst mit dem Amt als Vize des Kreisverbandes zufriedengeben.

Beatrix Hegenkötter kündigte an, für einen grundsätzlich offeneren Umgang in der Partei einzutreten, „auch wenn das nicht immer angenehm ist“. Es gehe darum, ohne Wettstreit und ohne Alleingänge die Grundwerte der SPD zu vertreten. Ziel für die SPD Vorpommern-Rügen müsse es sein, ein gutes Ergebnis bei der 2021 anstehenden Bundes- und Landtagswahl zu erreichen. Die 44-Jährige Grafikdesignerin war 13 Jahre lang mit einer eigenen Agentur in Stralsund selbstständig und ist heute als Mitarbeiterin für die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen tätig. Hegenkötter sagt, sie habe der Partei mit ihrer Kandidatur auch eine echte Auswahl ermöglichen wollen, die es nicht gegeben hätte, wenn lediglich ein Name auf dem Stimmzettel steht.

Der SPD geht eine wichtige Generation verloren

Beatrix Hegenkötter steht für eine in der Sozialdemokratie inzwischen recht selten gewordene, aber wichtige Generation. Denn auch angesichts der personellen Zusammensetzung der Delegierten fällt auf, dass die SPD insbesondere bei der Zielgruppe, die sie mit ihrer Politik vor allem erreichen möchte, ein ernstes demografisches Problem hat. Viele Sozialdemokraten sind entweder Mitte 50 plus – sie haben die Partei im Osten oft nach der Wende noch mit aufgebaut – oder erst Anfang 20. Menschen zwischen 35 und Ende 40, genau diejenigen, die von den sozialdemokratischen Dauerthemen wie einer kostenlosen Kita und Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders profitieren würden, scheinen den Sozis abhanden gekommen zu sein.

Am Nachmittag verabschiedete der Kreisverband ein neues kommunales Wahlprogramm. Zu den Kernpunkten zählt, dass bei allen öffentlichen Ausschreibungen im Kreisgebiet auf die Einhaltung des Tariftreuegesetzes bestanden und nur solchen Anbietern der Zuschlag erteilt werde, die mindestens tariflich vereinbarte Löhne zahlen würden. Zudem wollen die Sozialdemokraten ein Programm ins Leben rufen, mit dem die Attraktivität des ländlichen Raumes gesteigert werden soll. „Hierbei werden wir auf einen nachhaltigen Nutzen für die Region achten, insbesondere im touristischen Bereich und im Landschaftsschutz“, heißt es in dem Programm.

Landrat Kerth: Nicht nur über die großen Themen reden

Im Bereich Bildung fordert der SPD-Kreisverband eine langfristig angelegte Schulentwicklungsplanung und vergleichbare Bedingungen für alle Schüler im Landkreis. „Ein kreisweites Bildungsmanagement für alle Generationen soll lebenslanges Lernen und nachberufliche Bildung fördern“, heißt es weiter. Gemeinsam mit der Landesregierung sollen bessere Arbeitsbedingungen bei der Vertragsgestaltung und Entlohnung der Beschäftigten in der Schulsozialarbeit erreicht werden.

Landrat Stefan Kerth ermahnte seine Parteifreunde, im anstehenden Wahlkampf nicht nur auf die großen, oft etwas abstrakten Themen zu setzen. Kerth: „Wir haben viele wichtige Dinge, die die Menschen bewegen, nicht mehr auf dem Zettel.“ Und ja, das seien oft Dinge „aus der Ecke Sicherheit und Ordnung“, aber darum müsse die SPD sich auch kümmern. „Wir haben es verlernt, Kümmerer zu sein“, hielt Michael Schmidt von der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst seinen Parteifreunden während der Diskussion über das neue kommunales Wahlprogramm entgegen. Widerspruch gab es keinen.

Benjamin Fischer

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