Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Wer kann etwas über das Stralsunder „Trocadero“ sagen?
Vorpommern Stralsund Wer kann etwas über das Stralsunder „Trocadero“ sagen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:22 27.07.2019
Harriet Hardkte und Ehefrau Waltraud aus Berlin sind auf der Suche nach Geschichten über die Stralsunder Gaststätte „Trocadero“. Quelle: Kai Lachmann
Anzeige
Stralsund

„Die Geschichte ist ausrecherchiert. Da gibt es für uns nichts Neues mehr zu erfahren.“ Als anständige Lokalredaktion können wir diese Sätze von Harriet Hardtke über die Stralsunder Gaststätte „Trocadero“ natürlich nicht so stehenlassen. „Na, wie wäre es, wenn wir unsere Leser aufrufen, dass sie uns ihre Erinnerungen mitteilen und wir leiten das an Sie weiter?“ „Na, wenn Sie das machen würden? Wir sind gespannt, was da wohl kommen mag.“

Dieser Dialog spielte sich in dieser Woche in der Stralsunder OZ-Redaktion ab. Das Interesse der Berlinerin stützt sich auf die eigene Familiengeschichte: „Mein Großvater hatte die Gaststätte in den 1920er Jahren gepachtet“, berichtet Hardtke. 1924 erhielt sie den Namen „Trocadero“. Vorher war sie als „Volksgarten“ bekannt und gehörte einer Brauerei, die auf dem Hof einen der in der damaligen Zeit in Stralsund häufig zu findenden Biergarten hatte. 1945 habe ihr Vater das Etablissement übernommen. 1950 aber sei er Hals über Kopf geflohen. „Wir wissen nicht, warum. Aber schon nach zwei Wochen hatten die Russen das ,Trocadero’ neu vergeben“, erzählt sie.

Ihr Vater verließ Stralsund nicht nur plötzlich, sondern auch alleine – die Frau und die drei Kinder blieben erstmal zurück. „Mein erstes Lebensjahr verbrachte ich in Stralsund, dann zogen wir zu meinem Vater nach Berlin. Er schrieb uns, er hätte eine Wohnung gefunden und Arbeit, aber es stellte sich alles als falsch heraus.“ Der Vater habe dem Alkohol sehr zugesprochen, war ein Kleinkrimineller und schlug sich so durch. Aus dem engen Haus in Stralsund ging es nach Berlin zu zwei Tanten in eine Drei-Zimmer-Wohnung. „Im Wohnzimmer war eine Schiebetür, aber die durften wir Kinder nicht öffnen, dahinter war nämlich das Haus weggebombt.“

Nun will Harriet Hardtke die Geschichte ihrer Vorfahren besser ergründen und das „Trocadero“ ist ein bedeutender Bestandteil davon. Eine erste Recherche machte Harriet auf das „Stralsund Album“ aufmerksam, in dem Fotos aus den vergangenen 50 Jahren Stadtgeschichte gesammelt und mit Kommentaren von OZ-Lesern versehen sind. Darin sind auch drei Fotos zum „Trocadero“. Das machte Harriet und ihre Frau neugierig. Sie reisten nach Stralsund und besuchten das Stadtarchiv, stöberten in alten Zeitungsausschnitten und Berichten.

„Alles musste ans Kulturamt gemeldet werden, wer wann aufgetreten war, wie viele Gäste da waren, wer sich wie benommen hat, wer nicht mehr kommen sollte, weil er zum Beispiel gestohlen hatte“, brachte Harriet Hardtke in Erfahrung. In dem Laden war Varieté wie im Berlin der 20er angesagt, manches Mal ging es auch frivol zu. Matrosen trafen sich im ,Trocadero’, tranken viel verhielten sich schon mal entsprechend. Auch Sängerin und Schauspielerin Zarah Leander trat dort einmal auf.

Zu DDR-Zeiten veränderte das „Tro“ sein Gesicht etwas: Kabarett, Konditorei, Tanzlokal. Vielen Stralsundern ist es sicherlich noch als Nachtgaststätte in Erinnerung. Wenn alle anderen Läden geschlossen hatten, der Durst aber noch nicht gestillt war, konnte man dort einkehren – nicht ohne Schlips, wohlgemerkt. Wer keinen hatte, bekam einen an der Tür.

Wer kann etwas über das „Trocadero“ sagen?

Es sind Details wie diese, die Harriet Hardtke gerne in Erfahrung bringen möchte. Wie lief das Leben in dem Laden ab, nachdem ihr Vater von den Russen verdrängt wurde? Wer mag seine Geschichten teilen, die sie oder er in der Gaststätte erlebt hat? Wer hat Fotos? Und wie ging es weiter mit dem „Trocadero“ in den darauffolgenden Jahrzehnten, ehe der Laden geschlossen wurde?

Wer also Harriet Hardtke Erinnerungen mitteilen möchte, kann sich gerne an die Stralsunder Lokalredaktion der OSTSEE-ZEITUNG wenden. Wir stellen dann einen Kontakt her. Zudem möchten wir die Geschichten gerne veröffentlichen. Sie erreichen uns per Telefon: 03831 / 206 759 oder per E-Mail: stralsund@ostsee-zeitung.de.

Kai Lachmann

Die Organisten Iris und Carsten Lenz gastieren zum zweiten Mal an der Buchholz-Orgel in der Thomaskirche von Tribsees (Vorpommern-Rügen). Die Musiker sind Organisten an der bedeutenden Skinner-Orgel in Ingelheim am Rhein.

27.07.2019

Leser können die Kanzlerin am 13. August fragen, was sie schon immer von ihr wissen wollten.

27.07.2019

Mit dem Festumzug durch die Stralsunder Altstadt werden die Wallensteintage offiziell eröffnet. Dieses Jahr war Lokalchef Kay Steinke für die OSTSEE-ZEITUNG mittendrin – und beschreibt das Erlebnis.

27.07.2019