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Stralsund Luxus-Kreuzfahrer schafft Arbeit für 650 Schiffbauer
Vorpommern Stralsund Luxus-Kreuzfahrer schafft Arbeit für 650 Schiffbauer
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11:50 29.04.2019
In der Stralsunder Schiffbauhalle der MV-Werften hat die "Crystal Endeavor" bereits Gestalt angenommen. Am Donnerstagabend (25.4.19) schwebte die Brücke des Luxuskreuzfahrers am Kranhaken über dem Schiffsrumpf, bereit zum Einbau. Quelle: Jörg Mattern
Stralsund

Paukenschlag am Donnerstagabend auf der einstigen Volkswerft. 180 Gäste des gemeinsamen Wirtschaftsforums von Hansestadt und Landkreis sahen bei einem Blick in die große Schiffbauhalle, wie die Brücke des künftigen Luxus-Kreuzfahrers „Crystal Endeavor“ in einem Stück am Kranhaken über dem Rohbau des Schiffsrumpfs schwebte. Fertig zur Montage. Am Strelasund steht wieder ein Schiff kurz vor der Endfertigung.

Lange hatte sich die MV-Werften bedeckt gehalten bei Fragen zum Fortgang der Arbeiten an ihrem Stralsunder Standort. Um so weiter holte Peter Fetten in seinem Vortrag vor den Gästen aus Wirtschaft und Politik Vorpommern-Rügens aus. Der Geschäftsführer des Werftenverbundes, zu dem auch die Schiffbaustandorte in Rostock und Wismar gehören, operierte selbstbewusst mit großen Zahlen. Seit der malaysische Konzern Genting 2016 die Werften für 230 Millionen Euro kaufte, wurden 1,5 Milliarden Euro investiert, um die von Nordic-Yards übernommen Werften fit zu machen für das Vorhaben die mit der Global Class größten und mit der Endeavor eine Klasse der luxuriösesten Kreuzfahrtschiffe der Welt in Mecklenburg-Vorpommern zubauen.

Lesen Sie hier auch: MV Werften: Schiffbau XXL an der Ostsee für Chinas Kreuzfahrt-Fans

In Wismar wurden die Werfthalle 40 für den Panelbau der riesigen Schiffe verlängert, die Kaianlage und mit einem 125 Meter hohen Werftkran entsteht ein weithin sichtbares Wahrzeichen für die Hansestadt. Warnemünde bekam eine neue 400 Meter lange und 100 Meter breite Schiffbauhalle Rund eine Lase-Plasma-Schweißanlage. Stralsund eine neue Panellinie mit Schweißtechnik.

650 Mitarbeiter und 100 Auszubildende derzeit

Seither hat sich die Zahl der Mitarbeiter der Werftengruppe auf 2963 erhöht und damit fast verdoppelt. Am Strelasund sind derzeit 650 Mitarbeiter und 100 Auszubildende für den Schiffbau in Arbeit. Und es sollen mehr werden, wie der Werft-Chef versicherte. „Nach einer kurzen Verschnaufpause stellen wir jetzt wieder ein“, so Fetten. Die Endeavor nähert sich der Endfertigung. Zudem wird der Bau von Schiffspanelen für die Global Class, die bislang in Polen und Estland gefertigt wurden, an den Sund verlagert.

Höher, länger, breiter: Diese Kreuzliner entstehen in Mecklenburg-Vorpommern. Werftstandorte sind in Rostock-Warnemünde, Wismar und Stralsund.

Peter Fetten, dem die Skepsis vieler Stralsunder in Sachen Zukunft des Schiffbaus nach dem Auf und Ab ihrer Werft in den letzten 30 Jahren bekannt ist, versicherte auch mit Blick auf das große finanzielle Engagement des Werfteigners: „Genting hat ein langfristiges Interesse daran hier Schiffbau Made in Germany“ zu betreiben. Dieses Label habe auf den asiatischen Märkten einen hohen Wert. Zugleich machte der Geschäftsführer deutlich, dass nach der „Crystal Endeavor“ noch ein weiteres eisgängiges Luxusschiff am Sund gebaut werde.

MV baut produktiver als China

„Bis zu vier sind vorstellbar“, so Fetten gegenüber der OZ. Er verwies dabei auch auf den Umstand, dass die Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen weltweit und vor allem in Asien nach wie vor groß sei und zudem die Erneuerung großer Teile der weltweiten Flotte bevorstehe. „Wir brauchen da keine Angst zu haben, denn die Investitionen in die MV-Werften führen dazu, dass wir die Kapazitäten dafür haben und letztlich produktiver als die Chinesen Schiffe bauen können.“

Auch die Wertschöpfung, die der neu angekurbelte Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern erzielt, kann sich sehen lassen. Alleine das Einkaufsvolumen für die Global Class bewegt sich bei 660 Millionen Euro. Für die Endeavor liegt es bei 160 Millionen Euro. 47 Prozent davon werden in Deutschland umgesetzt, 34 Prozent in MV. In Hamburg sind es vergleichsweise 15 Prozent. Die MV Werften haben 200 Zulieferer vertraglich gebunden. Die meisten davon kommen aus MV, aber auch finnische Zulieferer stehen auf der Einkaufsliste.

Im Werk der MV Werften entstehen Fertigmodule im Fließbandverfahren, insgesamt über 3.000 Kabinen für das im Bau befindlichen Global Class Kreuzfahrtschiff, des künftig größten Kreuzfahrtschiffes der Welt.

Entsprechend beeindruckt zeigten sich die Gastgeber des Wirtschaftsforums. Landrat Stefan Kerth: „Mir verschlägt es die Sprache, angesichts dieser Dimensionen. Ich nehme von hier mit, dass genting hier für lange Jahre aufgestellt ist.“ Er hatte eingangs schon mit Blick auf den vollen Saal festgestellt: „Das große Interesse an dieser Veranstaltung zeigt, wie wichtig dieses Thema hier in der Region ist.“ Auch Oberbürgermeister Alexander Badrow machte deutlich: „Die maritime Wirtschaft gehört zu Stralsund. Das Wiederaufleben der Werft zieht weitere Unternehmensansiedlungen nach sich“, sagte der OB und verwies dabei auf die Hamburger Firma Rohrleitungsbau Richter.

850 Konstrukteure arbeiten für die Global Class

2963 Mitarbeiter haben die MV-Werften im Land aktuell eingestellt. Bis Ende 2019 sollen es 3150 Mitarbeiter sein. Auch in Stralsund soll die aktuelle Zahl der Schiffbauer von derzeit 650 noch weiter aufgestockt werden.

Die MV-Werften planen die Einrichtung einer Akademie für den Schiffbau. Laut Werft-Chef Peter Fetten soll damit in die weitere Ausbildung uns Spezialisierung der Mitarbeiter investiert werden.

300 Lehrlinge bilden die MV-Werften an ihren drei Standorten in Stralsund, Warnemünde und Wismar aus. Fetten: „Alle, die es wollen werden wir einstellen. Wir bilden vorrangig für uns selbst aus.“

850 Konstrukteure arbeiten an der Realisierung des weltgrößten Kreuzfahrtschiffes, der Global Class. Für die Endeavor-Luxusklasse sind es 250 Konstrukteure. Die MV-Werften verfügen derzeit über 500 eigene Konstrukteure. Der Rest der benötigten planerischen Leistung wird europaweit eingekauft.

Jörg Mattern

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