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Stralsund Wildschwein-Alarm in Stralsund: Jäger sehen keine Gefahr
Vorpommern Stralsund

Wildschwein-Alarm in Stralsund: Jäger sehen keine Gefahr   

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19:00 29.09.2020
Ganz gemütlich wühlt sich die Bache am Grünhufer Bogen durch den Rasen-Randstreifen, um Schnecken und Engerlinge zu erhaschen. Quelle: Ines Sommer
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Stralsund

Schrecksekunden für Autofahrer in Grünhufe. Ein bräunlich-graues Tier steht mitten in der Nacht am Straßenrand, wühlt im Dreck und lässt sich von den Fahrbahngeräuschen gar nicht stören. Nach dem langsamen Vorbeifahren besteht kein Zweifel: Ein Wildschwein macht es sich hier am Grünhufer Bogen gemütlich.

Einzeltier wohl scharf auf Mais

„Ja, wir wissen, dass dort ein einzelnes Tier immer mal wieder zu sehen ist. Viele Kraftfahrer haben uns das gemeldet. Das Schwein läuft offensichtlich öfter zum Maisfeld hinter dem Hansedom und treibt sich auch in den Gärten der Sparte rum“, sagt Stadtjäger Karl-Heinz Mielke und meint weiter: „Das Tier ist nicht gefährlich, es ist mit der Gegend und den Menschen vertraut.“ Deshalb müssten die Jäger nicht eingreifen, und für den Menschen bestehe auch keine Gefahr. Obendrein darf ein Jäger auch nicht einfach schießen. „Da wohnen Menschen, stellen Sie sich mal vor, eine Kugel trifft auf Beton und wird zum Querschläger...“ Deshalb sei immer oberste Vorsicht geboten.

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„Wir kennen das Wildschwein, es lebt in dem kleinen Wäldchen in Grünhufe“, sagt uns Anwohner Hans Berger aus der Vogelsangstraße und betont, dass die Leute keine Angst haben vor dem besonderen Gast. „Wir haben uns dran gewöhnt.“

Schweine finden bei uns genug zu fressen

Ein anderer Jäger berichtet uns, dass es sich bei dem Wildschwein um eine alte Bache handelt. „Offensichtlich hört sie schwer, deshalb bleibt sie trotz vorbeifahrender Autos ganz ruhig stehen und sucht weiter nach Nahrung. Normalerweise sind Schweine schreckhaft und laufen bei Geräuschen sofort weg. So schnell können wir gar nicht gucken.“ Das Einzel-Tier habe sich in dem kleinen Wäldchen eingerichtet. „In der Gegend gibt es genug zu fressen. Ob in der Gartensparte oder eben im Grünstreifen, da holt es sich Schnecken und wühlt nach Engerlingen. Und obendrein finden sich rund um die Mülltonnen in Grünhufe auch viele Essensreste“, sagt der Mann.

Überhaupt sei das gute Nahrungsangebot schuld daran, dass die Tiere bis in unsere Wohngebiete finden. „Deshalb treiben sich im Moment auch so viele Füchse und Marderhunde in Grünhufe rum. Die klettern sogar in die Mülltonnen.“ Deshalb sollte man die Tiere keinesfalls auch noch extra füttern.

Bache lebt im Dickicht

Tagsüber ruht das Wildschwein im Dickicht, dafür ist dieser Bereich auch tief genug. So ein Wildschwein kann bis zu 13 Jahre alt werden. Wenn es alt und krank ist, schiebt es sich ein, wie es in der Jägersprache heißt, und kann dann in Ruhe sterben. Aasfresser sorgen dann dafür, dass nichts von dem Tier mehr übrig bleibt.

Dass die Bache Schweinepest haben könnte, sehen die Fachleute eher nicht, denn es lebt schon lange in Grünhufe, wäre bei Befall mit der Afrikanischen Schweinepest schon längst verendet. Aber könnte das Wildschwein vielleicht spielende Kinder oder Spaziergänger anfallen? „Da sehen wir wirklich keine Gefahr, das Tier fühlt sich da wohl, hat sich an die Menschen gewöhnt“, sagt Stadtjäger Mielke und schiebt hinterher: „Wenn jemand das Schwein sieht, sollte er einfach weitergehen und keinen großen Krach machen. Und die Autofahrer müssen eben die Augen offen halten.“

Rehe und Füchse öfter in der Stadt unterwegs

Rehe, Dachse und Füchse marschieren ja öfter mal durch die Rand-Stadtteile, wurden aber auch schon in der Altstadt gesichtet. Wildschweine hingegen verirren sich relativ selten in die Wohngegend. „Wir hatten vor Jahren mal eine Rotte auf dem Brachland hinter Grünhufe. Die Tiere wurden abgeschossen. Dann war Ruhe. Bei einem einzelnen Tier muss man jetzt nicht handeln. Wenn es doch irgendwann von einem Auto angefahren werden sollte und verletzt ist, müssten wir mit einem Gnadenschuss eingreifen. Ähnlich wie bei anderem Wild“, erklärt uns Karl-Heinz Mielke, betont aber, dass tote Tiere von der Feuerwehr entsorgt werden.

Wildschwein gesichtet – was tun?

Die borstigen Paarhufer drängen auf der Suche nach Nahrung auch immer wieder mal in die Stadt. So wurden Wildschweine besonders in den Morgenstunden unter anderem am Grünhufer Bogen oder Tribseer Wiesen gesichtet.

Hansestadt Stralsund und Jäger appellieren daher an alle Autofahrer, besonders umsichtig zu fahren und die Geschwindigkeit entlang von Feld- und Waldrändern zu drosseln. Zwischen 6 und 8 Uhr ist das Risiko für einen Zusammenstoß besonders hoch, denn Wildtiere orientieren sich nach ihrer inneren Uhr und kennen weder Zeitumstellung noch Verkehrsregeln – daher gilt: Augen auf und Fuß vom Gas.

Was tun, wenn man einem Wildschwein begegnet? Ruhe bewahren und gelassen bleiben, langsam zurückziehen, ausreichend Abstand halten, Tier nicht einengen und dem Wildschwein eine Rückzugsmöglichkeit geben. Auf keinen Fall hektisch werden und wegrennen.

Melden Sie die Sichtung trotzdem dem Ordnungsamt unter ordnungsamt@stralsund.de. Hier werden die Informationen gesammelt und an den Stadtjäger oder, sofern es sich um eine bejagbaren Fläche handelt, an den zu zuständigen Jäger weitergeleitet.

Der Stralsunder Jäger, der das Stadtgebiet seit 2003 weidmännisch betreut, erinnert sich noch an vergangene Jahre. „Wir hatten zum Beispiel mal richtig viele Wildschweine auf dem Dänholm. Die kamen von Drigge rüber geschwommen. Das war beeindruckend, da guckte nämlich nur noch die Schnauze raus aus dem Wasser. Auch in Parow musste wir mal für Ordnung sorgen. Aber in letzter Zeit war eigentlich alles ruhig.“

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Von Ines Sommer