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Stralsund Wohnblock in Drechow fällt im Herbst
Vorpommern Stralsund Wohnblock in Drechow fällt im Herbst
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08:00 27.01.2019
Diesen Wohnblock in Drechow will die Wohnungsbaugesellschaft Richtenberg bis zum Herbst dieses Jahres abreißen lassen. Für die leer stehenden Wohnungen fanden sich keine Mieter. Quelle: Jörg Mattern
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Drechow

In der zweiten Jahreshälfte 2019 wird der Wohnblock an der Hauptstraße in Drechow abgerissen. Der Eigentümer, die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Richtenberg, hat alle Weichen dafür gestellt. „Die Planungen dafür laufen schon länger. Notwendige Bewertungen wie etwa ein Schadstoffgutachten sind inzwischen erstellt“, sagt Petra Kischnick, WBG-Geschäftsführerin. Aus ihrer Sicht geht das Wohnungsunternehmen damit eines seiner drängendsten Probleme an – den Leerstand in den klassischen Dreigeschossern, die zu DDR-Zeiten in kleinen Gemeinden auf dem Lande gebaut wurden. Dieser liegt im Durchschnitt der Wohnungsbaugesellschaft bei etwa 18 Prozent. Das heißt, dass nahezu 200 der 1700 WBG-Wohnungen leer stehen.

Vor allem kleineren Ortschaften wie in Drechow, Wolfshagen oder Behrenwalde mangelt es an Nachfrage. Interesse an Mietwohnungen gibt es eher in Gemeinden mit einer intakten Infrastruktur, wie etwa in Richtenberg, Franzburg und Tribsees, die neben Einkaufsmöglichkeiten auch Kinderbetreuung und Schulen gewissermaßen vor der Haustür anbieten. Der Leerstand verursacht Kosten und bringt keine Einnahmen. Die Wohnungsbaugesellschaft Richtenberg wird also nicht umhinkommen, den nicht nachgefragten „Wohnraum vom Markt zu nehmen“, wie die Geschäftsführerin betont.

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Drechow macht nun den Anfang. Erstmals habe sie den Abriss des Wohnblocks mit seinen 22 Wohnungen 2017 in einer Beratung der Drechower Gemeindevertreter thematisiert, sagt Petra Kischnick. Zuletzt befasste sich das Gremium während seiner Januar-Sitzung mit dem Vorhaben. Da fasste die Gemeindevertretung einen Beschluss, Fördermittel für den Abriss beim Land zu beantragen, um die WBG Richtenberg damit finanziell zu entlasten. Zur Begründung sagte Bürgermeister Heiko Schütze: „Die Belegungszahlen im Wohnblock sind in den letzten Jahren stetig nach unten gegangen. Wir als Gemeinde sollten dieser Feststellung Rechnung tragen.“ Für den Förderantrag muss Drechow mit der Wohnungsbaugesellschaft eine Vereinbarung abschließen, da diese als Wirtschaftsunternehmen die Fördermittel nicht selbst beantragen kann. Die Gemeinde muss dafür die Einwohnerentwicklung nachweisen und zudem über einen Zeitraum von zehn Jahren nachweisen, dass an der Abriss-Stelle kein vergleichbarer Ersatzneubau erfolgt. Laut Schütze sei aber hier eine ortsübliche Wohnbebauung, etwa mit Einfamilienhäusern, möglich.

Zu dem Vorhaben muss sich Drechow dem Fördermittelgeber gegenüber in einer entsprechenden Stellungnahme erklären. Mit diesem Verfahren wird das sonst übliche Erstellen eines städtebaulichen Konzepts umgangen, was der Gemeinde Kosten erspart. Laut Aussage des Bürgermeisters ist das in diesem Fall möglich, da es sich hierbei um einen Abriss von weniger als 100 Wohneinheiten handele. Sollte der Förderantrag genehmigt werden, kann der etwa 100 000 Euro teure Abriss mit ca. 50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche unterstützt werden.

Für die zwei, drei verbliebenen Mietparteien im Drechower Wohnblock ist es inzwischen ruhig geworden. Den letzten Mietern wurden die Wohnungen langfristig zum 31. März gekündigt. „Wir haben Hilfesuchende bei der Suche nach einer neuen Wohnung begleitet“, sagt die WBG-Geschäftsführerin. Die ausgezogenen Mieter wohnen jetzt in Tribsees oder Grimmen. Für die WBG Richtenberg ist der Abriss in Drechow gewissermaßen der Testfall. Den nächsten Abriss hat der Vermieter bereits für 2020 im Blick: Dann soll in Wolfshagen der nächste Wohnblock abgetragen werden.

Jörg Mattern

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