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Stralsund Im Ferienlager Messer geschmiedet
Vorpommern Stralsund Im Ferienlager Messer geschmiedet
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00:00 19.07.2013
Marko Wehner aus Buschenhagen (Mitte) zeigt den jungen Leuten, wie man das Feuer anfacht und damit Messer schmiedet.
Niepars

„Ich bin bereits das zweite Mal dabei“, sagt Henning Sägert. „Es macht mir viel Spaß“, fügt der 13-jährige Nieparser sofort hinzu.

Einen Steinwurf von seinem Zuhause entfernt, erholen sich derzeit 15 Mädchen und Jungen aus den umliegenden Gemeinden. Und das nicht beim Baden oder täglichen Computerspielen, sondern bei einer ganz anderen Beschäftigung.

Die jungen Leute sind für eine Woche in ein Mittelalterlager gezogen. Hier bekommen sie nicht nur erklärt, wie die Menschen vor mehreren hundert Jahren gearbeitet haben, sie leben auch so. Natürlich mit einigen Abstrichen, die unserer modernen Zeit geschuldet sind.

Als erstes musste sich aber jeder Teilnehmer ein Messer schmieden, denn gegessen wird gemeinsam. „Auch gekocht“, erklärt Henning Sägert. „Mir gefällt das Leben in solch einer Gemeinschaft“, sagt der Schüler, der das Barther Gymnasium besucht.

„Mit dem Mittelalter-Lager wollen wir jenen Jugendlichen etwas bieten, die dem Kinderdorf Steinhagen entwachsen sind“, erklärt Amtsjugendpfleger Benedikt Banaskiewicz. Ab zwölf Jahren kann man mitmachen. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, denn mit Jasmin Clare und Schirin Drechen, beide auch aus Niepars, sind sogar zwei elfjährige Mädchen dabei. „Wir haben die Flyer in der Schule entdeckt und uns dann gemeldet“, erzählen sie. Angst vor den größeren Jungs haben sie keine. Im Gegenteil: die helfen den Mädchen eher schon mal, wenn es mit Amboss und Hammer oder am Schmiedefeuer Probleme gibt.

Marko Wehner hat die Utensilien mit ins Lager gebracht. Er ist freischaffender Künstler und wohnt in Buschenhagen, also auch gleich um die Ecke.

Was das Mittelalter angeht, ist er Profi durch und durch, denn das ganze Jahr ist er auf Märkten im Land unterwegs. Banaskiewicz ist froh, ihn als kompetenten Partner an der Seite zu haben. Neben dem Schmiedehandwerk erfahren die Mädchen und Jungen von ihm auch, wie man Schilde baut, Specksteine fertigt, Bronze gießt oder töpfert. Und auch im Herstellen von Glasperlen kennt sich der Mann aus.

„Die Kinder sind sehr interessiert“, hat Wehner festgestellt. Das freut ihn, weil es zeigt, dass die Beschäftigung mit dem Mittelalter durchaus nicht etwas von vorgestern ist. Welcher junge Mann hat schon mal eine Axt in der Hand gehalten und damit einen Baumstamm bearbeitet? Heiner Viergutz (14) aus Niepars, Finn Kette (16) aus Kummerow und Raico Lange (15) aus Langendorf können diese Frage mit Ja beantworten, denn Dienstag ließen sie sich vom Amtsjugendpfleger zeigen, wie man Pfähle anspitzt.

Zwei sollen demnächst als Torpfosten den Lagereingang kennzeichnen, damit auch die Nieparser wissen, dass auf ihrer ehemaligen Hühnerfarm etwas Ordentliches passiert. Sonst liegt das Land hier eher brach.

Das Ferienlager findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt. Träger ist das Amt. Großes Lob zollen Banaskiewicz und Wehner deshalb den Männern vom dortigen Bauhof. „Ohne sie wäre nichts gelaufen“, betont der Amtsjugendpfleger. Manfred Güldners Team hat nicht nur Zelte gebaut und am Montag aufgestellt, sondern auch dafür gesorgt, dass Strom und Wasser auf der alten Hühnerfarm anliegen. Auch wenn sich das Leben im Mittelalter abspielt, auf einen Mindestkomfort sollen die jungen Leute nicht verzichten.

Heute ist bereits die Abschlussparty. Und wie es sich gehört, wird dazu gegrillt. Ein Schwein soll aufgespießt werden. Dazu gibt es Malzbier, weil Bier schon im Mittelalter eine bedeutende Rolle spielte. Schließlich stammt das Deutsche Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516. „Wir laden alle Nieparser dazu herzlich ein“, sagt Marko Wehner. Ab 17 Uhr geht es los.

Das Mittelalterlager ist etwas für die, die dem Kinderdorf entwachsen sind.“Benedikt Banaskiewicz, Amtsjugendpfleger

Reinhard Amler

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