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Stralsund Wie wär’s mit einem Museumshafen hinterm Stralsunder Ozeaneum?
Vorpommern Stralsund Wie wär’s mit einem Museumshafen hinterm Stralsunder Ozeaneum?
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08:30 21.09.2019
Der Fährkanal: Hier wäre noch Platz an der Kaikante. Quelle: Kai Lachmann
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Stralsund

Wer einmal in Greifswald an Deutschlands größtem Museumshafen entlang spaziert ist, weiß, welches Flair alte und gepflegte Schiffe verbreiten. Die Stralsunder Grünen hatten nun die Idee, dass auch Stralsund sich mit so einem Höhepunkt schmücken könnte. Auch einen passenden Ort hatten sie dafür schon im Blick: „Das maritime Potenzial Am Fährkanal wird zurzeit nicht ausgeschöpft. Mit – meist aus Holz gebauten – alten Traditionsschiffen gelingt dies, auch im Sinne der größeren Attraktivität für die Touristen, erheblich besser“, formulierten die Grünen in ihrem Antrag für die jüngste Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus.

Für die dort bereits liegenden Boote sollte geprüft werden, ob die über fünf Jahre laufenden Verträge entweder nicht verlängert oder vorzeitig gekündigt werden könnten. Die Fischverkaufsstellen sollten davon ausgenommen werden. „Stattdessen sollen neue Verträge mit Eignern von Traditionsschiffen geschlossen und hierfür im Vorwege auch Werbung gemacht werden“, heißt es in dem Antrag.

Der Museumshafen ist für Greifswald ein kleines Schmuckstück. Quelle: Klaus Bock

Derzeit Dutzende Anläufe im Jahr von Traditionsschiffen

Zwar habe Stralsund in diesem Jahr wieder 60 bis 70 Anläufe von Traditionsschiffen gehabt, die im Höchstfall zwei Wochen hier lagen. Sie kamen aus Nord- und Ostsee oder auch einfach mal aus Greifswald hochgeschippert. „Derzeit gibt es aber keine Anfragen für Dauerliegeplätze“, teilte Hafenamtsleiter Alexander Meinke mit.

Dass bisher niemand den Heimathafen vom Ryck an den Sund verlegen möchte, mag unter anderem mit der Infrastruktur in Greifswald zusammenhängen: Dort gibt es einen Museumshafenverein, der sich um die Belange der Schiffseigner kümmert, eine Werft, die auf Museumsschiffe spezialisiert ist, eine jährliche Parade („Gaffelrigg“) sowie die Möglichkeit des Winterlagers an Land.

Wenn es kälter wird, können die alten Schiffe in Greifswald aus dem Wasser gehoben werden und direkt an der Kaikante überwintern. Quelle: Peter Binder

Meinke schränkte weiter ein: Für große Zweimastsegler wäre der Kanal zu klein. „Was passen würde, wären Boote, die vielleicht Zeesbootcharakter hätten. Aber auch die würden in dem Kanal schon Manövrierschwierigkeiten bekommen.“ Ein weiteres Platzproblem ergebe sich an Land: An Traditionsschiffen seien immer wieder Arbeiten nötig, wozu beispielsweise Fahrzeuge ans Boot gefahren werden müssten. Das könne hier und da zu Störungen führen.

Museumshafen wäre Konkurrenz zu Greifswald

Zudem wäre klar, so Meinke, dass Kapitäne von Traditionsschiffen „grundsätzlich gerne sehr wenig Liegegebühren“ zahlen möchten. „Und ich schätze es so ein, dass wir die Pacht in der Höhe, wie sie derzeit erzielt wird, mit Traditionsschiffen nicht erreicht werden könnte.“

Thomas Haack von den Bürgern für Stralsund sprach sich gegen einen Museumshafen aus. „Es gab mal grobe Absprachen zwischen Greifswald und Stralsund als gemeinsame Oberzentren. Und da hat man sich darauf geeinigt, dass Greifswald als Merkmal einen Museumshafen mit alten Schiffen hat. Und da jetzt eine Konkurrenzsituation auf den Markt zu bringen, finde ich nicht gut. Man sollte sich in der Region auch ergänzen. Wir haben stattdessen das Ozeaneum.“

Kein Platz, kein Interesse, keine Einnahmen und eine mögliche Konkurrenzsituation: Die Liste der Gründe gegen einen Hafen wurde immer länger. Das Argument, das die Idee vollständig begraben hat, war noch ein anderes: Derzeit sind die größten Bereiche des Fährkanals an einen einzigen Pächter verpachtet. Der Pächter hat seinen Vertrag zum Ende des Jahres 2019 gekündigt. Durch die Hansestadt Stralsund wird eine Ausschreibung der Pacht ab 2020 erfolgen. Die Grünen zogen daraufhin ihren Antrag zurück.

Große Teile des Fährkanals Stralsund hinter dem Ozeaneum werden 2020 neu verpachtet. Quelle: Kai Lachmann

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