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Stralsund Windräder in Altefähr bedrohen Welterbe-Status
Vorpommern Stralsund Windräder in Altefähr bedrohen Welterbe-Status
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05:55 21.12.2018
Die Windräder vor Stralsund könnten noch höher werden, dagegen wehrt sich die Hansestadt. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Windräder so hoch wie die Stralsunder Kirchturmspitzen? Das könnte Wirklichkeit werden, wenn sich die Windkraft-Lobby durchsetzt. Mit dem neuen Raumordnungsprogramm sollen den Windmühlenbauer weitere Flächen ausgewiesen werden, auf denen Windkraftanlagen gebaut werden können (die OZ berichtete mehrfach). In Altefähr gibt es die zwar schon, und damit kann auch die Hansestadt leben, aber: Erneuern die Windparkbetreiber die „Spargelstangen“, droht Ärger. Und zwar deshalb, weil sich die Flügel dann nicht mehr wie bisher in 70 Meter Höhe drehen. Eine so genannte Öffnungsklausel ermöglicht den Ausbau auf 250 Meter. Und damit hat Stralsund ein Problem.

„In diesem Fall sehen wir unseren Status als Weltkulturerbe-Stadt in Gefahr. Die Silhouette wird gewaltig gestört“, sagt Maximilian Schwarz. Der CDU-Abgeordnete hatte auf der letzten Bürgerschaftssitzung eine entsprechende Anfrage gestellt. Kirstin Gessert, Leiterin der Abteilung Planung und Denkmalpflege im Stralsunder Rathaus, sagte: „Es ist nachgewiesen, dass bei größerer Höhe, also über 70 Meter, erhebliche Auswirkungen auf die Silhouette Stralsunds bestehen. Der Status als Welterbe-Stadt könnte also gefährdet sein.“

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Und genau deshalb hat sich die Stadt in ihrer Stellungnahme gegen höhere Windräder ausgesprochen. „Natürlich ist uns klar, dass wir die Energiewende als große Aufgabe vor uns haben. Wir sind ja auch nicht gegen Windkraftanlagen, sondern wollen, dass die Eignungsflächen so dargestellt werden, dass die Anlagen nicht größer als 70 Meter gebaut werden dürfen, auch wenn die bisherigen Windräder durch Repowering erneuert werden“, so Schwarz und fasst zusammen: „Energiewende ja, aber mit Augenmaß. Und in unserem Fall müssen wir auf die Maximalhöhe von 70 Metern bestehen.“

Windpark bei Altefähr auf Rügen. Die Windräder könnten nach Erneuerung der Anlagen 250 Meter hoch in den Himmel ragen. Quelle: Frank Burchett

Im Rahmen der vierten und wahrscheinlich letzten Beteiligungsrunde der Öffentlichkeit zum Entwurf des neuen Raumordnungsprogramms ist auch die Hansestadt aufgefordert, ihre Stellungnahme beim Regionalen Planungsverband Vorpommern abzugeben. Das ist zwar nun geschehen, doch welches Gewicht der Einwand Welterbe-Status hat, kann bisher noch keiner sagen. Zu befürchten ist, dass bei der so genannten Abwägung die Stralsunder Argumente unter den Tisch fallen könnten. „Genau deshalb wollen wir auch die Bürger noch mal aufrufen, ihre Bedenken ebenfalls zu äußern. Bis Mitte Januar können diese abgegeben werden. Die Chance sollten wir nutzen“, findet Maximilian Schwarz.

Jürgen Suhr von den Grünen fragt sich hingegen, ob der Weltkulturerbe-Status bei größeren Windrädern wirklich aberkannt werden könnte. „Woher wissen wir das“, wollte er in der Bürgerschaftssitzung wissen. Die Frage kann zwar nicht eindeutig beantwortet werden, aber das Beispiel der Waldschlösschenbrücke in Dresden, nach deren Bau die sächsische Landeshauptstadt mit dem Elbtal den Titel verlor, haben viele vor Augen und wollen sowas von Stralsund abwenden. Mal abgesehen vom Image-Verlust könnte das Ganze auch finanzielle Folgen haben, denn für deutsche Welterbestätten gibt es millionenschwere Förderprogramme.

Stralsund seit 2002 Weltkulturerbe

UNESCO steht für „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization“ – Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. Ihr wohl bekanntestes Programm ist die Welterbe­konvention von 1972, der mittler­weile 195 Mitglied­staaten. Sie hat das Ziel, besonders wertvolle Kultur- und Natur­güter der gesamten Menschheit für die Nachwelt zu erhalten.

Stralsund und Wismar wurden wegen ihrer Altstadt gemeinsam 2002 Weltkulturerbe. Seit 2011 gibt es dazu in der Stadt am Sund eine Ausstellung in der Ossenreyerstraße 1.

Ines Sommer

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