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Stralsund Vorpommerns AfD-Basis schießt gegen Landes-Chef Leif-Erik Holm
Vorpommern Stralsund Vorpommerns AfD-Basis schießt gegen Landes-Chef Leif-Erik Holm
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08:45 07.05.2019
Freund, Feind, Parteifreund: Der AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm musste sich von Mitgliedern aus seinem Wahlkreis einiges anhören. Sein Berliner Büro lehnte ein Statement zu den Vorwürfen ab. Quelle: Jens Büttner
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Stralsund

Die AfD hoffte mit der Kommunalwahl in drei Wochen auf den politischen Durchbruch im Kreis Vorpommern-Rügen. Doch in den vergangenen Monaten befasst sich der Kreisverband vor allem mit internen Querelen: Demonstrative Austritte, mehrfache Umbesetzungen und öffentliche Streitigkeiten im Vorstand um Kontakte zum Rocker-Club „Bandidos, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird – damit machte die Partei in der Region auf sich aufmerksam.

Fast untergegangen dagegen ist ein Schreiben des Kreisverbandes, dass schon vor einigen Wochen an den Bundestagsabgeordneten und Landessprecher der Partei Leif-Erik Holm ging und ihn heftig kritisierte. „Einstimmig“ habe man im Kreisvorstand beschlossen die Unterstützung für ihn einzustellen, heißt es darin.

Viel Tamtam, wenig Präsenz

Holm hatte – obwohl er nicht in der Region lebt – 2017 im prestigeträchtigen Wahlkreis zwischen Stralsund und Greifswald um das Direktmandat kandidiert – gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit gut 19 Prozent der Erststimmen war er am Ende zwar chancenlos, sicherte sich aber jede Menge Aufmerksamkeit. Inzwischen ist Holm stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Doch was mancher in der AfD befürchtet hatte, trat ein. Im Wahlkreis selbst zeigte er sich kaum noch, nachdem die Karriere in Berlin Fahrt aufgenommen hatte. „Bei einer Wahlperiode von vier Jahren ist es traurig, dass du nach deinem Einzug in den Bundestag fast ein Jahr gebraucht hast, um ein Wahlkreisbüro zu eröffnen...“, heißt es in dem Schreiben. Holms Einsatz im Wahlkreis sei „überhaupt nicht zufriedenstellend. Uns reicht es nicht mehr, dass Du nur einmal im Monat für 1-2 Stunden hier bist.“

Doch das Schreiben wirft auch ein Licht auf die internen Querelen im Kreisverband. Seit Mitte 2018 hätten mehrere Partei- und Vorstandsmitglieder versucht, durch „Lügen und Manipulation“ den Kreisverband zu spalten. Holm habe zu lange an den betroffenen Personen festgehalten, ihnen Rückendeckung gegeben. „Mehrere Mitglieder des Vorstandes haben mehrfach das Gespräch mit Dir gesucht und Dich gebeten, uns dabei zu unterstützen, die wenigen Saboteure in unserem Verband zu isolieren (...) Statt mit uns zu kommunizieren und uns zu unterstützen, hast Du bis zuletzt an der Zersetzer-Gruppe festgehalten und diese gestützt.“ Zudem sei der Kreisverband auf Kosten für Holms Kampagne zur Bundestagswahl sitzen geblieben.

Keiner will’s gewesen sein

Im Berliner Büro von Holm, will man zu dem Schreiben keine Stellung nehmen. Letztlich sei das eine Angelegenheit des Kreisverbandes heißt es, verweist aber auf Wahlkampfauftritte von Holm und anderen AfD-Funktionären im Vorfeld der Kommunalwahl. Die Botschaft soll wohl lauten: Differenzen mit dem Kreisvorstand gab es eigentlich nie, das Schreiben sei von einzelnen Parteimitgliedern ausgegangen und werde seitdem immer wieder gestreut. Tatsächlich ziert das Schreiben die Zeile „Offener Brief“. Spuren einer tatsächlichen Veröffentlichung lassen sich aber im Netz nicht finden – auch wenn der Kreisverband im Netzwerk Facebook sehr aktiv ist.

Zumindest einer, der damaligen Sprecher des Kreisverbandes lehnt die Verantwortung für den Brief ab. „Ich habe damals dagegen gestimmt“, sagt Michael Meister. Weder Form noch Inhalt hätte er unterstützen wollen. Der Ribnitz-Damgartener will Ende Mai in die dortige Stadtvertretung und in den Kreistag einziehen. Als das Anfang des Jahres entschieden wurde, war Meister gerade erst zum Sprecher des Kreisverbandes gewählt. Ende März war er das Amt schon wieder los. Nicht ganz freiwillig. Er habe erneut für den Vorstand kandidiert, nach dem ersten Wahlgang sei aber klar gewesen, „wohin die Reise geht“, sagt er. Rund zwei Wochen zuvor hatte er seinen damaligen Co-Sprecher René Kruschewski öffentlich kritisiert und der Lüge bezichtigt. Kruschewski blieb, Meister wurde gegangen. Vom Ergebnis der Vorstandswahlen zeigt er sich nicht nur deshalb enttäuscht. Auch in anderen Wahlgängen hätte er sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Ob Meister nun auch die Partei verlassen wird? Klare Antwort: „Nein.“

Und was sagt der neue Kreisvorstand zum Konflikt mit Holm? Gilt der Beschluss gegen den AfD-Spitzenmann noch? Holms Sprecher verweist auf die offiziellen Kontaktdaten des Kreis-Büros der AfD in Bergen. Persönliche Telefonnummern könne man nicht herausgeben. In Bergen geht mehrfach ein Anrufbeantworter ans Telefon, der erbetene Rückruf bleibt aus. Über eine Firmennummer im Internet erreicht die OZ aber Sprecherin Julia Koschinski-Köhler. Die bittet, die Fragen schriftlich zu schicken. Eine Antwort gibt es aber auch von ihr nicht.

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Carsten Schönebeck

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