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Stralsund Könige des Flachwassers: Diese Kiter kennen die besten Surfspots in Vorpommern
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Wassersport in Vorpommern: Diese Kiter kennen die besten Surfspots in Vorpommern

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Viele Kiter auf dem Greifswalder Bodden bei Rosengarten auf der Insel Rügen. Dieser Spot ist bei Wassersportlern beliebt, touristisch aber wenig erschlossen. Quelle: Kitedrop
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Kaum einer in Mecklenburg-Vorpommern kennt die Gewässer zum Surfen so gut wie Toni Gurski (31) und Mirko Semmler (37). Die zwei Wassersportler sind seit Jahren regelmäßig zusammen mit einem Camping-Mobil an der Ostsee unterwegs und testen auf Boards und mit Lenkdrachen (engl. kite) unterschiedliche Reviere.

Ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen sie mit einer großen Community im Internet. Dafür haben sie vor rund fünf Jahren die Seite kitedrop.de gegründet. „Mehr als 70 Spots haben wir bereits in MV“, sagt Softwareentwickler Toni Gurski aus Putbus von der Insel Rügen. „Das sind aber bestimmt noch nicht alle. Unsere Community sammelt weiter.“

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Schönsten Stehreviere vor der Haustür

18 Stellen (engl. spot) sind es alleine auf der Insel Rügen, je rund zehn auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und der Insel Usedom. „Weltweit sind es bereits 700“, sagt Gurski. „Wir in Vorpommern haben den Luxus, dass wir die schönsten Stehreviere Nordeuropas direkt vor der Haustür haben. Zum Beispiel vor Ummanz oder Mönchgut. Wir können dort direkt nach der Arbeit an den Strand. Die aus dem Süden müssen zum Surfen eher Urlaub nehmen.“

Dafür würden diese dann öfter internationale und auch oft abgelegene Gebiete besuchen. „Das sieht man auch an den Einträgen unserer Community“, sagt Gurski. Denn dort gibt es nicht nur Vermerke zum Saaler Bodden, zu Altefähr oder Kamminke, sondern auch zu Stellen in Brasilien oder Neuseeland. Auch der jüngste Beitrag ist international und beschreibt Soma Bay in Ägypten.

Gemeinschaft trägt Surfstellen auf Weltkarte zusammen

Allein hätten Gurski und Mitgründer Semmler, die Kitedrop neben der Arbeit als Hobby betreiben, in der kurzen Zeit nicht so viele Spots ausfindig machen, testen und bewerten können. Denn Hauptbestandteil der Seite ist die Community. Mittlerweile zählt die Seite rund 2800 Nutzer – auch wenn davon nicht jeder als „Surfstellen-Sammler“ aktiv ist.

Kitedrop zeigt auf einer Karte die Surfstellen in Vorpommern. Quelle: Kitedrop

„Unsere Seite ist aus der Idee heraus entstanden, dass sich Wassersportler über ihr Hobby austauschen können“, sagt Gurski. „Als wir angefangen haben mit dem Kitesurfen, gab es so eine Plattform dafür nicht. Das wollten wir ändern und gleichzeitig etwas schaffen, das sich modern anfühlt.“ Die Basis ist dabei eine große Karte. Hier können die Nutzer Surfgebiete eintragen, mit Fotos bebildern und mit relevanten Informationen zur Infrastruktur versehen.

Einer der populärsten Spots in Vorpommern ist Suhrendorf auf Ummanz. Zu diesem findet man neben den Kategorien wie Wind, Spottyp (Kitesurfen und Windsurfen), Wasser (Stehtief, Kabbelwelle, Glattwasser), Strand (Wiese), Könnerstufe (Anfänger bis Experte) auch konkrete Hinweise zur Anfahrt, zu Übernachtungsmöglichkeiten und Verhaltensregeln.

Die Kitedrop-Gründer Mirko Semmler (links) und Toni Gurski. Quelle: Toni Gurski

„So gut gepflegt ist nicht jeder Spot“, sagt Mitgründer Mirko Semmler, der in der Nähe von Schwerin lebt. „Es gibt auch weniger bekannte Spots. Die einen teilen ihr Wissen gern mit uns. Andere hingegen sind skeptisch, finden es nicht gut, dass wir die Spots sichtbar machen. Dabei sieht man die Drachen der Kiter von weitem, und das Wasser ist für alle da. Uns ist der Informationsgehalt für die Allgemeinheit wichtiger. Welche Gefahren lauern im Wasser? Muss ich Brutzeiten beachten wie in der Wismarer Bucht?“, erklärt er.

