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Stralsund Zuckerrüben vergammeln am Feldrand
Vorpommern Stralsund Zuckerrüben vergammeln am Feldrand
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11:39 24.01.2015
Zuckerrüben der 2014er-Ernte gammeln bei Krummenhagen vor sich hin.
Zuckerrüben der 2014er-Ernte gammeln bei Krummenhagen vor sich hin. Quelle: Ines Engelbrecht
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Hohendorf

Den Bauern in Vorpommern blutet das Herz, denn sie müssen zugucken, wie ihre Zuckerrüben am Feldrand vor sich hin gammeln. Nach einer Rekordernte Ende 2014 – einige sprechen sogar von Jahrhundert-Ergebnissen – werden die Landwirte nicht alles los, was sie vom Feld geholt haben. Die Zuckerfabrik in Anklam kommt mit der Verarbeitung nicht hinterher.

„Die Rüben, die vertraglich mit Anklam vereinbart waren, wir sagen Quotenrüben, sind weg und wurden verarbeitet. Aber wie das bei einer super Ernte so ist, wir haben mehr, also Unmengen von sogenannten Überrüben“, sagt Bernd Kopmann. Der Landwirt aus Hohendorf, der auf rund 65 Hektar diese Feldfrucht anbaut, hatte Erträge von 700 bis 800 Dezitonnen pro Hektar. „Diese Rüben werden wir im Moment nicht los, das heißt, sie müssen gelagert werden. Das wäre bei konstantem Wetter nicht das Problem, aber wir hatten Frost, dann wurde es wieder mild, das macht die Frucht anfällig. Die Qualität leidet."

Und das riecht schon so mancher, denn die Rübenmieten am Feldrand fangen an zu stinken. „Manch ein Landwirt kann vielleicht noch etwas an Biogasanlagen liefern, aber ich gehe davon aus, dass wir wohl einiges unterpflügen müssen“, so Kopmann, der sich deshalb wie viele seiner Kollegen nun gar nicht mehr über die gute Ernte freuen kann. „Denn wir produzieren ja nicht, um es dann wegzuschmeißen, das will kein Bauer. Und das kriegt man ja den Leuten auch nicht vermittelt“, kennt der Hohendorfer das Paradoxe an der jetzigen Situation und will vom wirtschaftlichen Schaden gar nicht erst reden.

Und die Landwirte haben keine Wahl, denn in Anklam steht die einzige Zuckerfabrik des Landes. Und die hat schon reagiert. Die Rübenkampagne,die gewöhnlich am 5.Januar endet, wurde bis Anfang Februar verlängert.

Das Problem mit den lange eingelagerten Rüben: Sie bilden zuviel Glukose, dadurch entsteht Schleim mit Mikroorganismen, die dann den Zucker spalten und aus Glukose schließlich das zähflüssige Dextran wird. Und dieser Schleim führt in der Zuckerfabrik zu Störungen im Betriebsablauf. „Die vertraglich vereinbarten Mengen aller Landwirtschaftsbetriebe haben wir bereits verarbeitet. Mit der Verlängerung kümmern wir uns nun um die zusätzlichen Erträge. Wir wollen unsere Landwirte nicht im Stich lassen“, sagt Abteilungsleiter Raik Wrobel in Anklam.



Ines Sommer