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Stralsund Gäste aus aller Welt: Wie gut ist Stralsund vorbereitet?
Vorpommern Stralsund Gäste aus aller Welt: Wie gut ist Stralsund vorbereitet?
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19:20 30.07.2019
Wibke Rudolph (29) empfängt Stralsund-Besucher in der Tourismuszentrale am Alten Markt. Die Broschüre zum Stadtrundgang gibt es auf vier Sprachen: Englisch, Schwedisch, Französisch und Polnisch. Quelle: Kai Lachmann
Stralsund

Welterbe, Ozeaneum, Einkaufsbummel, maritimes Flair und gern auch regionale Spezialitäten zum Mittag: Die Hansestadt ist ein Touristenmagnet. 527 000 Übernachtungen von Stralsund-Besuchern hat das Statistische Landesamt 2018 gezählt. Zehn Prozent kommen aus dem Ausland. Wie gut ist die Stadt auf internationale Gäste vorbereitet?

Einen Pluspunkt gibt es für die Tourismuszentrale. Alle Mitarbeiter sprechen Englisch. „Das ist ein Muss“, sagt Leiter André Kretzschmar. Mit der Sprache würde man gut Schweden und Dänen, die die größte Gruppe stellen, bedienen können. Bei Polen sei das schon etwas schwieriger, allerdings hat Kretschmar festgestellt: „Polen reisen anders. Sie planen ihren Urlaub individueller und kommen seltener zu uns.“ Trotzdem ist einer der wichtigsten Broschüren – der Stadtrundgang – auch auf Polnisch erhältlich, ebenso wie auf Schwedisch, Englisch und Französisch. „Das sind die wichtigsten Sprachen“, sagt Mitarbeiterin Wibke Rudolph. Auch mit Gästen, die exotischere Sprachen sprechen, wissen sie umzugehen: „Notfalls geht es mit Händen und Füßen.“

Einen weiteren Pluspunkt gibt es für die Welterbeausstellung nebenan. Alle Infos sind dort gleichberechtigt neben Deutsch auch auf Englisch verfügbar. Wer in die Geschichte Stralsunds eintauchen möchte, muss allerdings eine der beiden Sprachen sprechen.

Pluspunkt fürs touristische Highlight: Die Internetseite des Ozeaneums ist auch auf Englisch und Polnisch verfügbar. Dort ist zu erfahren, dass für einen Rundgang Audio Guides ebenfalls in diesen beiden Sprachen angeboten werden.

Pluspunkt für den Hafenkapitän: Viele Urlauber erreichen Stralsund per Segelschiff. Laut Pressestelle im Rathaus ist gewährleistet, dass die Kommunikation auf Englisch stattfinden kann. Schilder seien allerdings nicht in andere Sprachen übersetzt.

Pluspunkt für die Stralsunder: Auch wenn das schwer zu bewerten ist – die Touris, mit denen wir gesprochen haben, fühlten sich hier wohl und ihnen wurde geholfen, soweit es ging. Manch ein Stralsunder habe sogar das in der Schule gelernte Russisch aus einem hinteren Teil des Gedächtnisses hervorgekramt.

Die OZ hat sich unter Stralsund-Besuchern aus anderen Ländern umgehört. Wie kommen sie hier zurecht?

Einen Minuspunkt gibt es für die Situation in Restaurants. „Viele haben keine Karte auf Englisch, das könnte man verbessern“, findet Natalia Merkel, die aus Russland stammt und gerade mit Verwandten aus Israel in Binz auf Rügen ein paar Tage Urlaub macht. „Wir sind zwar in einem Fünf-Sterne-Hotel, aber auch dort ist fast alles nur auf Deutsch.“ Das Problem erkannt hat das bei Stralsund-Besuchern beliebte Restaurant „Der Hühnergott“ im Rathaus. „Wir erstellen gerade eine Karte auf Englisch, weil viele Kunden danach fragen“, sagt Jana Ewert, die dort arbeitet. Auch eine spanische Karte sei in Arbeit. Gästen, die Englisch sprechen, könne aber geholfen werden. „Unser Personal spricht Englisch. Wir können zumindest Empfehlungen aussprechen.“

Einen weiteren Minuspunkt gibt es für die Situation am Bahnhof. Dort sind Urlauber aus dem Ausland ein wenig aufgeschmissen. Schilder sind fast ausschließlich auf Deutsch zu finden. Auch die Durchsagen kommen nur einsprachig aus den Lautsprechern. Obwohl auch Züge aus Polen einfahren – die UBB startet in Swinemünde – kommt man den polnischen Reisenden nicht entgegen und gibt ihnen Orientierung in ihrer Muttersprache. Man behilft sich mit international verständlichen Symbolen. Geht es um speziellere Angelegenheiten – Welcher Bus fährt zum Ozeaneum? – sind Touris aus dem Ausland auf die Sprachkenntnisse von Bahnmitarbeitern oder anderen hilfsbereiten Fahrgästen angewiesen.

Fazit: Viel Licht, aber auch etwas Schatten. Stralsund ist für Touristen aus den wichtigsten Herkunftsländern Schweden, Dänemark, Polen und den Niederlanden recht gut aufgestellt. Wesentlich schwieriger haben es Personen aus Ländern, die eine andere Schrift haben, etwa kyrillisch, arabisch oder chinesisch, und die unsere lateinische Schrift nicht immer lesen können. Allerdings gab es 2018 laut Statistik nur wenige Stralsund-Besucher aus Ländern wie Indien (34), Korea (28) oder den arabischen Golfstaaten (55).

Woher kommen die internationalen Touristen?

Die Top 10der Hauptherkunftsländer ausländischer Touristen 2018: Spitzenreiter ist Schweden mit 6993 Besuchern. Es folgen die Schweiz (3446), Dänemark (2916), Österreich (2732), die Niederlande (2103), Polen (1084), das Vereinigte Königreich (527), Italien (524), Frankreich (510) und Norwegen (493). Diese Zahlen hat das Statistische Landesamt von Beherbergungsbetrieben erhoben. Nicht berücksichtigt sind dabei zum Beispiel Tagestouristen, die auf Rügen übernachten und einen Ausflug in die Hansestadt machen.

Im Durchschnitt übernachten Touristen 2,3 Nächte in Stralsund.

Von 24 600 internationalen Touristen 2018 kamen 23 600 aus Europa.

Die Zahl ausländischer Touristen hat im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent zugelegt.

Der Gesamtzahl schwedischer Touristen ist rückläufig. André Kretzschmar von der Tourismuszentrale sagt, dass der Hauptgrund das Ausdünnen der Fährverbindung zwischen Sassnitz und Trelleborg ist.

In MV liegt der Anteil ausländischer Urlauber bei drei Prozent, in Stralsund bei zehn.

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