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Stralsund Zoo Stralsund: So bunt war die lange Zoonacht
Vorpommern Stralsund Zoo Stralsund: So bunt war die lange Zoonacht
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16:41 11.08.2019
Anja Deichfischer mit den Aras Hanni, Paul und Inka. Quelle: Kay Steinke
Stralsund

Was vor rund sechs Jahren mit nur 50 Besuchern klein begann, ist im 60. Jahr des Stralsunder Zoos schon ziemlich groß. Normalerweise schließt dieser um 19 Uhr. Nicht aber am vergangenen Freitag. Denn für die „Lange Zoonacht“ bleiben die Tore für Gäste ein Mal im Jahr bis 21.30 geöffnet. Das Besondere: Einige der Tiere wie Stachelschwein und Waschbär werden erst zur späten Stunde aktiv. Um sie zu beobachten kamen mehrere Hundert Besucher nach 18 Uhr in das tierische Naherholungsgebiet am Grünhufer Bogen. „Die Zoonacht ist gut angenommen worden“, sagt Zoodirektor Christoph Langner, der Chef von 26 Vollzeitmitarbeitern ist, 15 davon sind Tierpfleger. „Ursprünglich wollten wir eine Geschichte außerhalb der Öffnungszeiten machen. Damit unsere Tierpfleger mit den Gästen ins Gespräch kommen. Ganz am Anfang gab es auch noch kein Programm.“

Abendliche Flugshow, Löwenfütterung und Lagerfeuer: Das war los am Freitag im Stralsunder Zoo.

Das hat sich geändert. Neben einem Lagerfeuer mit musikalischer Begleitung gibt es jetzt gleich mehrere Höhepunkte. Neben einer abendlichen Flugshow zählt dazu die Löwenfütterung. Dafür wird eine riesige Pferdekeule an einem Baum zwischen die Raubkatzen gehängt. Der männliche Löwe greift mit seinen Pranken gleich das Fleisch – und verteidigt es dann gegen die Löwinnen. „Sonst werden sie nicht öffentlich gefüttert“, sagt Langner. „Hängt die Keule am Baum, simulieren die Löwen gleich Jagdverhalten.“ Die drei Löwen könnten die Keule an einem Abend auffressen. „Wenn sie großen Hunger haben“, sagt der Zoo-Direktor. „Sie kommen auch mit wenig aus.“ Deswegen gibt es für die Stralsunder Löwen auch sogenannte „Hungertage.“ Auf ihrer Jagd lassen sich die Raubkatzen nicht stören –auch nicht von den vielen Besuchern am Gitter. „Sie sind Zuschauer gewöhnt“, sagt Langner. „Und sich ihrer Kraft und Stärke bewusst.“

So bunt ist die Flugshow

Greifvögel, Eulen und bunte Aras gibt es nach der Fütterung bei der Flugshow zu sehen. Diese wird von Futtermeister Kay Deichfischer moderiert. Gleich am Anfang bindet er ein Mädchen aus dem Publikum ein. Mariella darf Öhrchen, eine junge Waldeule, auf den Arm nehmen. „Öhrchen ist neu im Programm“, erklärt Deichfischer. „So viele Leute wie heute hat sie noch nie gesehen.“ Der einheimische Vogel fliegt trotzdem eine Runde übers Publikum zu Zoo-Azubi Philip Bagdahn. „Aus den neuen Volieren können wir die Vögel direkt starten lassen“, sagt Deichfischer. So können sie auch schnell wieder zurück – wie Öhrchen. Am Ende der Show starten aus den Volieren knapp 80 Vögel gleichzeitig. Hühner und Tauben stürmen auf das Publikum zu. Denn dort gibt es Futter. „Viele Kinder kommen hier zum ersten Mal in Kontakt mit Tieren“, sagt Zoodirektor Langner. „Wir versuchen viel Wissen zu vermitteln.“

Anja Deichfischer zieht Aras per Hand auf

Aras sitzen nach der Flugshow auf einem Baum. Quelle: Kay Steinke

Die Flugshow gibt es seit 2009. Für das Konzept verantwortlich ist Anja Deichfischer. Die Revierleiterin für Raubtiere und Affen hat ihre Aras, die bunten Papageienvögel, nicht nur trainiert, sondern selbst per Hand aufgezogen. „Sie brauchen ein Vierteljahr, bis sie frei fliegen können“, sagt sie. „Paul ist der Älteste.“ Der gelbblaue Papagei sei von Anfang an dabei gewesen. „Ich mag das Feeling der Zoonacht“, sagt Anja Deichfischer. „Es ist sehr privat, man läuft nicht so hektisch aneinander vorbei und wir können die Besucher mit unseren Tieren bekannt machen.“

Mann nahm Waldrappe mit auf Arbeit

Nicht jeder Vogel findet seinen Weg zurück. „Unsere Schneeeule fliegt immer in die Kleingartensparte gegenüber“, sagt Zoodirektor Langner. „Sie sitzt dann vor der Gaststätte zur Möwe. Dort holen wir sie ab.“ Bei einigen Vögeln dauert die Fahndung länger. „Vor zwei Wochen war ein Waldrappe weg“, sagt Langner. „Morgens bekamen wir einen Anruf. Jemand hatte ihn gefunden, geistesgegenwärtig eingepackt und mit zur Arbeit genommen. Nach Greifswald. Dort konnten wir ihn abholen.“ Für solche Hilfe sei der Zoo dankbar. „Uns wurde auch schon ein Waldrappe aus Marlow gebracht. Der kam aber nicht von uns, sonder aus Italien. Über die Beringung konnten wir ihn seinem ursprünglichen Vogelpark zurückgeben.“

Schlangen, Schrecken und Schaben zum Anfassen

Johannes Risch (15) ist seit fünf Jahren in der Zoo AG dabei. Aus gutem Grund: Er will Tierpfleger werden. Berührungsängste hat er jedenfalls keine. Auch nicht mit Riesenstabschrecken und Fauchschaben. Quelle: Kay Steinke

Am Lagerfeuer kommen Zoomitarbeiter und Gäste bei Stockbrot ins Gespräch, vor der Elefantenrutsche gibt es noch mehr Tiere zum Anfassen. Axel und Lisa, zwei Kleinkinder aus Thüringen, finden die Kornnatter besonders spannend. Im Gegensatz zu vielen Erwachsenen trauen sich die Kinder mit der kleinen Würgeschlange, die in Nordamerika heimisch ist, auf Tuchfühlung zu gehen. „Sie ist gar nicht glitschig, sondern eher rau“, sagt Paul. Wer große Insekten mag, kann sich eine Riesenstabschrecke oder eine Fauchschabe von Johannes Risch auf die Hand setzen lassen. Der 15-Jährige engagiert sich seit fünf Jahren in der Zoo-AG für Kinder. „Mein Traumberuf ist Tierpfleger“, sagt Risch. „Ich helfe nach der Schule im Zoo. Wir kümmern uns um die Meerschweinchen, Kaninchen und machen die Wege sauber.“ Die Zoonacht will aber auch er genießen. Das kann der 15-Jährige am besten wenn er hilft – und anderen Kindern Insekten auf die Hände setzt.

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Von Kay Steinke

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