Wassersport hat noch mehr touristisches Potenzial

Potenzial sehen Semmler und Gurski hier auch für den Tourismus. „Wir sind in den Ländern entlang der Ostsee mit dem Auto unterwegs. Nicht nur in Schweden und Dänemark, sondern auch in MV wird das Publikum immer internationaler.

In Vorpommern haben wir immer mehr Kiter aus den baltischen Staaten zu Gast“, sagt Gurski. „Vorpommern ist für viele Kiter das Nonplusultra. Wer auf Rügen surft, kommt gern wieder.“ Doch an vielen Spots im Land könnte die Infrastruktur noch ausgebaut werden.

Seite braucht stetig neue Inhalte

Geld können die Kite-Spotter mit ihrer Idee noch nicht verdienen. Trotzdem wächst die Seite stetig. So lag das jährliche Nutzerwachstum laut Semmler zuletzt bei rund 40 Prozent. Die Etablierung eines Event-Kalenders für Kitesurfer hätte zuletzt für deutlich mehr Traffic auf der Seite gesorgt. „Wir sind jetzt ein paar Jahre dabei. Eine Idee ist es, die Spots perspektivisch zu vermarkten“, sagt Semmler. Aber neben dem Job sei es kompliziert, die Seite voranzubringen.

Die Kitedrop-Gründer erkunden Nord- und Ostseeraum mit ihren Autos. Auf Rømø in Dänemark darf man mit den Fahrzeugen sogar am Strand parken. Quelle: Kitedrop

Auch die Etablierung eines eigenen Magazins auf der Seite stellte sich als kompliziert heraus. „Content ist auch bei uns King“, sagt Semmler. „Uns fehlt jemand im Team, der sich permanent um neue Inhalte kümmert.“ Diese Saison könnte es besser werden. Denn die beiden Gründer bekommen ehrenamtliche Verstärkung. So gehören nun auch Alexandra Porstner (Online-Marketing) aus Ludwigslust und der Putbusser Philipp Krüger (Content Creation) dazu. Ob damit das Marketingpotenzial der Seite auch wirklich gehoben werden kann, ist jedoch unklar.

Vom Extrem- zum Massensport?

Fakt ist jedoch: „Es gibt immer mehr Kitesurfer. Das Kiten hat sich vom Extremsport entfernt und ist zum Massensport geworden“, sagt Entwickler Toni Gurski. Ein wichtiger Grund dafür sei die verbesserte Ausrüstung. „Es ist einfacher geworden. Dadurch ist auch die Verletzungsgefahr geringer.“

Mirko Semmler in mit Gurt in seinem Kite-Anzug. Quelle: Kitedrop

Trotzdem bleiben Blessuren nicht aus. Auch Semmlers Kreuzband war bereits gerissen. „Rund neun Monate konnte ich keinen Sport machen“, sagt der 37-Jährige. „Das war eine schwierige Zeit. Aber ich habe keine Einschränkungen mehr und kann wieder kiten.“ Semmler selbst hat vor rund zwölf Jahren mit dem Wassersport angefangen. „Freunde von mir waren schon dabei. Ich habe einen Kurs gemacht, mir einen gebrauchten Schirm und ein Board gekauft. Dann ging es auch schon los.“

Mit Tempo 40 über die Ostsee

Eines der beliebtesten Kite-Reviere ist Ummanz. Doch der Abstieg über den Deich zum Wasser ist nicht so leicht. Quelle: Kitedrop

Auch wenn das Material besser geworden ist, empfiehlt der 37-Jährige für den Einstieg in den Wassersport einen Kurs. „Da geht es nicht nur um den Aufbau und den Abbau, sondern auch um wichtige Verhaltens- und Vorfahrtsregeln auf dem Wasser. Nur so bleibt der Sport sicher für alle“, sagt Semmler. Denn zur Hochsaison könnten die touristischen Hotspots überlaufen sein. „Kiter sind mit bis zu 40 Kilometern in der Stunde auf dem Wasser unterwegs. Der Weltrekord liegt ungefähr bei Tempo 100. Nur auf dem Surfbrett ist man noch schneller“, sagt Semmler.

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Von Kay Steinke