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Stralsund Theater Vorpommern bereitet Mega-Projekt vor
Vorpommern Stralsund Theater Vorpommern bereitet Mega-Projekt vor
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06:00 23.10.2018
Stellten das Projekt War Requiem vor: Generalmusikdirektor Florian Csizmadia, Musikdramaturgin Katja Pfeifer, Intendant Dirk Löschner und der Direktor der Opera na Zamku Stettin, Jacek Jekiel (v.r.). Quelle: Reinhard Amler
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Stralsund/Greifswald

Das Theater Vorpommern wartet an diesem Sonnabend in Greifswald nach den 1. Deutsch-Polnischen Theatertagen und den „Tanztendenzen“ mit einem weiteren internationalen Paukenschlag auf. Denn im Dom St. Nikolai wird Benjamin Brittens „War Requiem“ als Koproduktion zwischen dem Theater Vorpommern, der Opera na Zamku in Stettin und dem Staatlichen Musiktheater Klaipeda aufgeführt. Möglich ist dieser Auftritt, weil das Philharmonische Orchester Vorpommern in den Genuss einer sogenannten Exzellenzförderung der Kulturstaatsministerin der Bundesregierung , Monika Grütters (CDU), gekommen ist. Es handelt sich dabei um 350 000 Euro.

Intendant Dirk Löschner spricht von einem Mammutprojekt, an dem immerhin 250 Mitwirkende beteiligt sein werden. Mit dem Philharmonischen Orchester Vorpommern und dem Orchester der Opera na Zamku Stettin werden dabei zwei Klangkörper fusionieren. Fünf Chöre singen. Darüber hinaus treten mit der polnischen Sopranistin Aga Mikolaj, dem britischen Tenor Benjamin Hulett und dem deutschen Bariton Benjamin Appl sowie Stephan Genz (in Klaipeda) vier Solisten auf, die schon auf vielen bekannten Bühnen dieser Welt Erfolge gefeiert haben. Mit Appl komme sogar der letzte Schüler von Dietrich Fischer-Dieskau, der noch bei der Uraufführung des „War Requiems“ im Mai 1962 dabei war, freut sich Florian Csizmadia, der Generalmusikdirektor des Theaters Vorpommern, ganz besonders.

Shuttledienst für Stralsunder

Neben Greifswald wird das „War Requiem“ auch in Stettin, Klaipeda und zum Abschluss am 15. November im Berliner Dom aufgeführt. Das Greifswalder Konzert ist mit seinen 500 Plätzen bereits seit Tagen ausverkauft. Für alle anderen Konzerte sind noch Restkarten auch über das Theater Vorpommern erhältlich.

Für Greifswald und zu Ungunsten Stralsunds habe man sich entschieden, weil der Dom einfach die besseren Aufführungsmöglichkeiten biete, erklärte Csizmadia. Denn das „War Requiem“ verlange verschiedene Aufführungsebenen. So könne man im Dom ein 15-köpfiges Kammerorchester etwa zehn Meter entfernt vom Hauptorchester platzieren. Ein engelsgleicher Knabenchor werde von der Orgelempore aus schwebend agieren, versucht Musikdramaturgien Katja Pfeifer die Anordnung bildlich passend zu beschreiben. Um den Stralsunder Musikfreunden dennoch den Besuch unkompliziert zu ermöglichen, sei ein Shuttledienst nach Greifswald eingerichtet, so Csizmadia.

Obwohl das „War Requiem“ ein Werk ist, das nach dem Zweiten Weltkrieg aus Anlass der sinnlosen Zerstörung der Kathedrale von Coventry durch die deutsche Luftwaffe im Jahre 1940 entstanden ist, sind die jetzigen grenzüberschreitenden Aufführungen des 100. Jahrestages der Beendigung des Ersten Weltkrieges gewidmet. Denn im „War Requiem“ verarbeitete der Pazifist Benjamin Britten die Kriegsgedichte des Soldaten Wilfried Owen. Dieser starb mit nur 25 Jahren 1918 in einem französischen Schützengraben. Der Komponist schlägt somit eine Brücke von persönlich erlebtem Leid hin zur Erkenntnis der Sinnlosigkeit von Kriegen.

Jacek Jekiel, der Direktor der Opera na Zamku, betrachtet die Aufführung in Stettin auch als willkommenen Anlass des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Polens zu gedenken, denn der fällt auf den 11. November 2018. Er sei dem Theater Vorpommern deshalb über das Angebot sehr dankbar, sagte er. Für die Litauer wiederum ist die nationale Wiedergeburt ihres Landes ebenfalls mit dem Ende des Ersten Weltkrieges verbunden.

Aufführung als Mahnung vor Kriegen

Alle Beteiligten betrachten die grenzüberschreitende Aufführung des „War Requiems“ deshalb als Mahnung vor Kriegen und als einen Aufruf eines noch besseren Zusammenwirkens in einer für Europa im Moment schwierigen Situation, wie es Intendant Dirk Löschner umreißt. „Es ist kein angenehmes Werk. Es hat auch keinen Eventcharakter“, betont Generalmusikdirektor Csizmadia. Das „War Requiem“ ende mit vielen offenen kompositorischen Fragezeichen und könne manchen Zuhörer deshalb .auch ganz erschüttert zurücklassen, warnt er. Auf jeden Fall bedürfen die vier Aufführungen einer großen logistischen Vorbereitung, so der Intendant. Sie ist seit Monaten im Gange. Mit sieben Bussen werde man unterwegs sein, blickt Löschner voraus. Für die Tour nach Litauen bedürfe es sogar einer Zwischenübernachtung für alle Akteure, die schon seit langem gebucht sei, ergänzt er.

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