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Stralsund Krass! Das ist die "böse Äbtissin" vom Pestumzug
Vorpommern Stralsund Krass! Das ist die "böse Äbtissin" vom Pestumzug
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23:05 27.07.2019
Die „böse Äbtissin“ auf dem Pestumzug. Quelle: Claas Abraham
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Stralsund

Angst. Hass. Tod. Die Pest war am Freitagabend wieder in der Hansestadt. Gegen 22 Uhr startete das grausige Spektakel der Stralsunder Wallensteintage auf dem Alten Markt. Im Fackelschein führte eine leichenblasse Äbtissin den Zug von rund 50 siechenden Menschen an und machte das gottlose Verhalten der Stralsunder Bürger für diese Pest verantwortlich.

Selbst ein um Hilfe bettelnder Vater mit einem sterbenskranken Kind auf dem Arm wird von der Äbtissin kalt abgewiesen. Diese schauspielerische Leistung von Eva Medusa Gühne (58) beeindruckt die Erwachsenen – und verängstigt viele Kinder. Doch die Berliner Schauspielerin kann noch mehr. Sie kann richtig schockieren – und sogar lachen. Ein Kurzinterview.

Kaum wieder zu erkennen: Eva Medusa Gühne (58). Am Sonnabend mimte die "böse Äbtissin" auf dem Alten Markt eine Gauklerin, die aus den Chroniken der Hansestadt vorliest. "Damit wollen wir Fakten unter das Volk bringen", sagt Gühne. "Die meisten hier kennen Wallenstein. Aber mehr auch nicht." Quelle: Claas Abraham

Kay Steinke: Seit wann leben Sie mit dieser Figur?

Eva Medusa Gühne: Ich habe schon Anfang der 90ger die böse Nonne gespielt. Da hatte ich noch keine Ahnung. Die Figur hat sich über die Jahre entwickelt, weil ich ein Fan von Girolamo Savonarola (italienischer Bußprediger aus dem 15. Jahrhundert), der die Medici angeprangert hat, war.

Was ist wahres an ihrem krassen Text?

Sehr vieles. Wenn man meinen selbstgeschrieben Text liest, dann kann man den so unterschreiben. Aber wie meine Figur das sagt, was sie da sagt, ist einfach fürchterlich. Zum Beispiel wenn es um die Zerstörung von Gottes Werk geht. Fanatiker spinnen einfach. Diese Ambivalenz bekommen die Leute oft nicht mit. Manche finde die Nonne einfach böse. Aber es steckt mehr dahinter.

Der Pestumzug ist für Kinder ganz schön hart, oder?

Da geht noch mehr. Wir haben selbst schon härtere Shows gespielt. In Magdeburg zum Beispiel. Da wurde einem bei der Inquisition ein Auge ausgestochen oder eine Zunge ausgerissen. Wir haben das auf die Bühne gebracht. Der Mann hatte in Wahrheit eine Rinderzunge im Mund. Das war eigentlich der Höhepunkt für meine Äbtissin. Das haben wir aber nicht mehr gemacht. Es sind wirklich Leute in Ohnmacht gefallen.

Das größte Volksfest Vorpommers ist wunderschön. Daher hier alle Bilder zum Durchklicken!

Sind die schaurigen Bilder wichtig?

Ich denke ja. Der Pestumzug hat viel Kraft. Die Leute nehmen die Bilder ernst. Sonst haben wir heute fast nur noch ein Fantasy-Mittelalter. Bunte Kostüme, ein bisschen Pengpeng. Aber diese Grausamkeit, bei einer Hexenverbrennung und auch die Grausamkeit der damaligen Kirche, wird heute oft ausgelassen.

Stehen sie nur auf der Bühne?

Nein. Früher habe ich viel Fernsehen gemacht. Und gerade fange ich wieder an für das Kino zu drehen. Da wird es dann auch Folge.Engagements geben.

Mehr dazu:

Zum Live-Blog geht es hier.

Kay Steinke

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