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Stralsund Was 2021 nicht in der Stralsunder Zeitung stand: Der Traum vom weißen Kittel
Vorpommern Stralsund

Was 2021 nicht in der Stralsunder Zeitung stand: Traum vom weißen Kittel

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15:55 30.12.2021
OZ-Reporterin Ines Sommer kennt man natürlich in Zivil. Aber vor ein paar Wochen war die volle OP-Montur angesagt: Am 10. November 2021 war sie dabei, als das Stralsunder Klinikum seinen ersten OP-Roboter einweihte.
OZ-Reporterin Ines Sommer kennt man natürlich in Zivil. Aber vor ein paar Wochen war die volle OP-Montur angesagt: Am 10. November 2021 war sie dabei, als das Stralsunder Klinikum seinen ersten OP-Roboter einweihte. Quelle: Privat (l.), Stefan Sauer
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Stralsund

Eigentlich wetze ich schon mein ganzes Leben als Journalistin durch die Gegend. Vor unglaublichen 40 Jahren, also 1982, hab ich meinen ersten kleinen Artikel für die Jugendredaktion der OZ in Stralsund geschrieben.

Mit Volontariat und Studium bin ich dieser Richtung auch gern treu geblieben. Ich brenne für diesen Beruf. Es gab noch nicht einen Tag, an dem es langweilig wurde. Dafür sind die Menschen, die ihre Geschichten erzählen, einfach zu spannend.

Als Knirps schon junge Sanitäterin

Dabei wollte ich doch seit meiner Kindheit Ärztin werden. Alle in der Familie haben mich schon im weißen Kittel gesehen. Der Eine als Zahnärztin (weil er so’n Schiss vorm Bohren hatte und dachte, ich gebe ihm eine fette Betäubung), andere lieber als Allgemeinärztin.

Diese Visionen, dazu AG Junge Sanitäter, Ferienarbeit im Krankenhaus, Arbeiter-Herkunft und ein 1,0-Zeugnis reichten der Führung der Hansa-EOS (heute Gymnasium) damals aber nicht. „Entweder du änderst deinen Berufswunsch oder wir können dich nicht für die Abiturstufe zulassen.“ Knallharte Ansage. Wahrscheinlich hätte ich mich zur Armee verpflichten müssen, hahaha.

Mein Vater, der selbst immer gern Sportreporter sein wollte, hat dann Journalistik ins Spiel gebracht. Ich war entsetzt – der Direktor begeistert. Und so nahm die Wendung seinen Lauf. Doch ab und zu schimmert sie durch, die alte Liebe Medizin. Zum Glück kann man sich als Reporterin da gut ausleben und muss nicht auf ein zweites Leben hoffen (Zwinkerle).

Knie-OP und Kreißsaal-Geschichten

Ob Knie-OP, neue Herz-Untersuchungsmethoden, Reportage von der Intensivstation, Begleitung der Hebammen im Kreißsaal oder gerade erst vor ein paar Wochen die Premiere für den OP-Roboter – vieles konnte ich mit Notizbuch und Kamera begleiten. Immer etwas Besonderes für mich, Herzklopfen gratis.

Aufregendes in der Gerichtsmedizin

Zu den aufregendsten Recherchen gehörte eine Obduktion in der Gerichtmedizin. Ich werde nie vergessen, wie am Tag darauf die Kollegen beim Anblick meiner Fotos würgen mussten. Klar, das roch jetzt nicht frisch da im Saal, aber mich hat fasziniert, dass nach der Autopsie so viel Fakten vorlagen, dass vier Jugendlichen ein Mord nachgewiesen werden konnte.

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Demnächst möchte ich eine Reportage aus der Notaufnahme schreiben oder mit dem Rettungshubschrauber mitfliegen. Und vielleicht schaffe ich es noch vor der Rente, im Stralsunder Kreißsaal bei der Geburt des 70 000. Stralsunders dabei zu sein. Na gut, der 60 000. geht auch. Bei 59 295 Einwohnern sind wir jetzt. Also, liebe junge Leute, ich verlass’ mich auf euch...

Von Ines Sommer